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STANS: Ernüchterung über Vorzeigeprojekt

Vor zehn Jahren baute die Korporation die Holzverstromungsanlage in Oberdorf. Obwohl das Pilotprojekt eine grosse Herausforderung darstellt, haben die Genossen nie aufgegeben. Mit der Leistung sind sie zufrieden, wirtschaftlich ist der Betrieb nicht.
Philipp Unterschütz
Hans Bieri (links) und Bernhard Böcker-Riese in der Holzverstromungsanlage. (Bild: Corinne Glanzmann (Oberdorf, 10. Januar 2017))

Hans Bieri (links) und Bernhard Böcker-Riese in der Holzverstromungsanlage. (Bild: Corinne Glanzmann (Oberdorf, 10. Januar 2017))

Philipp Unterschütz

«Das ist ein komplexes Thema», sagt Urs Gut, der bei der Korporation Stans für das Ressort Holzverstromung zuständig ist. Der Genossenrat macht keinen Hehl daraus, dass die Korporation mit der Holzverstromungsanlage in Oberdorf schwierige Zeiten durchgemacht hat. Als die 16 Millionen Franken teure Anlage im September 2007 in Betrieb ging, waren die Erwartungen an das Pilotprojekt gross, das auf besonders ökologische Art aus Altholz Strom für etwa 1000 Einfamilienhäuser und Wärme für rund 700 Häuser gewinnt. Im Unterschied zu gängigen Kraftwerken wird der Generator für die Stromerzeugung nicht von Dampf, sondern von einem Erdgasmotor mittels Holzgas angetrieben. Weil dabei auch die Wärme genutzt werden kann, die bei Dampfturbinen in der Regel verloren geht, hat eine Holzverstromungsanlage einen wesentlich höheren Wirkungsgrad und läuft auch noch CO2-neutral.

Doch dieses ökologische Versprechen konnte die damalige Technik nur be

dingt einlösen. Dass die Anlage in Stans bis heute, von einigen Kleinanlagen abgesehen, die einzige ihrer Art in der Schweiz geblieben ist, liegt auch an ihrem Start, der andere Energieversorger abschreckte. Die ökologischen Ziele konnten aber mittlerweile im Gegensatz zu den ökonomischen durchaus umgesetzt werden. Die Anlage liefert Wärme an die Pilatus Flugzeugwerke AG, die Gewerbegebiete Aawasserstrasse und Riedenmatt, die Swissint und die kantonalen Gebäude an der Kreuzstrasse und an Private. Dank dem Pilotprojekt konnten in dieser Zeit viele neue Erfahrungen in der Holzgastechnik gesammelt werden.

«Der Anlage zehn Jahre meines Lebens geopfert»

Erst nach der Planung stiess in der Bauphase der deutsche Agrar­ingenieur Bernhard Böcker-Riese, der in Luzern ein Engineering-Unternehmen führt, zum Projekt. Bis heute hat er das Werk in Oberdorf gemeinsam mit der Betriebsleitung um Hans Bieri und der Korporation betreut und ständig weiterentwickelt. «Ich habe der Anlage zehn Jahre meines Lebens geopfert. Aber der Weg hat sich gelohnt.» Es sei seither viel passiert. «Heute krebsen wir nicht mehr auf dem Stand der damaligen Technik her­um. Technisch sind wir jetzt im Reinen.» Es seien in der Pilotanlage aber oft kreative Lösungen gefrat gewesen, dabei seien auch einige Patente herausgesprungen.

Heute erreicht die Anlage 8000 Betriebsstunden jährlich, schöpft also 90 Prozent ihres Potenzials aus – anfänglich waren es grad mal 3000 Stunden. «Wir sind heute grundsätzlich mit der Leistung der Anlage zufrieden», bestätigt Genossenrat Urs Gut. «Dazu hat es aber einen enormen Aufwand gebraucht, auch im finanziellen Bereich.» Es sei den Genossen hoch anzurechnen, dass sie durchgehalten hätten, um bei einer Technologie, die noch nicht in die Breite entwickelt war, dabeizubleiben, lobt Böcker-Riese die Verantwortlichen. Der Pioniergeist und der Durchhaltewille der Genossen wurden auch von der Albert Koechlin Stiftung gewürdigt, welche die Genossenkorporation mit dem Umweltpreis 2013 auszeichnete. «Wir bekennen uns zur Idee der ökologischen Energieerzeugung und stehen hinter der Anlage», betont Genossenrat Urs Gut. «Unser Ziel ist es, mindestens eine schwarze Null zu erwirtschaften.» Das ist auch nach zehn Jahren noch nicht der Fall.

Korporation würde heute wohl anderen Weg gehen

Der Wartungs- und Personalaufwand sei sehr gross, um das komplexe Kraftwerk zu betreiben und das Altholz und das Gas aufzubereiten. Die Korporation ist sich zwar im Klaren, dass eine vorbildliche ökologische Energieerzeugung ihren Preis hat. «Nach heutigem Wissensstand wäre für mich eine herkömmliche Dampfturbine zur Energieerzeugung anstelle einer Vergasung eine mögliche Alternative. Diese hätte zwar ökologisch nicht den gleichen Stellenwert, da nicht den gleichen Wirkungsgrad, und würde mehr Holz brauchen, aber sie wäre nicht so komplex und anspruchsvoll zu betreiben», sagt Urs Gut. Bernhard Böcker-Riese betont, dass mit der heutigen Erfahrung durchaus wirtschaftliche und technisch ausgereifte Anlagen gebaut werden können. Aber die Technik sei anspruchsvoll und erfordere tatsächlich ein gutes Team, das mit Herzblut die Anlage verfahrenstechnisch gut betreue. Aber es gebe kein Kraftwerk, das von alleine laufe. «Die Erzeugung erneuerbarer Energie ist einfach nicht zum gleichen Preis zu haben, wie wenn man fossile Energieträger verheizen kann.» Zwar seien die aktuell tiefen Strompreise nicht förderlich, aber er sei überzeugt, dass diese mittelfristig steigen und dass bis dahin mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) eine Alternative gegeben sei. «Letztlich hängt es aber doch von der Einstellung ab, welchen Preis und Aufwand man bereit ist, in erneuerbare Energie zu investieren», sagt Böcker-Riese.

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