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STANS: Fantast zieht Publikum in seinen Bann

Als Geschichtenerzähler wie aus «Tausendundeiner Nacht» entpuppt sich «Der Robbenkönig». Regisseurin Annina Dullin inszeniert ein Stück von Meinrad Inglin. Am Samstag war Premiere.
Marion Wannemacher
Wahlparty für den überraschend nominierten Grossratskandidaten Chlaus Lymbacher (Rolf Steffen, mit roten Schuhen). (Bild: Emanuel Wallimann/PD)

Wahlparty für den überraschend nominierten Grossratskandidaten Chlaus Lymbacher (Rolf Steffen, mit roten Schuhen). (Bild: Emanuel Wallimann/PD)

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

Erfolg war dem Schwyzer Autor Meinrad Inglin mit seinem Stück «Chlaus Lymbacher» zu Lebzeiten nicht beschieden. Erst vier Jahre nach seinem Tod kam es 1976 in Hinwil im Zürcher Oberland unter dem Titel «Der Robbenkönig» zur Uraufführung und fand von da an den Weg auf die Bühnen, so auch 1993 auf die des Theaters Sarnen und dieses Jahr in Stans. Relativ schnell habe man sich für das Stück entschieden, betont Regisseurin Annina Dullin. Inglins Thema ist Wahrheit oder Lüge, heute auch als «alternative Fakten» bezeichnet. «Durch Trump ist das Entertainment auf der politischen Weltbühne angekommen», sagt die 40-Jährige. Sie stammt aus Thun und hat unter anderem am Luzerner Theater Stücke für Erwachsene und Kinder gemacht.

Robbenkönig wird als Lügner entlarvt

«Die Figur des Robbenkönigs hat mir gleich gefallen und der Ort könnte auch Stans sein», erzählt sie. Gemeinsam mit Dramaturgin Lia Schmieder hat sie das Stück für die Stanser Bühne bearbeitet, vieles gestrichen, aber auch neue Szenen eingefügt, die sich im ganzen Haus abspielen und per Videoübertragung auf die Bühne projiziert werden. Im Stück geht es um Weltenbummler Chlaus Lymbacher (Rolf Steffen), der sich zurück im Heimatort eine bürgerliche Existenz mit Ehefrau Anna als Gastwirt des «Ochsen» aufbauen will. Während Wirtschaft und Ehe kurz vor dem Aus stehen, kann er vor allem eins: Geschichten erzählen. Diese sind so fantastisch wie spannend und fesseln seine Zuhörer. Darunter auch die unglaubliche «Robbenkönig»-Geschichte, in der er als Robbe verkleidet die feindlichen Jäger in die Flucht schlägt. Als Lymbacher überraschend zum Grossratskandidaten gewählt wird, orakelt seine Frau: «Das nimmt kein gutes Ende.» Die Präsidentin der Partei, Dr. Steiner (Pia Murer), setzt alles daran, diesen Entscheid rückgängig zu machen, und entlarvt ihn als Lügner. Sie drängt den unfähigen Dr. Burkart zur Gegenkandidatur. Die Wähler spalten sich in zwei Lager, der «Robbenkönig» verliert die Wahl. Was bleibt ihm nach gescheiterter Ehe und Verkauf des «Ochsen»? Er zieht mit Dorforiginal Johann und Serviertochter Vroni in die Welt hinaus.

Die Schlussszene ähnelt jener eines Roadmovies

Das Ensemble leistet gute Arbeit: Als überzeugender Hauptdar­steller vermag Rolf Steffen das Publikum wie ein Geschichtenerzähler aus «Tausendundeiner Nacht» in seinen Bann zu ziehen, Patricia Niederberger verkörpert glaubhaft die Ehefrau zwischen Liebe und Mühsal. Hannes Büeler überzeugt als Dorforiginal, jeder gibt in seiner Nebenrolle sein Bestes: Arne Domrös hat die Lacher in seiner Parodie auf den deutschen Immobilienkäufer Bohnensack auf seiner Seite, Michelle Elmiger als untalentierte Serviertochter, Albert Müller als Gegenkandidat wider Willen. Das Bühnenbild von Viola Valsesia besticht durch Schlichtheit und wirkt modern. Wände und Decke des «Ochsen» entschweben und geben zur orientalischen Geschichte den Blick auf den Sternenhimmel frei.

Bis zur Nominierung Lymbachers ist die Geschichte gut erzählt. Schade, dass sich danach der Spannungsbogen in vielen absurden Handlungen verliert. Mit der Kamera lässt Dullin die Zuschauer hinter die Kulissen blicken. «Sie sollen näher an die Figuren kommen», erklärt sie auf Nachfrage. Doch viele Einspielungen bauen eher Distanz auf. Die Diskrepanz zwischen Wahrheit und Lüge, die eigentliche Botschaft des Stücks, bleibt in einer einzigen Szene stecken. «Schau, da hocken sie zusammengepfercht und sehen nicht mal, dass die Sonne aufgeht. Sie löffeln das Leben aus wie eine ungesalzene Suppe», zieht der Robbenkönig in der Schlussszene sein Fazit über die Welt, in die er nicht passt. In einem eindrücklichen Bild endet das Stück: Wie in einem Road­movie zieht er mit Vroni und ­Johann die Mürg­strasse entlang, der aufgehenden Sonne entgegen.

Hinweis

Weitere 18 Aufführungen bis zum 24. März. Reservationen unter www.theaterstans.ch oder Telefon 041 610 19 36 (Donnerstag/Freitag von 16.30 bis 18.30 Uhr).

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