STANS: Im Notfall pflegen sie die Patienten

Wenn in Spitälern bei Ernstfällen die Betten knapp würden, kann die Armee helfen. Am Partnertag zeigte das Spitalbataillon 66 sein Können.

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Kommandant Alfio Finochiaro (rechts) beobachtet in der Gops Stans Soldat Yu Larpin bei der Pflege von Soldat Jo Lambelet. (Bild: Philipp Unterschütz / Neue NZ)

Kommandant Alfio Finochiaro (rechts) beobachtet in der Gops Stans Soldat Yu Larpin bei der Pflege von Soldat Jo Lambelet. (Bild: Philipp Unterschütz / Neue NZ)

«Zu unserem Auftrag gehört auch, uns zu zeigen. Der Bevölkerung zu demonstrieren, was wir machen und können», sagt Oberstleutnant Alfio Finochiaro, Kommandant des Spitalbataillons 66. Das Bataillon leistet vom 3. bis 21. August den jährlichen Wiederholungskurs, dieses Jahr in der Region Stans. Die 113-köpfige Stabskompanie ist im Eichli untergebracht, die 121 Angehörigen der Spitalkompanie in Dallenwil. Der Stab mit 20 Offizieren und Unteroffizieren hat sein Quartier in der Zivilschutzanlage Stans. Schwerpunkt des diesjährigen Wiederholungskurses sind improvisierte Bettenstationen.

Mehr freie Spitalbetten dank Armee

Unter anderem wurde in Rothenburg eine solche mit 100 Betten in einer Halle aufgebaut und in Betrieb genommen. Es gab aber auch einen Ernsteinsatz zur Bekämpfung von Bakterien in einer Truppenunterkunft in Andermatt, wo innert 40 Stunden 250 Betten desinfiziert wurden. Ein Teil des WKs wird in der geschützten Operationsstelle (Gops) unter dem Stanser Kantonsspital absolviert. Die Gops wurde in Betrieb genommen mit Aufnahme, Bettenstationen, Labor bis hin zur Wäscherei.

Geübt wurde die Pflege von bereits erstbehandelten Patienten. «Wir wären in der Lage, den unterirdischen Teil eines zivilen Spitals zu führen und könnten in einem Ernstfall, den man leider nie ausschliessen kann, die Spitäler somit unterstützen», ist Oberstleutnant Finochiaro überzeugt. Ziel ist es, dass bei Bedarf die Bettenkapazitäten in den Spitälern vergrössert würden, weil sich die Armee an der Patientenpflege beteiligt.

Spitalbataillon 66 ist einsatzbereit

Am Partnertag am vergangenen Freitag in der Gops unter dem Stanser Kantonsspital bewies das Spitalbataillon 66 sein Können vor etlichen Gästen aus regionalen Behörden, Partnern aus dem VBS, Vertretern von Rekrutenschulen, der Chefin des Pflegedienstes der Armee und Urs Baumberger, Direktor des Kantonsspitals Nidwalden. «Wir wollen zeigen, dass wir unsere Ausbildung nicht zum Selbstzweck machen, sondern ein wichtiges Reserveelement des Bundes sind», erklärt der Kommandant. Und Alfio Finochiaro ist zufrieden mit seinen Leuten, bei der Volltruppenübung vergangener Woche gabs von den Inspektoren ein «Gut», was bedeutet, das Spitalbataillon 66 wäre absolut einsatzbereit.

Ich habe aber auch wirklich eine gute Truppe», lobt der Kommandant. Von den 121 Leuten in der Spitalkompanie seien aber «nur» etwa 15 bis 20 Profis. Viele andere hätten in der Rekrutenschule einen Pflegehelfer-Ausweis des Schweizerischen Roten Kreuzes gemacht. «Der Wissenstransfer ist sicher auch eine Stärke unserer Milizarmee», sagt Finochiaro.

Ausbildung auch fürs Privatleben

Der 39-jährige Zuger, der heute in Bern wohnhaft ist, erzählt, dass er selber nicht nur wegen des sinnvollen Dienstes zu den Sanitätstruppen gegangen sei. Abgesehen davon könne das Fachwissen, das man als Einzelner hier mitnehme, auch privat viel bringen. Und am Partnertag bestätigt die Truppe diesen Eindruck. Die Soldaten sind äusserst motiviert, die Gops zu betreiben und die Pflegebehandlung zu trainieren.

«Sie zeigen natürlich auch gerne, was sie können», schmunzelt ihr Kommandant. Einen guten Eindruck hat auch der Stanser Gemeinderat Joe Christen. Als ehemaliger Sanitätssoldat kennt er sich aus. «Die machen das wirklich gut. Die Arbeit ist zwar grundsätzlich noch die gleiche wie zu meiner Zeit, sehr verändert haben sich aber die Strukturen.»

Bessere regionale Verankerung

Die Herausforderung, ein neues Bataillon zu formen, wartet nun auch auf Kommandant Alfio Finochiaro. Sein Spitalbataillon 66 ist heute zu 75 Prozent Französisch sprechend. Ab nächstem Jahr wird es offiziell ein deutschsprachiges Bataillon. Die Westschweizer werden in das französischsprachige «Bataillon hôpital 2» umgeteilt. «Einerseits will die Armee damit die Verankerung in der Region und der Bevölkerung fördern. Anderseits macht es auch die Kommunikation einfacher zwischen Patienten und Soldaten, aber auch in der Truppe und unter den Soldaten selbst.»

Philipp Unterschütz