STANS: Mehrdeutige Botschaft ausgezeichnet

Der Unterwaldner Preis für bildende Kunst geht an Christian Kathriner (41). Seine Arbeit ist unauffällig; ihre Bedeutung aber vielfältig.

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Ein Blick in die Ausstellung im Winkelriedhaus. (Bild Primus Camenzind)

Ein Blick in die Ausstellung im Winkelriedhaus. (Bild Primus Camenzind)

«Kathriners Arbeit ‹Nova Evropa› überzeugt durch ihre Vielschichtigkeit», erklärte Heinz Stahlhut am vergangenen Samstag im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung NOW 15. Es waren Worte, die «so gesagt» nicht einfach zu verstehen waren. Im Kreise zahlreicher Kunstschaffender und geladener Gäste führte der Jurypräsident im Hof des Nidwaldner Museums Winkelriedhaus in Stans jedoch weitere Überlegungen seines Gremiums ins Feld. «Die minimale Setzung eines Schriftzuges in klassischen Kapitalen auf der Innenseite des hölzernen Eingangstores zum Hof des Museums mag manchem Besucher auf den ersten Blick gar nicht auffallen», räumte Stahlhut ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kathriners Arbeit als vermeintlich «ursprünglicher Bestand» oder «der Institution Museum zugehörig» vor der Preisverleihung von den Besucherinnen und Besuchern mehrheitlich ignoriert wurde, sei die Folge des «eminent ortsspezifischen Charakters des Werks» führte er weiter aus.

Schwieriger Entscheid

«Wegen der zahlreichen, äusserst qualitätsvollen Arbeiten in der Ausstellung fiel der Jury die Wahl des Preisträgers wahrlich nicht leicht», gab der Jurypräsident zu verstehen. Der ausgezeichnete Schriftzug «Nova Evropa» in klassizistischen Lettern ist der schriftlichen Begründung der Jury entsprechend nicht nur ortsspezifisch zu betrachten. «Man mag ihn als kritischen, aktuellen Kommentar zu Flüchtlingselend, Überfremdungsangst und Masseneinwanderung lesen», man könne die Botschaft in «handelsüblichen Buchstaben» aber ebenso auf den Museumsbesuch beziehen, «nach dem die Welt uns ganz neu erscheint, weil wir selbst uns verändert haben», liess Stahlhut verlauten.

Insgesamt repräsentieren bis am 17. Januar 2016 die Werke von 19 Künstlerinnen und Künstlern das Wirken in Nidwalden und Obwalden.

Ausstellung läuft drei Monate

Die beiden Kantone organisieren seit vielen Jahren gemeinsame Kunstausstellungen, welche in drei Schritten zur Vergabe des Unterwaldner Kunstpreises in der Höhe von 20 000 Franken führen. Letztes Jahr wurde im Herrenhaus Grafenort und im Talmuseum Engelberg die Übersichtsausstellung NOW 14 mit rund 80 Kunstschaffenden präsentiert. Daraus wurden 19 Positionen ausjuriert und eingeladen, an der diesjährigen Ausstellung NOW 15 teilzunehmen.

Junge, noch wenig bekannte Künstler seien ebenso vertreten wie national renommierte Namen, ist einer Mitteilung des Nidwaldner Museums zu entnehmen. Die unterschiedlichsten Exponate – Malerei, Zeichnungen, Fotografie, Video, Skulpturen und Installationen – sind nun während dreier Monate im Pavillon sowie in den Räumen im Erdgeschoss des Winkelriedhauses zu betrachten. Darunter finden sich Arbeiten, welche Bezüge zur Museumsarchitektur oder zur historischen Vergangenheit des Hauses herstellen. Aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse sind ebenfalls präsent und werden kritisch oder poetisch reflektiert.

No Limits für Kunstschaffende

Bildende Kunst werde schon seit der Steinzeit erschaffen, erklärte Bildungsdirektor Res Schmid in seinen Begrüssungsworten an der Preisverleihung. Er spannte seinen Bogen von den Höhlenbewohnern über die frühen Kulturvölker und das Mittelalter bis in die Moderne. Und Kunst sei für jede und jeden etwas anderes, etwas ganz Persönliches, betonte Schmid. Der Begriff «No Limits» sei für die Vielfalt an Kunstformen zutreffend und gelte demnach auch für die Kunstschaffenden und ihre Szene in den Kantonen Nidwalden und Obwalden. «Und alles was bildende Künstler heute erschaffen, gibt es meiner Überzeugung nach bereits in der Natur und ihrer Vielfalt und Unendlichkeit», gab der Regierungsrat zu verstehen.

Primus Camenzind

Hinweis

NOW 15; Nidwaldner Museum Winkelriedhaus bis 17. Januar 2016. Eine Reihe von Vermittlungsangeboten ermöglichen den Besuchern eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Ausstellung. Informationen dazu unter www.nidwaldner-museum.ch