STANS: «Freude am Beruf nicht verlieren»

Die Lage bei den Milchpreisen gibt den Bäuerinnen in Nidwalden zu denken. An ihrer Generalversammlung war auch die steigende Mehrbelastung in Bauernfamilien ein Thema.

Marion Wannemacher
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Die Co-Präsidentinnen des Nidwaldner Bäuerinnenverbandes: Claudia Käslin-Barmettler (links) und Rita Niederberger-Ulrich. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 19. Januar 2017))

Die Co-Präsidentinnen des Nidwaldner Bäuerinnenverbandes: Claudia Käslin-Barmettler (links) und Rita Niederberger-Ulrich. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 19. Januar 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ nidwaldnerzeitung.ch

Die Schneemann-Kompanie vor dem Vorstandstisch passte perfekt zum Wetter und stach auch Regierungsrat Ueli Amstad ins Auge. Die Dekoration mache es heimeliger, und man sei da an der Generalversammlung des Bäuerinnenverbandes wie zu Hause, hob er hervor. Rund 130 Mitglieder nahmen an der 68. GV im Pestalozzi-Saal teil. Amstad rühmte das Engagement der Landfrauen. «Wir dürfen ein Kränzli winden für die soziale Betreuung auf dem Bauernhof. Das Pflänzchen wächst, und man hat schon die ersten Ziele erreicht.» So hätten die ersten Lehrlinge der Pilatus-Flugzeugwerke Unterschlupf auf dem Bauernhof gefunden. Amstad lobte das vielseitige Jahresprogramm des Verbandes.

Im Jahresrückblick schilderten die Co-Präsidentinnen Rita Niederberger-Ulrich und Claudia Käslin-Barmettler die Höhepunkte des Verbandsjahres. Claudia Käslin sprach die Marktlage an: «Die Fleischpreise sind gut, der Milchmarkt gibt weiterhin zu denken.» Es gelte, den Betrieb zu optimieren und so das Beste herauszuholen. «Auf jeden Fall darf man die Freude an unserem schönen Beruf nicht verlieren.»

Bäuerinnen engagieren sich politisch

Die Palette des Jahresprogramms reichte von Weiterbildungskursen über effektive Mikroorganismen, Schneidern mit Edelweissstoff, oder das Backen mit Ur-Dinkel bis hin zum Wellnesswochenende in Morschach. Ein Verbandsausflug nach Basel ans Dreiländereck mit eindrücklicher Schleusenfahrt von Basel nach Rheinfelden oder ein Besinnungsnachmittag mit Wandertour nach Wiesenberg in Begleitung von Präses Marino Bosoppi rundete das Programm ab. Fester Bestandteil ist mittlerweile der Lauftreff, an dem je eine sportliche und eine gemütliche Gruppe jeweils einmal im Monat eine andere Gemeinde erkundet. Und auch fürs laufende Jahr sind wieder zahlreiche Aktivitäten geplant: Kochen im Wok im September oder das Nähen der eigenen Nidwaldner Werktagstracht an fünf Abenden im Mai sowie das richtige Einzäunen von Weideland.

Die Bäuerinnen in Nidwalden engagieren sich aber auch politisch: Dazu gehören zweimal im Jahr Treffen mit Regierungsrat Ueli Amstad, Andreas Egli, Vorsteher des Amtes für Landwirtschaft, und dem Vorstand vom Bauernverband sowie ein runder Tisch mit Nationalrat Peter Keller und Ständerat Hans Wicki. Auf politischer Ebene beteiligen sich die Landfrauen ausserdem an Vernehmlassungen. Claudia Käslin nannte als Beispiel das Stabilisierungsprogramm des Bundes und den landwirtschaftlichen Zahlungsrahmen für die Jahre 2018 bis 2021. Auch zur Anhörung des Agrarpakets 2016 habe man Stellung genommen.

Zusätzliche Belastung durch Nebenverdienste

Die steigende Mehrbelastung in Bauernfamilien sprach Hansueli Keiser, Präsident des Bauernverbandes Nidwalden, an. Die Verunsicherung bei Bauern wegen der wirtschaftlichen Lage sei auch im Kanton spürbar, sagte er. Das habe eine Analyse zur wirtschaftlichen und sozialen Situation gezeigt. In finanzieller Hinsicht gehe es den Bäuerinnen und Bauern in Nidwalden zwar nicht schlecht, das Niveau habe man halten können.

Was der Bericht jedoch nicht aufzeige: dass viele Landwirte das Mindereinkommen häufig durch Nebeneinkommen kompensierten. «Das ist in meinen Augen eine gefährliche Entwicklung. Viele Betriebe laufen am Anschlag, es führt zu zusätzlicher Arbeitsbelastung, verbunden mit Stress und psychischer Belastung», betonte der Präsident des Bauernverbandes. Männer könnten häufig nicht über Gefühle sprechen. Keiser verwies auf eine Vielzahl von professionellen Organisationen, die zu bäuerlichen Themen Hilfe anböten. Es sei wichtig, dass die Frauen hinschauten und das Gespräch suchten, so sein Appell.