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STANS: Im Nähcafé werden Modeträume wahr

Haute Couture in Nidwalden? Eine eigene Nähmaschine braucht es dafür nicht. Im Nähcafé ist für alles gesorgt – inklusive Kaffee und Geselligkeit.
Matthias Piazza
Catherine Loup hilft Vreni Würsch (links) beim Nähen einer Kochschürze, bei der Nähmaschine Besucherin Sonja Loup. (Bild Corinne Glanzmann)

Catherine Loup hilft Vreni Würsch (links) beim Nähen einer Kochschürze, bei der Nähmaschine Besucherin Sonja Loup. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

Eine Nähmaschine rattert. Catherine Loup vom Nähcafé hilft Vreni Würsch beim Anfertigen einer Schürze. Auf die Idee sei sie beim Besuch einer Bekannten in Winterthur gekommen. «Sie trug eine coole Schürze, die ich unbedingt auch nähen wollte. Ich bat sie darum, mir das Schnittmuster zu geben», erzählt die rüstige Seniorin. Bereits schon angefertigt hat sie in den Wochen zuvor eine Sommerhose. Und vielleicht gebe es noch eine weitere Schürze, meint sie. Dafür ist sie im Nähcafé am richtigen Ort. Eveline Donzé, Antonia Matter und Catherine Loup bieten seit Ende Juni in den Räumen der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) im Eichli 9 in Stans jeden Dienstag zwischen 14 und 19 Uhr für Nähinteressierte und alle, die es werden wollen, Gelegenheit, etwas zu nähen oder zu flicken. Die rüstige Rentnerin aus der Umgebung ist von der Institution begeistert und hier fast jeden Dienstag anzutreffen. «Hier habe ich Unterhaltung, Geselligkeit und bekomme Hilfe beim Nähen», lobt sie.

Nähen und Kontakte knüpfen

Auch ihre Kollegin Sonja Loup, die mit Vreni Würsch am Vormittag Stoff einkaufen ging, findet die Idee der drei 26-jährigen Frauen toll, besonders in der heutigen Zeit, wo persönliche Kontakte rar seien. «Es ist motivierend, in der Gemeinschaft zu nähen. Man kann plaudern, einen Kaffee zusammen trinken, neue Kontakte knüpfen. Und dies an einem zentral gelegenen Standort», lobt Sonja Loup, die einen Kissenbezug näht, an einer der drei Nähmaschinen, welche die Besucher unentgeltlich benutzen dürfen.

Zwischen sieben und zwölf Personen jeden Alters besuchen im Schnitt das Nähcafé am Dienstagnachmittag. Eveline Donzé, die zurzeit mit ihrer Familie in Rothenburg wohnt und gerne einen Nachmittag pro Woche fürs Nähatelier opfert, spricht von einem ruhigen, aber erfolgreichen Start dieses ihrer Aussage nach neuen und einmaligen Angebots in Nidwalden. «Wir hätten noch Platz für mehr Gäste, aber wir sind sicher, dass sich das Angebot herumspricht.»

In Kenia wurde die Idee geboren

Die Idee ist den drei in Nidwalden aufgewachsenen Frauen, die alle aus dem Sozialbereich kommen, während ihrer Ferien in Kenia gekommen. «Dort sassen wir eines schönen Nachmittags zusammen auf der Terrasse und träumten von der Zukunft, wie wir es schon öfters getan hatten.» In Kenia finde das Leben auf der Strasse statt und nicht in den eigenen vier Wänden. «Und weil wir gerne nähen, kam uns die Idee eines Nähcafés, das man auch in anderen Kantonen schon kennt. Hier können wir uns unter Gleichgesinnten unserer Leidenschaft, dem Nähen, widmen und Menschen unterschiedlichen Alters begegnen.»

Mit dem Angebot wollen sie überdies auch einen Gegentrend zum heutigen Zeitgeist setzen, wo man wegwirft, statt flickt und kauft, statt selber macht. «In Zeiten, wo in immer weniger Haushalten eine Nähmaschine steht, ist für viele Leute das Nähcafé eine ideale Gelegenheit, um das Nähen wieder neu zu entdecken», erzählt Eveline Donzé. Sie kann sich auch vorstellen, Asylsuchende zu kontaktieren, die bei sich selber ja keine Möglichkeit hätten, um ein Kleidungsstück zu flicken.

Viele positive Rückmeldungen

Die Möglichkeit, in geselliger Atmosphäre zu nähen, scheint auch in Nidwalden einem echten Bedürfnis zu entsprechen und eine Marktlücke zu schliessen. Catherine Loup zeigt auf ihrem Smartphone Fotos von Kissenanzügen, Kleidern, Röcken, Hosen, aber auch Hüllen für Smartphones oder Laptops, Stirnbänder, Wickeltaschen – alles Produkte, die in Handarbeit entstanden sind – made in Nidwalden.

«Wir haben viele positive Reaktionen erhalten. Sie schätzen Nähen in der Gemeinschaft. Viele Gäste erzählten uns, dass das Nähcafé sie motiviert habe, einen Stapel mit Kleidern aus dem Schrank zu holen und bei uns zu flicken.» Die Teilnahme ist gratis. Möglich macht dies auch die FEG, die den Raum kostenlos zur Verfügung stellt. «Sonst wäre für uns so etwas nicht machbar», meint Donzé. Die drei Frauen, die ehrenamtlich arbeiten, stellen die Nähmaschinen und weitere Nähutensilien zur Verfügung. Jeder kann ein Nähkörbchen mit den wichtigsten Werkzeugen ausleihen. Nur die Ideen, das Schnittmuster und den Stoff muss jeder selber mitbringen – und natürlich auch die Leidenschaft fürs Nähen.

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