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STANS: Millionen-Betreibungen sorgen für Schock

Konkurrenzkampf total: Die Mitarbeiter einer Firma für Medienbeobachtungen werden von einem Konkurrenten mit Betreibungen in Millionenhöhe eingedeckt. Für die Argus-Tochterfirma arbeiteten die Betroffenen bis vor kurzem selbst.
Thomas Heer
Und plötzlich kam da ein Brief. (Symbolbild Stefan Kaiser, Zuger Zeitung / Zug, 06.01.2009)

Und plötzlich kam da ein Brief. (Symbolbild Stefan Kaiser, Zuger Zeitung / Zug, 06.01.2009)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Mit betretener Miene sitzt die junge Frau am Tisch in einem Luzerner Restaurant. Mit dabei hat sie ein Schreiben, das sie kurz vor Ostern im Briefkasten vorfand. Es ist eine Abmahnung mit Verzichts- und Unterlassungserklärung. Der Absender forderte, dass die Angeschriebene bis zum 31. Dezember 2020 jegliche Konkurrenzierung der Firma Management Tools Media AG (MTM) unterlässt. Der Hintergrund: Bis vor wenigen Wochen arbeitete die Frau selber für MTM, die Ende 2016 von der Argus-Gruppe übernommen wurde. Die Aufforderung war unmissverständlich: Wenn das Dokument nicht innerhalb von zehn Tagen unterschrieben retourniert würde, käme es zu einer Betreibung, und zwar in der Höhe von 2 Millionen Franken. Die einfache Angestellte dachte nicht daran, dieses Papier – aufgesetzt vom Anwalt einer Zürcher Kanzlei – zu unterschreiben. Und dann trat ein, was die noch heute schockierte Frau für schier unmöglich hielt. Mitte Mai erhielt sie eingeschriebene Post. Die Millionen-Betreibung wurde tatsächlich eingeleitet.

Zum Treffen in Luzern ist die Betriebene nicht alleine angereist. Neben ihr am Tisch hat Nikolaus Zumbusch Platz genommen. Er ist Geschäftsführer der Firma NR Swiss AG. Dieses Unternehmen analysiert unter anderem im Auftrag von Firmen die Medienberichterstattung. Und zwar dahingehend, wer und vor allem wie über den Kunden berichtet wird.

«Das Unternehmen will den Markt monopolisieren»

Im gleichen Geschäftsumfeld wie NR Swiss ist auch die Argus-Gruppe tätig. Sie gilt in der Schweiz als Branchenleaderin. Umsatzzahlen werden in der Öffentlichkeit nicht kommuniziert. Zumbusch beurteilt die Argus/MTM-Strategie so: «Das Unternehmen will den Markt monopolisieren und die Preise hochtreiben.» MTM-Verwaltungsrats-Präsident Bernd Pfister indes kontert: «Davon kann keine Rede sein.»

Als Hintergrund-Information noch dies: Nach der MTM-Übernahme durch Argus kam es zu einer regelrechten Kündigungswelle. Von den rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kehrten MTM zirka ein Drittel den Rücken zu. Ein kleiner Teil der Belegschaft wechselte zu Zumbuschs NR Swiss in Zürich, die in Stans einen Produktionsstandort unterhält.

Über die NR-Swiss-Mitarbeitenden ist in den letzten Tagen eine Betreibungsflut hereingebrochen. Neben der beschriebenen Frau haben mehrere andere NR-Angestellte Post aus Zürich erhalten und wurden mit Betreibungen in Millionenhöhe eingedeckt.

Handelt es sich gar um eine Nötigung?

Wie rechtfertigt Bernd Pfister das Vorgehen gegen einen Teil der NR-Leute? «Zum laufenden Verfahren will ich eigentlich keine Aussagen machen. Nur so viel: Wir wahren ganz einfach unsere rechtlichen Interessen.» Es fragt sich nur welche: Denn sowohl Zumbusch wie auch der von NR Swiss mandatierte Zürcher Anwalt bestätigen: Die ehemaligen Mitarbeiter der MTM hatten kein vertraglich vereinbartes Konkurrenzverbot, und es wurden auch keine MTM-Kunden zur NR Swiss transferiert. Der NR-Anwalt findet das Verhalten von Argus «höchst stossend und ist in einem gewissen Grad nötigend». Auch Thomas Geiser, Spezialist für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen, wundert sich über das Vorgehen von MTM/Argus und sagt: «So weit ich das beurteilen kann, grenzt das an Nötigung.» Der Fall MTM/Argus versus NR Swiss wird höchstwahrscheinlich auch noch vor Gericht verhandelt werden. Interessant ist dann, wie die Justiz das hemdsärmlige Vorgehen von MTM/Argus beurteilt. Und zum Schluss noch dies: Im MTM-VR sitzt ein Mitglied, das hauptberuflich in jener Anwaltskanzlei tätig ist, die nun gegen einen Teil der NR-Swiss-Angestellten ins Feld zieht.

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