STANS: «Es wäre ein herber Verlust»

Die Stanser Musiktage würden bei einem Aus eine grosse Lücke hinterlassen. Darin sind sich Musiker und Experten einig.

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Stanser Musiktage 2012: Über 200 Saxophonisten spielten auf dem Dorfplatz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Stanser Musiktage 2012: Über 200 Saxophonisten spielten auf dem Dorfplatz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Ob die Stanser Musiktage auch nächstes Jahr stattfinden, steht noch in den Sternen. Rund um die Finanzen sieht es nicht besonders gut aus. Noch diesen Monat will der Verein entscheiden, ob der Anlass auch nächstes Jahr stattfindet (siehe Ausgabe von gestern). «Stans ohne Musiktage ist schlicht unvorstellbar», meint Severin Barmettler, der am Festival im Nidwaldner Hauptort schon fünfmal auftrat. So unter anderen mit den einheimischen Formationen Quantensprung und Techtelmechtel.

«Die Musiktage bieten eine dankbare Plattform für Auftritte vor heimischem Publikum, wurden in den vergangenen zwanzig Jahren zu einer unverzichtbaren Komponente in der Nidwaldner Kulturszene. Zudem können wir viele internationale Beziehungen unter uns Künstlern knüpfen.» Das Aus der Musiktage wäre darum in vielerlei Hinsicht ein herber Verlust. «Es würde eine grosse Lücke entstehen», so Barmettler. «Die Musiktage sind ein fester Bestandteil der Zentralschweizer Musikszene geworden, mit eigener Ausrichtung und Prägung», meint auch Kulturjournalist Pirmin Bossart. Das Festival werde selbst im Kanton Zürich und in Bern wahrgenommen. «Es würde schon etwas fehlen, wenn es diesen Anlass nicht mehr gäbe.»

Nationale Beachtung

«Die Auflösung wäre für Nidwalden und auch fürs Kulturleben insgesamt ein grosser Verlust in jeder Beziehung – an Ausstrahlung nach aussen, aber auch an Inputs nach innen», meint Stefan Zollinger, Vorsteher des kantonalen Amtes für Kultur und Leiter der Kulturkommission Nidwalden. «Solche Anlässe mit überregionaler Ausstrahlung haben auch einen Einfluss auf die heimische Musikszene, ermuntern junge Leute, eine eigene Band zu gründen. Die Musiktage sind eine der wenigen Anlässe Nidwaldens, die weiter über Luzern hinausstrahlen, ja sogar national beachtet werden», so Zollinger weiter.

Der Kanton stehe darum voll und ganz hinter dem Anlass und unterstütze ihn jährlich mit 45 000 Franken sowie zusätzlich mit einer Defizitgarantie von total 50 000 Franken über die nächsten drei Jahre. «Die Musiktage gehören damit zu den wenigen Institutionen, die der Kanton mit mehr als 10 000 Franken unterstützen kann», hält Zollinger fest.

Das Profil hat sich verwässert

«Es wäre schade, wenn es die Stanser Musiktage mit dieser aussergewöhnlichen Ambiance, den Highlights und grossen Namen nicht mehr gäbe», findet Mariel Kreis, Musikredaktorin bei Radio SRF 2 Kultur. «Das Festival ist einzigartig, ziemlich stark in der Region verankert, man trifft auf sehr viele einheimische Leute, die mit Herzblut dabei sind.» Allerdings habe sich ihrer Meinung nach das Musikprofil in den vergangenen Jahren etwas verwässert – von Worldmusic in Richtung Mainstream.

Positiver Abschluss ist «ein Kampf»

«Wenn es so einen etablierten Festplatz nicht mehr gäbe, wäre dies schade. Hier können Leute Livemusik hören, treffen Musiker auf Musiker, aber auch aufs Publikum, das ist unglaublich wichtig», meint Szenekenner Niklaus Troxler, Gründer des Jazzfestivals Willisau. An einem Festival positiv abzuschliessen, das sei immer ein Kampf, meint er zum Defizit. In Stans komme aber erschwerend dazu, dass sich der Schwerpunkt vom Haupt- aufs Rahmenprogramm auf den Plätzen und Strassen verlagert habe. «Und dafür wird eitel Sonnenschein benötigt. Da braucht man sich dann nicht zu wundern, wenn Regenwetter und die ausbleibenden Besucher ein Loch in die Kasse reissen», so Troxler.

Matthias Piazza