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STANS: Nach der Rettungsgrabung sind die Wissenschaftler gefragt

Nach der Notgrabung an der Nägeligasse sind Zeugen aus der Vergangenheit gerettet oder erfasst, die sonst durch Bauarbeiten zerstört worden wären. Die Grabungen haben auch Fragen zutage gefördert – nach Antworten wird nun im Labor gesucht.
Eine Glockenguss-Grube wird vermessen. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Eine Glockenguss-Grube wird vermessen. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Insgesamt liessen sich für das ausgegrabene Gebiet sechs Nutzungsphasen feststellen, deren älteste bis ins Frühmittelalter zurückreicht. Drei Befunde sind gemäss einer Mitteilung des Kantons Nidwalden besonders erwähnenswert: Am Rand der Grabungsfläche fanden sich die Reste eines Kalkbrennofens, der ins 7. oder 8. Jahrhundert datiert werden kann. Der in diesem Ofen produzierte Brennkalk dürfte bei der Errichtung der ältesten in Stans nachgewiesenen Kirche Verwendung gefunden haben, deren Alter bisher nur geschätzt werden konnte. Dank den Ausgrabungen kann man die Kirche, die in den 1980er Jahren bei Ausgrabungen entdeckt wurden, nun genauer datiert werden.

In unmittelbarer Nähe fanden die Archäologen eine vermutlich temporär genutzte Glockengusswerkstatt mit drei Glockengussgruben. Sie stammen aus dem Zeitraum zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert und könnten zur Glockenherstellung für den 1641-1647 errichteten Neubau der Stanser Pfarrkirche oder für den im 14. Jahrhundert errichteten gotischen Vorgängerbau verwendet worden sein.

Gruppengräber geben Rätsel auf

Eine Besonderheit der aktuellen Ausgrabung nennt die Nidwaldner Archäologie drei Grabgruben, in denen jeweils bis zu 20 Tote bestattet worden sind. Die Skelette deuten darauf hin, dass Menschen ganz unterschiedlichen Alters und beiderlei Geschlechts gleichzeitig – oder in sehr kurzer Zeit – und sehr dicht nebeneinander beigesetzt wurden. Dies könnte mit einem der schweren Pestzüge zwischen 1493 und 1629 zusammenhängen.

Dazu wurde eine erste Folgeuntersuchung bereits aufgegleist. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern, will in einem eigenen Projekt Proben weiterführenden genetischen Untersuchungen unterziehen. So sollen Erklärungen über die Ursachen dieser grossen Anzahl von Todesfällen innert kurzer Zeit gefunden werden.

pd/cv

Tag der offenen archäologischen Grabung an der Nägeligasse am 12. März. (Bild: Oliver Mattmann/NZ)Tag der offenen archäologischen Grabung an der Nägeligasse am 12. März. (Bild: Oliver Mattmann/NZ)
Eine Glockenguss-Grube wird vermessen. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)Eine Glockenguss-Grube wird vermessen. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Bei den erweiterten archaeologischen Grabungen am Mittwoch, 24. Februar 2016, wurden in der Naegeligasse bei der Pfarrkirche in Stans in geringer Tiefe nochmals mehrere Skelette sowie eine undatierte Glockenguss-Grube gefunden. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)Bei den erweiterten archaeologischen Grabungen am Mittwoch, 24. Februar 2016, wurden in der Naegeligasse bei der Pfarrkirche in Stans in geringer Tiefe nochmals mehrere Skelette sowie eine undatierte Glockenguss-Grube gefunden. (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)
Auf dem Plan des Stanser Dorfzentrums von 1782 macht die Landstrasse (heute Nägeligasse) genau beim Fundgebiet einen Bogen. Heute ist die Strassenführung gerade.Auf dem Plan des Stanser Dorfzentrums von 1782 macht die Landstrasse (heute Nägeligasse) genau beim Fundgebiet einen Bogen. Heute ist die Strassenführung gerade.
Hinter der Stanser Pfarrkirche war das Massengrab zum Vorschein gekommen. (Bild: Philipp Unterschütz)Hinter der Stanser Pfarrkirche war das Massengrab zum Vorschein gekommen. (Bild: Philipp Unterschütz)
Während der Grabung: Vorsichtig werden die Skelette freigelegt. (Bild: Philipp Unterschütz)Während der Grabung: Vorsichtig werden die Skelette freigelegt. (Bild: Philipp Unterschütz)
Das Massengrab könnte aus der Zeit des Franzosenüberfalls von 1798 oder aus einer der Pestwellen im 16 und 17. Jahrhundert stammen. (Bild: Philipp Unterschütz)Das Massengrab könnte aus der Zeit des Franzosenüberfalls von 1798 oder aus einer der Pestwellen im 16 und 17. Jahrhundert stammen. (Bild: Philipp Unterschütz)
Man ist auf der relativ kleinen Sondierfläche auf 14 bestattete Menschen gestossen – darunter hat es auch Kinder. (Bild: Philipp Unterschütz)Man ist auf der relativ kleinen Sondierfläche auf 14 bestattete Menschen gestossen – darunter hat es auch Kinder. (Bild: Philipp Unterschütz)
Kathrin Rüedi, Grabungsleiterin und Archäologin (links) mit Emil Weber, Leiter Fachstelle für Archäologie und Staatsarchivar studieren die Aufzeichnungen der Funde. (Bild: Philipp Unterschütz)Kathrin Rüedi, Grabungsleiterin und Archäologin (links) mit Emil Weber, Leiter Fachstelle für Archäologie und Staatsarchivar studieren die Aufzeichnungen der Funde. (Bild: Philipp Unterschütz)
Auf die Skelette ist man bereit in geringer Tiefe gestossen. (Bild: Philipp Unterschütz)Auf die Skelette ist man bereit in geringer Tiefe gestossen. (Bild: Philipp Unterschütz)
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Gräberfund an der Nägeligasse in Stans

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