STANS: «Jetzt nehme ich den Anstieg in Angriff»

Sarah Odermatt wurde im Juni als jüngste Gemeinderätin in Nidwalden gewählt. Sie ist dankbar für ihre Kollegen aus Politik und Gemeindeverwaltung, die ihre Fragen auch beim fünften Mal noch geduldig beantworten.

Matthias Piazza
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Sarah Odermatt. (Bild: Corinne Glanzmann / LZ (Stans, 8. Juni 2016))

Sarah Odermatt. (Bild: Corinne Glanzmann / LZ (Stans, 8. Juni 2016))

Matthias Piazza

matthias.piazza @nidwaldnerzeitung.ch

«Der Nebel lichtet sich, und der Berg taucht auf, den ich erklettern muss. Jetzt ­nehme ich den Anstieg in Angriff. Auf dem Gipfel, der mir den Überblick verschafft, bin ich noch lange nicht.» Mit diesem Bild beschreibt Sarah Odermatt ihr erstes halbes Jahr als neue Stanser Gemeinderätin. Mit ihren 27 Jahren geht die parteilose Tiefbauchefin als jüngste Gemeinderätin Nidwaldens in die Geschichte ein.

«Toll, jetzt kannst du etwas verändern.» Diesen Satz habe sie nach der Wahl von ihrem Umfeld sehr oft gehört. Sie musste die Erwartungen dämpfen. «Auch ein Politiker ist nur ein Puzzleteil im ganzen System. Als Bürger kann man ebenso das öffentliche Leben mitgestalten.» Ausserdem musste sie als Neuling die ganzen Abläufe erst kennen lernen. «Es ist nicht so einfach, als junge Gemeinderätin anzufangen. Man weiss nichts, hat sehr vieles zu lernen. Dies muss man aushalten können. Umso mehr schätze ich, dass ich in der Politik und Verwaltung Leute um mich herum habe, die mich bei diesem Lernprozess unterstützen.»

«Wie beim Lernen von Vokabeln»

Bausitzungen werden fast zu Fremdsprachenlektionen. «Es ist fast wie beim Lernen von Vokabeln. Um den Sitzungen folgen zu können, musste ich anfangs dauernd nach der Bedeutung der Fachbegriffe fragen.» In der Verwaltung oder bei Kollegen vom Gemeinderat erhalte sie beim fünften Mal noch geduldig Antwort auf ihre Fragen. Dass politische Prozesse schwerfällig sein können, musste sie als weitere Lektion lernen. «Bürger kamen mit guten Ideen auf mich zu, die ich am liebsten sofort umgesetzt hätte. Leider sind mir dafür oft die Hände gebunden, da ich nur ein Rädchen im ganzen Räderwerk bin. Das empfand ich als schwierig», gibt sie zu. «Politik ist immer ein Abstecken: Was kann die Gemeinde oder ich als Gemeinderätin bewirken? Was fällt in die Kompetenz anderer Instanzen wie Bund oder Kanton? Wo sind mir vielleicht von Gesetzes wegen die Hände gebunden? Oder ist dafür gar nicht die öffentliche Hand zuständig?»

Ihr Bild von der Politik habe sie korrigieren müssen. Nicht einzelne Politiker könnten etwas entscheiden, dahinter stecke ein komplexes System, zu dem auch die Verwaltung gehöre, welche für die politischen Entscheidungsträger Gesetze und Erlasse vorbereite. Beeindruckt sei sie von der grossen Tragweite eines politischen Entscheides. «Die Wasserleitungen, die wir heute einbauen, sind für die nächsten rund 80 Jahre in Betrieb.»

«Die Aufgabe beschäftigt mich täglich»

Mit dem Amtsantritt im vergangenen Juni hat sich ihr Leben verändert. In einem 35-Prozent-Pensum ist sie für den Tiefbau im Nidwaldner Hauptort zuständig, dazu gehören die Gebiete Tiefbau, Umwelt, Wasserversorgung, Strassen, Plätze, Beleuchtung, Entwässerung, Gewässerschutz, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft.

Mit einem Teilzeitbürojob hat das Amt nicht viel gemeinsam. «Die Aufgabe beschäftigt mich praktisch täglich. Zweimal im Monat besprechen wir die anliegenden Geschäfte an den Gemeinderatssitzungen, dazu kommen Kommissionssitzungen.» Und es gibt viel zu lesen. «Das Papier bei mir zu Hause stapelt sich», lacht Sarah Odermatt. Ihr zusätzliches 40-Prozent-Enga­gement in der Klostergärtnerei St. Klara sorgt für einen ausgefüllten Terminkalender. Und auch im Kollegenkreis sei Politik plötzlich ein Dauergesprächsthema. «Meine Freunde löchern mich mit Fragen, wollen wissen, wie dieses oder jenes genau sei, das sie in der Zeitung gelesen oder irgendwo gehört hätten.»

Auf die Frage, ob sie wieder kandidieren würde, antwortet sie nach kurzem Überlegen mit Ja: «Ich habe in der Vergangenheit oft gezweifelt, ob ich den Anforderungen gewachsen bin, aber ich habe viel dazugelernt. Ich nehme einen Schritt nach dem anderen.»