STANS: Gangster muss sechs Jahre ins Gefängnis

Ein mehrfach vorbestrafter Bankräuber aus Italien ist am Mittwoch vom Nidwaldner Kantonsgericht zu einer sechsjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er 2013 in Beckenried eine Bank überfallen und einen weiteren Überfall im Aargau und in Zürich geplant hatte.

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Der Angeklagte wird in Handschellen vom Gefängniswagen ins Gerichtsgebäude geführt. (Bild: Kurt Liembd / Neue NZ)

Der Angeklagte wird in Handschellen vom Gefängniswagen ins Gerichtsgebäude geführt. (Bild: Kurt Liembd / Neue NZ)

Der 61-jährige Mann aus der Region Neapel wurde vom Kantonsgericht nach einem Indizienprozess wegen Raubes und strafbarer Vorbereitungshandlungen verurteilt. Das Gericht folgte vollumfänglich den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte einen Freispruch und 71'000 Franken Entschädigung verlangt.

Das Kantonsgericht in Dreierbesetzung sah es als erwiesen an, dass der Italiener im Frühjahr 2013 mit einem Komplizen einen Überfall auf eine Bank in Beckenried verübt und total umgerechnet 200'000 Franken gestohlen hatte. Wenige Monate später hat er gemäss Urteil mindestens einen weiteren Überfall im Aargau und in Zürich geplant.

Das Kantonsgericht verurteilte den Mann aufgrund mehrerer Zeugenaussagen und Sachindizien wegen Raubes und strafbaren Vorbereitungshandlungen. Das Gericht folgte vollumfänglich den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Das Gericht habe absolut keine Mühe mit den Argumenten des Staatsanwalts und den vorgebrachten Indizien, sagte die vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung.

Die Richterin wies auch auf Widersprüche und geänderte Aussagen des Angeklagten im Verlauf der Untersuchung hin. Dies würde nicht für die Glaubhaftigkeit des Beschuldigten sprechen, sagte die Richterin. Im Allgemeinen glaube das Gericht nicht an eine solche Vielzahl von Zufällen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Italiener aus der Region Napoli war zwischen 1991 und 2007 in seiner Heimat mehrfach wegen bewaffneter Raubüberfälle zu Haftstrafen verurteilt worden. Zudem befand ihn die italienische Justiz wegen der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung für schuldig.

Verteidiger verlangte Freispruch

Der Verteidiger des beschuldigten Italieners verlangte einen Freispruch. Er wies von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Indizien als «Vermutungen und unzulässige Querverbindungen» zurück.

Der Verteidiger verlangte im Indizienprozess einen Freispruch nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten». Zudem verlangte er für den beschuldigten 61-Jährigen, der sich seit über einem Jahr in Haft befindet, eine Entschädigung von knapp 71'000 Franken.

Sein Mandant sei weder am Überfall auf die Kantonalbank in Beckenried beteiligt gewesen noch habe er weitere Überfälle geplant, sagte der Verteidiger in seinem Plädoyer. Die nach dem Überfall in der Bank sichergestellten DNA-Spuren würden nicht mit dem Erbgut des Beschuldigten übereinstimmen.

Zeugenaussagen, wonach der Neapolitaner beim Erkunden der Bank beobachtet worden sein soll, seien vage und die Fotos seien aus grosser Distanz aufgenommen worden. Die Überwachungsbilder liessen sich nicht klar seinem Mandaten zuordnen.

Weiter sagte der Verteidiger, dass die bei der Verhaftung des Italieners beschlagnahmte Laptoptasche mit Diktafon mit Banküberfall-Vokabular nicht dem Beschuldigten zugewiesen werden könne. Die Tasche sei im Zimmer einer Jugendherberge in Zürich sichergestellt worden, das der Beschuldigte mit weiteren Personen geteilt habe.

Auch die Einträge im Navigationsgerät mit Adressen in der Nähe von Banken liess der Verteidiger nicht als Beweis gelten. Es sei bloss eine Vermutung, dass sich der Italiener auch tatsächlich an den Zieladressen aufgehalten habe. Zudem würden sich an den Adressen nicht nur Banken sondern auch andere Geschäfte befinden.

