STANS: «Erhoffen uns eine positive Referenz»

Kulinarik hält im ehemaligen Kloster Einzug. Investor Johannes Senn über seinen Bezug zu Käse und warum eine St. Galler Immobilienfirma in Stans investiert.

Interview Matthias Piazza
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Investor Johannes Senn. (Bild Markus von Rotz)

Investor Johannes Senn. (Bild Markus von Rotz)

Interview Matthias Piazza

Bald kehrt wieder Leben ins verwaiste ehemalige Stanser Kapuzinerkloster an der Mürg ein. Anfang Monat hat Johannes Senn, Mitinhaber der Senn Values AG, den Baurechtsvertrag über 60 Jahre mit dem Kanton Nidwalden abgeschlossen. Der Baurechtszins beträgt vorderhand 50 000 Franken jährlich, zudem verpflichtet sich die St. Galler Firma, die Gebäude bis 2020 zu sanieren. Geplant ist ein «kulinarisches Erbe der Alpen», das zum Ziel hat, ein Kompetenzzentrum der heimischen Kulinarik aufzubauen.

Wie kommen Sie als St. Galler auf die Idee, in ein ehemaliges Stanser Kapuzinerkloster zu investieren?

Johannes Senn: Wir haben zwar den Sitz in St. Gallen, sind aber vor allem im Grossraum Zürich aktiv, dazu gehört für uns alles, was mit einer Stunde Wegzeit von Zürich aus zu erreichen ist, also auch die Zentralschweiz. Den Löwenanteil unseres Umsatzes machen wir in diesem Gebiet. Zudem erachten wir die Umnutzung des ehemaligen Klosters Stans als eine sehr reizvolle Aufgabe. Wenn uns das Projekt gelingt, ist dies für uns sicher auch eine wertvolle Referenz. Kommt dazu, dass sich das Kloster in einem sehr schönen Dorfkern mit einer sehr guten Bausubstanz befindet. In so einem Umfeld zu arbeiten und zu investieren ist spannend. Das fordert uns auch architektonisch.

Welchen Bezug haben Sie denn zum Kochen? Sind Sie Hobbykoch?

Senn: Ich selber kann nicht kochen, aber esse sehr gerne. Mich fasziniert am Metier der hohe Qualitätsanspruch. Gastronomen können sich keinen schlechten Tag leisten, haben nur die eine Chance, müssen das Essen zubereiten, wann es der Gast will. Diese Fähigkeit fasziniert mich persönlich. Wir fanden, dass Kulinarik ins Kloster passt. Und ich selber bin sehr interessiert an Käse, der ja eine zentrale Rolle spielen wird, mit dem Käselager im Klosterkeller.

Die Vermarktung vor Ort haben Sie ja Dominik Flammer übergeben, der im Auftragsverhältnis das Kompetenzzentrum der heimischen Kulinarik leitet, Mieter sucht und Verhandlungen mit ihnen durchführt. Wie kamen Sie auf ihn?

Senn: Ich las seine Bücher über Käse und sonstige Kulinarik und wurde darum auf ihn aufmerksam. Wir fanden, dass er gut in unser Konzept passt.

7 Millionen Franken investiert Ihre Firma, die Senn Values AG, für die von der Regierung auferlegte Sanierung des baufälligen Gebäudes. Was bedeutet Ihnen dieses Investitionsvolumen?

Senn: Grundsätzlich können wir das Volumen verkraften. Wir glauben auch, dass sich mit der Summe noch eine vernünftige, sprich durchschnittliche Rendite, erwirtschaften lässt, betrachtet auf die Dauer des Baurechts von 60 Jahren. In diesem Fall steht die Rendite auch nicht an erster Stelle.

Welchen Nutzen erhoffen Sie sich von Ihrem Kloster-Engagement?

Senn: Einerseits erhoffen wir uns davon eine positive Referenz. Damit können wir beweisen, dass wir in der Lage sind, ein solches Projekt zu entwickeln und zum Leben zu erwecken. Andererseits erhoffen wir uns davon wie gesagt eine zumindest vernünftige Rendite.

In welchen Tranchen investieren Sie das Geld? Müssen Sie zuerst Einnahmen generieren?

Senn: Wir staffeln nicht. Bis 2020 müssen wir das Kloster saniert haben, sonst verstossen wir gegen den Vertrag mit dem Kanton Nidwalden.

Inwiefern holt Sie die glücklose Geschichte Ihres «Vorgängers» ein, der Therametrics, ehemals Mondobiotech, die Verluste einfuhr und das Kloster 2014 nach rund 6 Jahren verliess, ohne versprochene Sanierung?

Senn: Die Vorgeschichte ist für uns nicht interessant. Sie spielte höchstens bei den Vertragsverhandlungen mit der Nidwaldner Regierung eine gewisse Rolle. Diese waren vielleicht etwas strenger als sonst üblich.

Was, wenn das Kulinarik-Konzept nicht aufgeht? Verlieren Sie dann 7 Millionen Franken?

Senn: Wenn wir unseren Verpflichtungen nicht nachkommen, sprich den Baurechtszins nicht mehr bezahlen oder nicht wie abgemacht bis 2020 sanieren, verlieren wir je nach Verschulden einen Teil der investierten Summe und müssen dem Kanton eine Art Busse von 300 000 Franken zahlen.

Passt Kulinarik in das Portfolio der Senn-Gruppe?

Senn: Das «Immobilien-Thema» steht bei uns nicht im Vordergrund, da sind wir relativ offen, mein persönlicher Bezug zur Kulinarik spielte nur eine untergeordnete Rolle, denn ich investiere ja nicht mein eigenes Geld. Höchstens ein Gesundheitszentrum käme für uns wohl weniger in Frage, weil uns hier das Know-how fehlen würde.

Die St. Galler Senn-Gruppe ist als Familienunternehmen seit 1965 in der Entwicklung, Planung und Realisierung von Immobilien tätig, beschäftigt rund 30 Leute und erwirtschaftet einen Umsatz von 100 Millionen Franken jährlich. Mitinhaber Johannes Senn (47) ist Geschäftsführer des Geschäftszweiges Senn Resources AG und ihrer Tochterfirma Senn Values AG.