STANS: Kampf der Flüchtlinge filmisch beleuchtet

Regisseurin Thaïs Odermatt, die an einer deutschen Filmuniversität studiert, ist derzeit in der Heimat unterwegs. Im Gepäck hat sie einen Episodenfilm, der sich mit der Flüchtlingsthematik beschäftigt.

Oliver Mattmann
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Die Regisseurin Thaïs Odermatt. (Bild: Romano Cuonz)

Die Regisseurin Thaïs Odermatt. (Bild: Romano Cuonz)

Das Schicksal von Flüchtlingen bewegt weltweit. Auch elf junge Regisseure der Filmuniversität Babelsberg haben sich auf unterschiedlichste Art mit der Problematik auseinandergesetzt und gemeinsam den Episodenfilm Research Refugees realisiert. Eine davon ist die Nidwaldner Filmemacherin Thaïs Odermatt (36). Sie studiert seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Am Freitag bringt sie das 100-minütige Werk, das bereits an verschiedenen Festivals und in Kinos in deutschen Grossstädten gezeigt wurde, ins Stanser Chäslager mit.

Thaïs Odermatt, was wollen Sie und die anderen Regisseure mit dem Film bewirken?

Auch wenn das Thema nicht mehr die Schlagzeilen füllt, ist der tägliche Überlebenskampf der Flüchtlinge nicht weg. Vielerorts steht man weiterhin vor ungelösten Problemen. Mit dem Film wollen wir anregen, das Gespräch weiterzuführen, den Austausch fördern. Persönlich bin ich froh, dass ich mich auf künstlerische Art zu diesem Thema äussern kann. Jeder trägt irgendwo die schlimmen Bilder von Kriegsschauplätzen oder sinkenden Flüchtlingsbooten in sich und geht anders damit um.

Wie stark sind Sie mit den Flüchtlingsströmen in Deutschland direkt in Kontakt gekommen?

Meine Wahlheimat Berlin ist inzwischen so multikulturell, dass die Grenzen beinahe fliessend sind. Als temporäre Deutsch-Lehrerin für Fremdsprachige habe ich die teils herrschenden Zustände in Asylunterkünften aber hautnah miterlebt. Ein ehemaliges Einkaufszentrum wurde umfunktioniert, die Scheiben abgeklebt, und vor der Türe musste ich mich einer Eingangskontrolle unterziehen. Im Innern schauten mich 200 junge Flüchtlinge an, die nicht wussten, wie es mit ihnen weitergeht. Auch wenn alle versuchen, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen, finden sich einige europäische Länder nur langsam damit zurecht.

Die Entscheide zur Flüchtlingspolitik werden auf einer ganz anderen Ebene gefällt. Stehen Sie mit Ihrem Filmwerk nicht etwas hilflos da?

Es ist uns klar, dass wir mit einem Film nicht die Welt verändern können. Aber natürlich hoffen wir, einen Beitrag zu leisten, dass die Leute anders reagieren, wenn sie auf Flüchtlinge treffen, oder sich bewusst überlegen, wie sie ihnen begegnen wollen.

Ihr eigener Kurzfilm geht der Frage nach, wann der Zufall im Leben eines jeden Menschen beginnt. Haben Sie eine Antwort darauf gefunden?

Bei Schicksalen wie jenen der Flüchtlinge bin ich der Überzeugung, dass vieles auf Zufall beruht, wer wo in eine missliche Lage gerät. In meinem Kurzfilm untermaure ich meine Haltung, indem ich einen Bezug zu früheren Katastrophen herstelle wie der Hungersnot in der Schweiz, die ebenfalls zu Flüchtlingswellen geführt haben.

Interview: Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Film «Research Refugees»: Heute, 20.30 Uhr, Kino Bourbaki Luzern. Freitag, 3. Februar, 20 Uhr, Chäslager Stans. Die Regisseurinnen Thaïs Odermatt und Sophia Bösch sind anwesend. Eintritt frei, Kollekte. Nachher Diskussion mit Flüchtlingen, die vom Bistro Interculturel begleitet werden. Infos: www.research-refugees.com