Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

STANS: Heiligkeit scheidet die Geister

Fachleute führten eine Podiumsdiskussion über Religionen. Sie alle empfanden die verschiedenen Standpunkte als bereichernd.
Primus Camenzind
Gesprächsrunde mit Loten Dahortsang, Jacqueline Straub, Romano Cuonz, Elham Manea, Charles Lewinsky (von links). Bild: Primus Camenzind

Gesprächsrunde mit Loten Dahortsang, Jacqueline Straub, Romano Cuonz, Elham Manea, Charles Lewinsky (von links). Bild: Primus Camenzind

Zurzeit findet im Nidwaldner Kantonshauptort die «Woche der Religionen» statt. Das Podium mit der Affiche «Was uns heilig ist» stellte am vergangenen Mittwoch in der Aula des Kollegiums St. Fidelis die «Werte in Religion und Gesellschaft» in den Mittelpunkt. Unter der Gesprächsleitung von Romano Cuonz, Autor und Journalist aus Sarnen, tauschten sich kompetente Persönlichkeiten mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit und Weltanschauung aus. Die Veranstaltung war von rund 50 Personen besucht.

Heilig: Ein umstrittener Begriff

Der Affiche entsprechend wollte der Gesprächsleiter zuerst wissen, was den Podiumsteilnehmern «heilig» ist. Mit diesem Wort und seiner Verwendung haben fast alle ihre liebe Mühe: «Der Mensch und seine Würde», antwortete die in Jemen geborene Elham Manea, Menschenrechtsaktivistin und Dozentin für Politikwissenschaft an der Uni Zürich. «Wenn Heiligkeit unantastbar ist, habe ich allerdings ein Problem damit.» Dem Zürcher Autoren Charles Lewinsky – derzeit für den Schweizer Buchpreis 2016 nominiert – ist «nichts heilig». Das Wort habe in seinem Weltbild keinen Platz. «Das heisst jedoch nicht, dass ich keine Werte respektiere», betonte der Verfasser von erfolgreichen Fernsehstücken und Filmdreh­büchern.

«Ich weiss nicht, ob ich das Wort heilig im buddhistischen Kontext überhaupt verwenden kann», liess der im tibetischen Lhasa geborene Loten Dahortsang verlauten. Er ist Studien- und Mediationsleiter in verschiedenen Zentren Europas. «Im Sinne unserer Erkenntnislehre ist dieser Begriff recht problematisch.» Anderer Meinung ist Jacqueline Straub. Die junge Theologin macht sich für das Priestertum von Frauen in der katholischen Kirche stark. «Für mich ist Heiligkeit ein Gefühl», betonte sie. «Heilige sind in meinem Glauben ganz wichtig, obwohl viele von ihnen alles andere als heilig lebten.»

Toleranz als Spielregel

Was die Werte in Religion und Gesellschaft anbetrifft, war man sich schnell einig, dass Toleranz unter den Gläubigen und Nichtgläubigen sowie die Nächstenliebe elementar sind. Lewinsky kann mit den «ausgeklügelten Gesetzesfeinheiten und den rund 350 Geboten» seines angestammten jüdischen Glaubens wenig anfangen. Er brachte die Wertediskussion auf den Punkt: «Behandle dein Gegenüber so, wie du selber behandelt werden möchtest!» Die Muslimin Elham Manea erkennt in der Toleranz «die Spielregeln» für alle Menschen. Die Kämpferin für Frauenrechte in einem humanistischen Islam räumt ein: «Meine Religion hat eine destruktive Seite, ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Terrorismus.»

Das zweideutige Wort Toleranz (Lewinsky: «Tolerieren bedeutet nämlich erdulden, ertragen») führte die Teilnehmer zu Begriffen wie gut und böse, Himmel und Hölle. Auch bei diesen Begriffen orientiert sich Jacqueline Straub grundsätzlich am katholischen Glauben. «Sie können einschüchternd, aber ebenso motivierend wirken», sagte die 24-Jährige, die auch als freie Journalistin tätig ist. «Auch wenn ich selber nicht an die Hölle glaube, so will ich doch möglichst Gutes tun.» Und Loten Dahortsang meinte: «Der Buddhismus ist streng genommen gar keine Religion, sondern die Sichtweise der Dinge. Himmel und Hölle definieren sich bei uns deshalb im täglichen Geschehen auf unserer Erde.»

Bereichernd und überraschend

Nachdem im Verlauf des Abends weitere Voten die unterschiedlichen Standpunkte der Teilnehmer aufzeigten, sprachen diese in ihren Schlussworten von einem bereichernden Gespräch. Loten Dahortsang: «Ich hörte Dinge, die mich in meiner Entwicklung weiterbringen.» Elham Manea: «Humanismus verbindet uns.» Jacqueline Straub: «Ich habe Spannendes über den Buddhismus erfahren.» Und Charles Lewinsky: «Ich bin überrascht, dass wir so viel gelacht haben. Das ist sonst bei religiösen Gesprächen nicht der Fall.»

Hinweis

Heute Freitag, um 19.30 Uhr in der reformierten Kirche Stans: «Das Wunder von Bern» – Filmabend zum Thema «Ist Fussball Heilung der Volksseele?». Diskussion mit Fussballexperte Rolf Fringer.

Primus Camenzind

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.