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STANS: Faustkampf auf der Acheregg-Brücke

Demnächst erscheint der Fotoband «Feierabend» des Polizeifotografen Arnold Odermatt. Thema im Buch und auf einer geplanten DVD ist auch der Bau der Autobahn am Lopper. Dazu gibt es viele Geschichten.
Romano Cuonz
Auf der Acheregg-Brücke kommen Arnold Odermatt zahllose Erinnerungen an die Bauzeit. Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 24. Oktober 2016)

Auf der Acheregg-Brücke kommen Arnold Odermatt zahllose Erinnerungen an die Bauzeit. Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 24. Oktober 2016)

Der frühere Nidwaldner Polizist und mittlerweile weltbekannte Fotograf Arnold Odermatt blättert im Manuskript seines neusten Bildbandes. Nicht weniger als 387 bisher unveröffentlichte Fotografien wird das Buch enthalten. Übertitelt ist es in drei Sprachen: «Feierabend – Après le boulot – After Work.» Ein Hinweis darauf, wie international das Publikum des Nidwaldners inzwischen geworden ist. Odermatt schmunzelt: «Der Titel hat eine doppelte Bedeutung, immerhin bin ich nun auch schon 91-jährig!»

Jedoch: Wenn er in seinen Erinnerungen zu kramen und zu erzählen beginnt, blitzt Schalk, ja fast Jugendlichkeit, aus seinen Augen. Besonders, wenn die Rede auf eine der ersten Grossbaustellen der Schweiz im Nationalstrassenbau kommt: auf die gleich doppelte Brücke an der Seeenge Acheregg bei Stansstad. «Zwischen 1961 und 1964 wurde sie für 35 Millionen Franken mit damals modernsten Methoden errichtet», erinnert sich Odermatt. «Als sicheres, grosses Eingangstor zu Nidwalden für Autos und Bahn.» Heute passieren neben Zügen täglich bis zu 50 000 Fahrzeuge die Brücken.

Arnold Odermatts Erinnerungen – mit Bildern und ihren Geschichten – gehen weit zurück. «Ich bin in Oberdorf aufgewachsen und war schon siebenjährig, als ich zum ersten Mal nach Stansstad kam», erzählt er. 1935 – als zehnjähriger Bub – gewann er dann einen einfachen Fotoapparat. Damit begann die grosse Liebesgeschichte zur Fotografie. Bald interessierte ihn auch die alte Acheregg-Brücke. «Damals gab es noch die Drehbrücke von 1914, die immerhin 50 Jahre lang gute Dienste leistete», berichtet Odermatt. Und er erinnert sich: «Wenn ein Dampfschiff wie die ‹Gallia› passieren wollte, wurde der drehbare Teil vom Brückenwart und ‹Acheregg›-Wirt Jost Hermann per Elektromotor zur Seite geschoben.» Auf der Brücke habe es eine Barriere mit Vorhang gegeben. Trotzdem sei es mehrmals vorgekommen, dass unvorsichtige Velofahrer oder Fussgänger aus rund sieben Metern Höhe ins Wasser gefallen seien.

Verrücktes Beispiel für Ungeduld

Bis so ein Schiff passiert hatte, mussten sich Automobilisten schon 15 Minuten in Geduld üben. Odermatt entsinnt sich, wie das Warten bereits zu dieser Zeit vielen Leuten schwer fiel. Und er zeigt ein Bild im Buch: ein Mann mit dick geschwollener Backe. Dann grinst er: «Das Bild habe ich – nun schon Chef der Verkehrspolizei – mit einem Kollegen nachgestellt, um vor über 300 Verkehrspolizisten aus der ganzen Schweiz einen kuriosen Fall an der Acheregg zu illustrieren.» Und schildert: «Da kam die Meldung, dass es auf der Autobahn vor der Brücke einen Unfall mit Verletzten gebe. Wie wir ankommen, sehen wir keine Spur von einem Unfall. Ein Auto ist leer, im andern sitzt noch ein Bub. Die Automobilisten seien schon im Spital, berichten Zeugen. Einer habe getobt, weil der Vordermann falsch eingespurt sei. Schliesslich habe der Streithahn dem andern mit gezieltem Fausthieb den Kiefer zertrümmert!» Doch die Pointe komme erst noch, lacht Odermatt übers ganze Gesicht: «Als der Übeltäter wieder in seinen Wagen zurückging, die Tür zuschlagen wollte, hatte er seinen Kopf noch nicht ganz drin. Und so lautete auch bei ihm die Diagnose Kieferbruch!»

Waghalsige Filmaufnahmen

Als sich das Nidwaldner Volk 1954 an der Landsgemeinde entschied, die Autobahn und Bahnverbindung nach Luzern – damals unter Baudirektoren wie Remigi Joller und August Albrecht – vorerst auf eigene Faust in Angriff zu nehmen, begann nicht nur die Karriere von Arnold Odermatt als Polizeifotograf. Nein, auch jene als Filmer fürs Schweizer Fernsehen. Dieses hatte sein einzigartiges Talent während eines Kurses entdeckt. Initiant Beppi von Matt kaufte eine Occasions-Filmkamera, und bald begann das Abenteuer. Mit ihm als Produzent und Odermatt als Kameramann wurde die sensationelle Baugeschichte der Acheregg-Brücken haarklein dokumentiert und in alle Landesteile ausgestrahlt. Dabei scheuten die beiden vor nichts zurück. «Als uns fröhliche italienische Gastarbeiter ‹Vieni! Cho! Filmä!› zuriefen, stiegen wir mit Lampe und Filmkamera im Inneren einer Betonröhre neun Meter unter den Wasserspiegel», erinnert sich Odermatt. «Der Druck des Wassers hätte uns die Lunge zerreissen können!» Oft fragten sich Betrachter auch, wie um alles Odermatt zu geradezu gewaltigen Aufnahmen gekommen sei. «Ein Kran hat mich in einem Korb über der Baustelle baumeln lassen», lacht er und blättert voll Stolz in seinem neuen Buch «Feierabend».

Hinweis

«Feierabend» von Arnold Odermatt und Urs Odermatt im Steidel Verlag Göttingen. Vernissage: 18. November in der Fotobastei Zürich. Schon jetzt kann man das Buch unter www.theodermatt-shop.ch bestellen. Die DVD «Lopper» erscheint nächstes Jahr.

Romano Cuonz

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