Der Angeklagte stehe lediglich auf Grund dessen Vorgeschichte vor Gericht, sagte der Verteidiger. Der Italiener wurde in seiner Heimat mehrfach wegen bewaffneten Raubüberfällen sowie als Mitglied einer kriminellen Vereinigung verurteilt.

Angeklagter: «Ich war als Kleiderverkäufer unterwegs»

Der Angeklagte hatte am Mittwochmorgen vor Gericht die Anschuldigungen zurückgewiesen. Mit einem Überfall habe er nichts zu tun. Er sei als Kleiderverkäufer in der Schweiz unterwegs gewesen und habe Lokalitäten für eine Pizzeria gesucht.

Wo er sich zum Zeitpunkt des Überfalls am 25. März 2013 aufgehalten habe, wisse er nicht mehr, sagte der 61-jährige Italiener. Er sei als Kleiderverkäufer an mehreren Orten in der Schweiz unterwegs gewesen. An Daten könne er sich nicht erinnern, sagte er mehrmals.

Laut der vorsitzenden Richterin stimmte eine auf Überwachungsbildern der Bank abgebildete Person exakt mit dem erstellten 3D-Profil des Angeklagten überein. Dieser erklärte, das sei absurd.

Der Angeklagte hatte zu allen von der Richterin vorgebrachten Indizien eine Erklärung, auch zu den Einträgen in seinem Navigationsgerät mit Adressen von Banken im Aargau und in Zürich. Die Schweiz sei schliesslich voller Banken, erklärte er und sorgte für Schmunzeln unter den rund zwei Dutzend Prozessbesuchern.

Der Beschuldigte erklärte, er stehe lediglich vor Gericht, weil er sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufgehalten habe und in Italien mehrfach vorbestraft sei.

Laut Gericht war der Angeklagte bisher in Italien sechsmal wegen Raubüberfällen verurteilt worden. Gemäss Staatsanwalt wurde der Neapoletaner zudem 2002 in Florenz der Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung für schuldig befunden. Vor Gericht in Nidwalden wies er dieses Urteil zurück.

Der 61-jährige Angeklagte vertrat vor Gericht seine Standpunkte vehement. Gleichzeitig machte er Herz- und Kniebeschwerden geltend. So verlangte er während der Befragung ein Glas Wasser, um Medikamente einnehmen zu können.

Mann soll Bank überfallen haben

Dem Mann werden von der Staatsanwaltschaft Raub und strafbare Vorbereitungshandlungen vorgeworfen. Der Beschuldigte soll am 25. März 2013 mit einem Komplizen bewaffnet die Kantonalbank in Beckenried überfallen haben. Dabei wurden drei Bankangestellte gefesselt und im Bad eingesperrt. Die Täter flüchteten mit gut 200'000 Franken Bargeld.

Zudem soll der Arbeitslose im Oktober und November 2013 erneut aus Neapel in die Schweiz eingereist sein und Banken in den Kantonen Aargau und Zürich auskundschaftet haben. Entsprechende Adresseinträge fand die Staatsanwaltschaft im Navigationsgerät des Mannes. Als die Polizei den Mann verhaftete, stellte sie in dessen Besitz unter anderem ein Diktafon mit Banküberfall-Vokabular, das ins Englisch übersetzt war, sicher.

Der Verteidiger des Angeklagten will seine Anträge erst im Verlauf der Verhandlung bekannt geben. Das Kantonsgericht muss im Indizienprozess darüber befinden, ob sich mit den von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Hinweisen die Taten dem Beschuldigten zuweisen lässt.

sda

Zwei Männer haben im März 2013 die Kantonalbank in Beckenried überfallen. Laut der Richterin stimmte eine auf Überwachungsbildern der Bank abgebildete Person exakt mit dem erstellten 3D-Profil des Angeklagen überein. (Bild: Archiv Kapo Nidwalden)

Zwei Männer haben im März 2013 die Kantonalbank in Beckenried überfallen. Laut der Richterin stimmte eine auf Überwachungsbildern der Bank abgebildete Person exakt mit dem erstellten 3D-Profil des Angeklagen überein. (Bild: Archiv Kapo Nidwalden)

Der Gangster ist zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. (Bild: Kurt Liembd / Neue NZ)

Der Gangster ist zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. (Bild: Kurt Liembd / Neue NZ)