STANS: Frohsinn wird seinem Namen gerecht

Am Sonntag besuchte der Frohsinnvater das Wohnheim Nägeligasse. Bei Kaffee, Kuchen und Musik sorgte die Stanser Fasnachtsgesellschaft für gute Stimmung.

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Frohsinnvater Marcus I. verteilt Eierbecher aus dem 3-D-Drucker und Überraschungseier an das Fasnachtsvolk im Briggli. (Bild Edi Ettlin)

Frohsinnvater Marcus I. verteilt Eierbecher aus dem 3-D-Drucker und Überraschungseier an das Fasnachtsvolk im Briggli. (Bild Edi Ettlin)

Edi Ettlin

Die Gastwirtschaft zum Briggli ist mit über hundert Besuchern bis zum letzten Platz besetzt, als Zeremonienmeister Marlon Imobersteg feierlich den hohen Besuch ankündigt: «Frohsinnvater Marcus I. und Frohsinnmutter Andrea!» Zu den schrägen Klängen der elfköpfigen Blaskapelle Sou-Huuffe aus Luzern schreitet der Vorstand der Frohsinngesellschaft in den Saal.

In seiner kurzen Begrüssung bezeichnet sich Frohsinnvater Marcus I. als 58-jährigen Jungspund, der von der Lebenserfahrung der versammelten Bewohner noch einiges lernen könne, und betonte: «Der Besuch an der Nägeligasse ist ein Highlight im Leben des Frohsinnvaters.»

Bereichernde Besuche

Dass der Frohsinnvater an der Nägeli­gasse mit Kaffee und Kuchen seine Aufwartung macht, gehört zum festen Programm der Fasnachtszunft. «Die Frohsinngesellschaft übt neben ihrem Engagement für die Fasnacht auch soziale Aktivitäten aus», erklärt Präsident Niklaus Minder. Der Neujahrsbesuch im Spital, persönliche Besuche bei betagten Mitgliedern oder die Seniorenfasnachten in Stans und Oberdorf gehören in diese Kategorie.

«Wir sind eine emotionale, offene Zunft», betont Frohsinnvater Marcus Risi und straft das Vorurteil Lügen, Zünfte seien verschlossene, abgehobene Zirkel. «Alle diese Besuche sind für uns eine Bereicherung», erzählt er. In Erinnerung bleiben wird ihm auch der Besuch am Insieme-Ball tags zuvor. Von der Begeisterung der behinderten Fasnächtler ist er jetzt noch überwältigt. «Ich habe schon in den ersten fünf Minuten einen Heiratsantrag erhalten», schwärmt er lachend.

Für den Vorstand der Frohsinngesellschaft bedeutete der sonntägliche Besuch an der Nägeligasse nur eine kurze Verschnaufpause. Unzählige Abstecher zu Umzugswagenbauern und zu befreundeten Zünften in Nidwalden und den umliegenden Kantonen halten die Männer mit dem charakteristischen Dreispitz auf Trab. Sie sind in diesen Tagen vor der frühen Fasnacht 2016 so gefragt, dass sich der Vorstand in bis zu vier Gruppen aufteilen muss. Dann kommen auch ehemalige Frohsinnväter wieder zur Ehre, die Delegationen anzuführen.

«Ganz spezielle Erlebnisse»

Trotz des gedrängten Programms hat Marcus I. sichtlich Spass an seiner Rolle. «Der Vorstand krampft vom Morgen bis am Abend, und ich als Frohsinnvater kann mich einfach tragen lassen», windet er seinen Vorstandskollegen ein Kränzchen. Eine schöne Abwechslung ist der vorfasnächtliche Anlass auch für Urs Schaub, Geschäftsführer des Wohnheims Nägeligasse. «Im Jahresablauf leben wir viele Traditionen», erklärt er. «Es sind dann aber ganz spezielle Erlebnisse, wenn wir zusätzlich von aussen Besuch erhalten.» Damit spricht er neben der Fasnacht auch die Besuche des Samichlaus oder der Älpergesellschaft an. «Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben einen Bezug zum Brauchtum und laden zum Feiern der Anlässe jeweils auch Angehörige ein.»

Polonaise und Tänzchen

Eine wichtige Rolle bei diesen Gemeinschaftserlebnissen spiele stets die Musik. Schaub hat beobachtet, dass an Demenz erkrankte Bewohner bei solch geselligen Anlässen ihre Unrast ablegen. «Die Musik spricht eben die Seele an», lautet seine Erklärung.

Als ob es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, machten sich die Gäste des Briggli zur traditionellen Polonaise auf, und hier und dort war gar ein kleines Tänzchen zu beobachten.