STANS: Humor hat in allen Religionen Platz

Humorvoll wurde im Kollegisaal ein schwieriges Thema angegangen. Und das mit Erfolg. Fazit: Religion verträgt Humor.

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Debattierten über Humor:  Belkis Osman-Besler, Michel Bollag, Gesprächsleiter Josef Hochstrasser und Schwester Sabine Lustenberger (von links). (Bild Rosemarie Bugmann)

Debattierten über Humor: Belkis Osman-Besler, Michel Bollag, Gesprächsleiter Josef Hochstrasser und Schwester Sabine Lustenberger (von links). (Bild Rosemarie Bugmann)

Rosemarie Bugmann

Humor und Religion, ein Widerspruch? Keineswegs, das war am Podium in Stans zum Thema «Wie viel Humor verträgt Religion» schnell klar. Humorvoll begann bereits die Vorstellungsrunde. Gesprächsleiter Josef Hochstrasser, ehemals katholischer Priester, der sich später für eine Beziehung entschieden hatte und reformierter Pfarrer wurde, sagte bei seiner Vorstellung, dass er an einem Fastnachtsdienstag in Luzern geboren wurde. Damit sei ihm der Humor quasi in die Wiege gelegt worden.

Die Oberin vom Kloster St. Klara in Stans, Schwester Sabine Lustenberger, doppelte sofort nach: Sie wurde an einem Fastnachtsmontag geboren. Trotz schwierigem Thema war das Podium sehr locker, unterbrochen von häufigen Lachern von Seiten des Publikums.

Natürlich fehlten auch die Witze nicht. Zum Beispiel: «Warum dürfen in der katholischen Kirche die Frauen nicht Priesterinnen sein? Weil beim Abendmahl keine Frauen dabei waren. Aber beim Abendmahl waren doch auch keine Polen dabei!»

Humor als Überlebensstrategie

Einige Witze kamen von Michel Bollag, Fachreferent und Dozent Judentum. «Humor ist, wenn man trotzdem lacht», sagte er. Die meisten jüdischen Witze seien eher alt und auf die Zeit der Verfolgung und Hilflosigkeit zurückzuführen. Witze seien in solchen Situationen eine Art Überlebensstrategie. «Menschen, die sich als Minderheit erleben, brauchen Humor, um mit der Situation umzugehen», sagte wenig später Schwester Sabine Lustenberger.

Dann erzählte sie von ihrem Klosteralltag, wo auch sehr viel gelacht werde. Humor ist eine individuelle Eigenschaft, da waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig. Es gibt humorvolle wie auch völlig humorlose Menschen. «Ich habe selten fundamentalistische Menschen gesehen, die über Religion lachen können», sagte Michel Bollag. Das konnten alle bestätigen. Dabei spiele die Glaubensrichtung keine Rolle.

Und so kam auch der Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» zur Sprache. Was ist Satire, was ist Humor? Wo ist die Grenze? Sie sei dort, wo Menschen verletzt werden, und das wiederum sei sehr individuell, war die einhellige Antwort in der Runde.

Über sich selber lachen

Belkis Osman-Besler veranschaulichte diese These mit einer Anekdote vom islamischen Propheten Mohammed: Jahrelang hat ihm ein Nachbar, der ihn nicht mochte, den Abfall vor die Haustüre gestellt, den Mohammed jeden Tag kommentarlos entfernte. Eines Tages lag kein Abfall vor seiner Türe. Besorgt hat Mohammed nach seinem Nachbarn geschaut, der an diesem Tag tatsächlich krank war. «Könnten mit Humor auch schwere, grosse Konflikte gelöst werden?» Josef Hochstrasser stellte diese Frage in den Raum. Eine schwierige Frage, die mit einem sehr grossen Fragezeichen stehen blieb.

Einfacher war ein anderes Fazit des Abends: Man muss über sich selber lachen können, über der Sache stehen und Situationen mit Distanz und humorvoll angehen. Die Stimmen aus dem Publikum zielten in die gleiche Richtung: «Man darf über die eigene Religion Witze machen, aber nicht über andere, das kann verletzend sein.» Oder «Humor sollte vermehrt eingesetzt werden, humorvolle Prediger haben die Kirche voll!» Und zum Schluss ein Aufruf: «Nehmen wir uns doch alle nicht so wichtig!»

Hinweis

Das Podiumsgespräch fand im Rahmen der Woche der Religionen statt, die in Nidwalden bereits zum siebten Mal durchgeführt wurde. Weitere Veranstaltungen: Heute Freitag: Filmabend Saint Jacques ... La Mecque, 19.30 Uhr Reformierte Kirche, Stans. 7. November Interreligiöses Friedensgebet «Das Lachen des Herzens», 18 Uhr, Kapuzinerkirche Stans. 8. Dezember: Exkursion nach Bern, Haus der Religionen – Religionen unter einem Dach www.woche-der-religionen-nidwalden.ch