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STANS: Liebesdrama geht unter die Haut

Die Theatergesellschaft bringt dieses Jahr ein anspruchsvolles Liebesdrama auf die Bühne. Das Stück «Cyrano de Bergerac» ist voller Poesie, tieferGefühle und enthält genau die richtige Prise Humor.
Carina Odermatt
Krieg: Cyrano de Bergerac (Urban Riechsteiner) beschützt seine Cousine Roxane (Lou Rosset).Bild: Emanuel Wallimann/PD (Stans, 29. Januar 2017)

Krieg: Cyrano de Bergerac (Urban Riechsteiner) beschützt seine Cousine Roxane (Lou Rosset).Bild: Emanuel Wallimann/PD (Stans, 29. Januar 2017)

Carina Odermatt

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Paris zu einer Zeit, die zwischen dem 17. Jahrhundert und heute schwankt: Das Volk trifft sich im Theater, um sich von Poesie und einem Degenkampf unterhalten zu lassen. Denn Cyrano de Bergerac (unverschämt gespielt vom wortgewandten Urban Riechsteiner), begnadeter Dichter und gefürchteter «Schlägler», nimmt es mit jedem auf. Vor kurzem in der Stadt angekommen, ist auch der junge Baron Christian de Neuvillette (Lukas Tschümperlin mimt den Unbegabten treffend) anwesend. Der Schönling hat nur Augen für Roxane (Lou Rosset überzeugt mit ihrem Charme), Bergeracs Cousine, die zu allem Übel mit dem schleimigen Grafen de Guiche (authentisch verkörpert von Albert Müller) vom Balkon aus das Spektakel verfolgt.

Baron ist kein Meister im Liebesbriefeschreiben

Cyrano de Bergerac gehört zu jenen Charakteren, die der Zuschauer zuerst wegen ihrer Arroganz verabscheut und dann im Verlauf des Stücks lieben lernt. Hinter der hässlichen Maske mit der grossen Nase versteckt sich ein hoffnungsloser Romantiker. Bergerac ist, wie man bald erfährt, unsterblich in seine Cousine Roxane verliebt, die ihrerseits jedoch von Christian de Neuvillettes Schönheit verzaubert ist. «Wer solch einen Haarschnitt hat, ist kultiviert», schwärmt sie. Trotzdem verlangt die anspruchsvolle Dame weitere Beweise, dass Neuvillette ihrer Liebe würdig ist: Er soll ihr Liebesbriefe schreiben. Eine Aufgabe, die den dümmlichen Baron zutiefst überfordert. Bergerac, der sich aufgrund seiner riesigen Nase nicht wagt, Roxane seine Liebe zu gestehen, bietet an, die Briefe für den Baron zu schreiben. So nimmt eine verworrene Liebesgeschichte ihren Lauf, die einen nächtlichen Besuch, eine kurzfristige Hochzeit und eine kriegerische Auseinandersetzung miteinschliesst. Im Fokus steht dabei die Frage: Was macht denn nun die wahre Liebe aus?

«Cyrano de Bergerac» ist kein leicht verdaulicher Stoff. Das Stück fordert den Zuschauer mit schnellen Schlagabtauschen, kluger Poesie und facettenreicher Inszenierung, wie die Premiere vom Samstagabend zeigte. «Präzision ist mir sehr wichtig, besonders in diesem Stück, in dem ein hohes Tempo herrscht», erzählt Regisseurin Bettina Dieterle. Das Stück von Edmond Rostand wird seit 1897 auf Bühnen der ganzen Welt gespielt und erzählt die fesselnde Geschichte von Savinien de Cyrano, der im 17. Jahrhundert tatsächlich gelebt hat. Das Publikum wird aufgefordert, sich mit dem wohl beliebtesten Thema der Kunst auseinanderzusetzen: der Liebe.

Ein Thema, das schon oft in Büchern, auf Bildschirmen und Bühnen diskutiert wurde. Doch für Bettina Dieterle ist das kein Hindernis: «Ich habe keine Angst vor der Liebe, denn etwas Grösseres gibt es nicht.» So hat sie sich nicht damit begnügt, dem Zuschauer bloss eine spannende Geschichte aufzutischen. Sie hat mit den Schauspielern viel über die Liebe diskutiert und sie Texte darüber schreiben lassen. Diese philosophischen Gedanken werden als Filmsequenzen zwischen der Handlung eingeblendet und regen das Publikum zum Nachdenken und Schmunzeln an.

Moderne Umsetzung gelingt vollauf

Die Musik unter der Leitung von Christof Stöckli macht das Stück ebenfalls zum Genuss. Mit Perkussionsinstrumenten schafft er zusammen mit seinen Schülern in gefühlvollen Momenten und in kriegerischen Zeiten die richtige Stimmung. Das Bühnenbild besteht vorwiegend aus einer Holzkonstruktion, die laut Bühnenbildner David Leuthold zugleich Kampfarena und Bergeracs innerliches Gefängnis verkörpert. Aufgewertet wird die Szenerie von einem beeindruckenden Kronleuchter, der in Handarbeit hergestellt worden ist. Durch Vorhänge werden verschiedene Räume geschaffen, hinter denen sich auch ab und an ein packender Schattenkampf abspielt.

«Cyrano de Bergerac» begeistert durch spannende Wortgefechte, tolle Leistungen der Darsteller und träfen Witz. Die moderne Umsetzung des anspruchsvollen Stücks ist dem Stanser Theater hervorragend gelungen.

Hinweis

18 weitere Aufführungen bis 8. April im Theater an der Mürg. Vorverkauf unter www.theaterstans.ch oder jeweils Donnerstag und Freitag zwischen 16.30 und 18.30 Uhr telefonisch auf 041 610 19 36 oder vor Ort an der Mürgstrasse 6.

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