STANS: Kleinbrauer tischen den Gästen die pure Vielfalt auf

Die blosse Nachricht des ersten Unterwaldner Biertags regte offenbar den Durst an. Die vielen Gäste tauchten in die regionale Bierwelt von zehn Mikrobrauereien ein. Für uns dabei: ein «Tester» aus Luzern.

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Erster Unterwaldner Biertag im Chäslager Stans. Der ehemalige Weyzunftmeister Heinz Steimann aus Luzern (rechts) im Gespräch mit Vertretern des Eichi-Bier. (Bild: Oliver Mattmann)

Erster Unterwaldner Biertag im Chäslager Stans. Der ehemalige Weyzunftmeister Heinz Steimann aus Luzern (rechts) im Gespräch mit Vertretern des Eichi-Bier. (Bild: Oliver Mattmann)

Heinz Steimann zieht nach dem ersten Schluck die Augenbrauen hoch. Das Bier aus dem Keller der Ponäly-Kleinbrauerei aus Kerns hat es mit 6,5 Volumenprozent offenbar in sich. «Das starke Bier könnte man statt eines Rotweins zu einem währschaften Essen servieren», meint Steimann spontan, nachdem er sich von Ponäly-Mitglied Per Müller über die Konsistenz des Gerstensafts, den er soeben probiert, hat aufklären lassen.

Heinz Steimann wohnt in Luzern und ist vielen als Weyzunftmeister 2012 ein Begriff. Der bekennende Bierliebhaber hat sich für unsere Zeitung am Unterwaldner Biertag in Stans unters Publikum gemischt – und staunt nicht schlecht, wie viele Mikrobrauer es in den zwei kleinen Kantonen gibt.

Kreativität hinterlässt Eindruck

Unser «Tester» kämpft sich durch die Massen – die Nid- und Obwaldner scheinen definitiv ein Volk von Biertrinkern zu sein – zu den Ständen der verschiedenen Brauer vor. Mal hat der Gerstensaft eine ganz helle, mal eine dunkle Farbe, mal ist der Inhalt süsslich, mal schmeckts nach Lindenblüten, mal nach englischem Stout. Heinz Steimann verhehlt nicht, dass ihn das klassische Lager-Bier geprägt hat, dennoch kann er den unterschiedlichen Sorten viel Positives abgewinnen. «Die Hobby­brauer experimentierten mit den Zutaten. Da ist eine enorme Kreativität auszumachen.» Davon könne sich manche Grossbrauerei eine Scheibe ­abschneiden.

Mit Interesse lauscht er den Ausführungen der Brauer, die mit augenscheinlichem Herzblut von der Machart und der Zusammensetzung ihrer Biere erzählen. Schnell verwickelt ihn Richi Eichenberger von der Kernser Brauerei Eichi-Bier in ein Gespräch. «Wenn ich unterwegs bin, mag ich, wenn ich in einem Restaurant ein Bier aus der Region probieren kann. Wenn es nur Eichhof oder Feldschlösschen gibt, bestelle ich lieber ein Wasser», sagt dieser. Steimann entgegnet, dass vielen Wirten wohl die Hände gebunden seien, weil die grossen Marken in ihren Lieferverträgen aushandeln, dass keine oder nur wenige andere Biere auf der Getränkekarte stehen dürfen. Eichenberger nickt: «Wenn man es grösser aufziehen will, ist es ein hartes Business.»

Stolz grösser als Verkaufsabsichten

Derlei Ambitionen hegen die meisten Kleinbrauer indes gar nicht. Sie wollen sich selber treu bleiben und in der bisherigen Art weiterfahren. Nicht die Nachfrage bestimmt das Angebot, sondern umgekehrt. «Wir haben gar nicht so viele Lagerkapazitäten», sagt etwa Martin Achermann von der Brauerei Brisenbräu aus Nidwalden. Und warum sind sie dann am Biertag präsent? «Man ist halt stolz darauf und zeigt trotzdem gern, was man selber hergestellt hat.» Und Per Müller von Ponäly ergänzt: «Es macht Spass, sich mit anderen Bierbrauern auszutauschen und mehr über deren Vorgehensweise zu erfahren.»

Für Heinz Steimann ist das rege Interesse an der heimischen Biervielfalt der beste Beweis dafür, dass das Bier längst «salonfähig» geworden ist. Dies sei nicht immer so gewesen. Bei einem festlichen Apéro, erzählt der 70-Jährige, sei früher nur Wein, Orangenjus und Mineral auf dem Tisch gestanden, Bier habe man vergebens gesucht. «Und wenn ich dann eins bestellt habe, erntete ich oftmals fragende Blicke.»

Gibt es eine Fortsetzung?

Während etwa die Solothurner oder Unterländer Biertage schon seit Jahren existieren, feierte die Unterwaldner Ausgabe gestern Premiere. Die Organisatoren zeigten sich überrascht, wie viele Bierliebhaber den Weg ins Stanser Kulturlokal Chäslager fanden. Bis kurz vor Schluss gingen bereits über 550 Degustationsgläser weg. Christian Niederberger vom OK kann sich durchaus vorstellen, dass es nicht bei der Premiere bleiben wird. «An mangelnder Resonanz wirds sicherlich nicht scheitern.»

Oliver Mattmann