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STANS: Mit dem Preisgeld gehts ins Piemont

Balz Flury hat Demenz. Er konnte im Männerchor Stans bleiben. Dafür erhielt der Verein den Fokuspreis der Alzheimervereinigung Obwalden-Nidwalden.
Marion Wannemacher
Therese Rotzer, Co-Präsidentin der Alzheimervereinigung, freut sich mit Markus Gander und Balz Flury (von links) über den Fokuspreis.

Therese Rotzer, Co-Präsidentin der Alzheimervereinigung, freut sich mit Markus Gander und Balz Flury (von links) über den Fokuspreis.

In der Stanserhorn-Bahn summt es am Dienstag wie in einem Bienenstock. Etliche Männer in weissen Hemden mit orangefarbenen Krawatten drängen in den Waggon. Der Männerchor Stans ist auf dem Weg zu seiner Preisverleihung. Der Chor bekommt anlässlich des gestrigen Weltalzheimertags den Fokuspreis der Alzheimervereinigung Obwalden-Nidwalden.

Seit zwei Jahren wissen Balz Flury (81) und seine Frau Rösly, dass er unter Demenz leidet – einer von über 1000 Betroffenen in Ob- und Nidwalden. Rösly Flury kann sich gar an den genauen Tag der Diagnose erinnern. «Es war schlimm», sagt sie offen. Doch anstatt sich zu isolieren, informierten sie gute Freunde und Kollegen über die Krankheit. Etliche Jahre gehört Ehrenmitglied Balz Flury dem Männerchor Stans an, hat ihn gar von 1971 bis 1976 dirigiert. «Die beginnende Demenz hat das Mitmachen für ihn schwieriger gemacht», konstatiert Therese Rotzer, Co-Präsidentin der Alzheimervereinigung Obwalden-Nidwalden. «Aber statt dass die Sänger vom Männerchor ihn salbungsvoll verabschiedet hätten, haben sie ihm ermöglicht, dass er trotz seiner Demenz weiterhin in die Proben kommen kann. Sie haben damit verhindert, dass er langsam aus unserer Mitte, aus dem aktiven gesellschaftlichen Leben verschwindet.»

Einer, der dazugehört

Und so steht Balz Flury während des Auftritts in der ersten Reihe wie selbstverständlich inmitten seiner Kollegen. Wenn es ans Notenumblättern geht, hilft ihm jemand. Auch sonst sind seine Kameraden für ihn da. «Gleich mehrere Kollegen haben ange­boten, ihn heimzubringen, wenn er müde wird», erklärt Markus Gander, der Präsident des Männerchors.

Natürlich freuen sich die Sänger über den Fokuspreis, der einmal im Jahr verliehen wird und mit 2000 Franken dotiert ist. Bescheiden fügt Gander allerdings hinzu: «Uns gelingt es wegen Balz. Er möchte im Chor singen, macht die Atemübungen wie alle mit, und er singt. Es ist ein Phänomen. Wir staunen alle über ihn. Ihm ist es wohl und uns auch.» Dirigent Joseph Bachmann fügt hinzu: «Ja, Balz singt auch neue Lieder mit. Er singt im ersten Bass, dem höheren, und hat eine Stimme, die sich sehr gut einfügt.»

Der Männerchor Stans besteht aus 80 aktiven Sängern zwischen 45 und 90 Jahren. Im Februar sang er mit beim Auftritt «Die schönsten Opernchöre der Welt» im Kultur- und Kongresszentrum Luzern. Balz Flury war dabei. Im kommenden Jahr plant der Chor ein Erlebnismusik­theater. Ein Chor mit Zielen und Herzensanliegen, «dass alle Sänger möglichst bis ins hohe Alter im Chor bleiben», betont Joseph Bachmann. «Kameradschaft ist beim Männerchor Stans mehr als eine Worthülse», betont Mark Elsener, im Gemeinderat Stans für das Ressort Soziales verantwortlich.

Der Direktor der Stanserhorn-Bahn Jürg Balsiger erklärt, warum die Preisverleihung auf dem Stanserhorn stattfindet: Balz Flury war Ranger der ersten Stunde, als diese 2008 eingeführt wurden. «Du bist ein Mensch voller Energie und Wissen, mit so viel Schalk und Blitzen in den Augen. Das hast du uns und unseren Gästen geschenkt.» Balz Flury sei zwar der älteste, aber gleichzeitig der fitteste der Ranger gewesen. Und nicht nur das: In Stans hat er die Heilpädagogische Schule aufgebaut.

Das Preisgeld kommt für den Chor gerade recht: Morgen geht es zum Chorreisli ins Piemont (I). Als letztes Lied singen die gestandenen Männer mit Augenzwinkern ein Trinklied. Auf der Abfahrt schaltet der Gondelführer der Cabrio-Bahn das Licht aus, als die Gondel die Nebeldecke hinter sich gelassen hat.

Marion Wannemacher

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