STANS: Krimi: Schule ist in Mordfall verwickelt

Das Kollegi ist Schauplatz im neuesten Luzerner «Tatort». Die Schule kommt im Film aber schlecht weg. Das sei kein Grund zur Sorge, findet der Rektor.

Matthias Piazza
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«Die Zuschauer können Fiktion und Realität auseinanderhalten.»
Patrik Eigenmann, Rektor Kollegi Stans (Bild: Matthias Piazza / Neue NZ)

«Die Zuschauer können Fiktion und Realität auseinanderhalten.» Patrik Eigenmann, Rektor Kollegi Stans (Bild: Matthias Piazza / Neue NZ)

«Gehen wir auf zu den schönen, reichen, künftigen Diktatoren», ruft die Leiterin der Spurensicherung des kriminaltechnischen Dienstes zu ihren Kollegen. Dann schwenkt die Kamera auf einen weinroten, länglichen Bau. Der Schriftzug «Deo et Juventuti» ist über dem Eingangsportal erkennbar. Im Vordergrund rollt eine Autokolonne an. Die Ermittler der Luzerner Kriminalpolizei steigen aus. Schülerchorgesänge ertönen im Hintergrund. «Keinen Tag würde ich mein Kind hierher schicken», sagt die Leiterin der Spurensicherung beim Betreten des Schulhauses.

Ruf wichtiger als Mordaufklärung

Für Ortskundige ist nach wenigen Sequenzen klar, wo diese Szenen für den zehnten Luzerner «Tatort» gedreht wurden: im Stanser Kollegi. Doch in der «Tatort»-Folge «Kleine Prinzen» ist eben manches anders als in der Realität, wo das Kollegi allen offensteht. Das Ermittlerteam trifft auf eine reservierte, distanzierte Schuldirektorin, die am guten Ruf ihres Eliteinternats mehr interessiert ist, als an der sauberen Aufklärung eines Mordes. Nach und nach entlocken die Kommissare den Sprösslingen der politischen und wirtschaftlichen Elite die dunkelsten Geheimnisse. Spuren führen bis zum Bruder eines Emirs, der als Minister in Luzern zu Besuch ist und diplomatische Immunität geniesst.

«Das ist eine Ehrbezeugung»

Der «richtige» Rektor des Kollegi in Stans, Patrik Eigenmann, hat mit der Darstellung seiner Schule im «Tatort» kein Problem. «Wir wussten von Anfang an, dass unser Kollegi als Drehort eines Eliteinternats dient. Die Zuschauer können Fiktion und Realität auseinanderhalten», sagt er. Er habe darum auch keine Bedenken, dass der Ruf der Schule leiden könnte. Die Filmemacher seien auf der Suche nach einem repräsentativen Gebäude ohne religiöse Symbole auf das Kollegi-Schulgebäude gestossen. «Dass sie unsere Schule aussuchten, ist für uns eine Ehrbezeugung.»

Die Schüler hätten mit diesem exklusiven Blick hinter die Kulissen eine Ahnung davon bekommen, wie viel Arbeit hinter einer Filmproduktion stecke, sagt Eigenmann, der sein Büro während einigen Tagen für die fiktive Internatsdirektorin räumen musste.

Für den Dreh im Schulzimmer sorgte eine «richtige» Schulklasse für die passende Atmosphäre. 65 weitere Schüler spielten auf den Gängen und dem Schulhausplatz sozusagen sich selber – in Form von Komparsen, als Hintergrundfiguren ohne Sprechrollen. Der Zeitpunkt der Dreharbeiten sei für die eine Klasse, die im Film auftritt, goldrichtig gewesen, weil sie sich mit Medien im Unterricht auseinandergesetzt habe, so Eigenmann.

Ob der «Tatort» einen bleibenden Eindruck im kollektiven Kollegi-Gedächtnis hinterlässt, schliesst Eigenmann nicht aus. «Vielleicht war der Dreh für den einen oder anderen Statisten aus unseren Reihen der Startschuss für eine Filmkarriere», sagt er und lächelt.

Früher ein Internat gewesen

Übrigens: Auch wenn der Film nichts mit der Realität zu tun hat – gewisse Parallelen lassen sich trotzdem ziehen. Denn das heute weltliche Kollegi mit rund 500 Schülern und etwa 70 Lehrpersonen war von 1877 bis 1988 ein Internatsgymnasium, geführt von Kapuzinern. Aus allen Landesteilen der Schweiz drückten mehrheitlich katholische Schüler auf dem Weg zur Matura in Stans die Schulbank.

Bis in die Siebzigerjahren wohnte gar die Mehrheit der Kollegischüler im Internat – und zwar sehr kostengünstig. «Wegen der damals noch schlechten Verkehrsverbindungen konnten auch nicht alle Nidwaldner Schüler aus entlegenen Orten am Abend nach Hause», sagt Christian Schweizer, Provinzarchivar der Schweizer Kapuziner.

Wegen des Mangels an Kapuzinern gab der Orden 1985 die Schule an den Kanton Nidwalden ab. 1988 wurde das Kollegi Stans nur noch als externe Schule geführt. «Der Kanton richtete sich auf Nidwaldner Schüler aus und hatte darum an Ausserkantonalen kein Interesse mehr.» 1998 zogen sich die Kapuziner definitiv aus dem Schulbetrieb in Stans zurück.
 

Matthias Piazza

 

Hinweis

«Tatort – Kleine Prinzen»: Sonntag, 13. März, 20.05 Uhr, SRF 1.