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Stans nimmt Abschied von seinem Pfarrer

Angehörige, Kirchenvolk, Pfarreiteam, Behörden, Bruderschaften und viele mehr erwiesen David Blunschi am Samstag die letzte Ehre. Trotz aller Trauer schimmerte auch immer wieder die humorvolle Seite des verstorbenen Stanser Pfarrers durch.
Oliver Mattmann
Die grosse Anteilnahme war beim Abschiedsgottesdienst für Pfarrer David Blunschi augenscheinlich. (Bild: Philipp Schmidli, Stans, 23. Februar 2019)

Die grosse Anteilnahme war beim Abschiedsgottesdienst für Pfarrer David Blunschi augenscheinlich. (Bild: Philipp Schmidli, Stans, 23. Februar 2019)

«Nume nüd Trurigs», habe ihm David Blunschi gesagt, als er ihn darauf ansprach, welches Evangelium er für seine Auferstehungsfeier gewählt habe. Die Episode, die Seelsorger Marino Bosoppi vom Pfarreiteam am Samstag erzählte, war sinnbildlich für den Abschiedsgottesdienst für den Stanser Pfarrer in der voll besetzten Kirche. Auch wenn die Trauer und der Schmerz des Loslassens überwogen, so blitzte vor allem im von David Blunschi selber verfassten Lebenslauf auch immer wieder sein Schalk auf. «Always Look On The Bright Side Of Life» («Schau immer auf die helle Seite des Lebens») heisst es in einem berühmten Song von Monty Python. Es war Blunschis Lieblingslied, und nach genau diesem Motto lebte er bis zuletzt, bis ihn in der Nacht auf vergangenen Montag die Kräfte verliessen und er friedlich einschlief.

Der Pfarrer verlor den Kampf gegen den Lungenkrebs, sein Leidensweg war im vergangenen Jahr auch durch zwei Hirnschläge gezeichnet. Kurz nach Weihnachten hatte sich sein Zustand zusehends verschlechtert. Obwohl der in Zürich geborene Priester nur 52 Jahre alt wurde, war sein Leben mitunter erfüllt mit zahlreichen Stationen, auf denen er viele schöne Erfahrungen sammeln und neue Freundschaften schliessen durfte. So erinnerte er sich im Lebenslauf «mit einem Schmunzeln» an Thomas, einen Kollegen aus Zeiten des gemeinsamen Theologiestudiums in Chur, der in einer Ansprache erklärte, warum sich Blunschi trotz Bischof Haas zum Diakon weihen liess – worauf das Gesicht des angesprochenen Bischofs «rot wie eine Tomate wurde». Das war 1992. Im Folgejahr erhielt Blunschi die Priesterweihe, ehe er bis zur Jahrtausendwende in Davos und in einer Zürcher Pfarrei als Vikar im Dienst der Kirche stand. Dann folgte er dem Ruf des damaligen Stanser Pfarrers Albert Fuchs, den er von einem Pfarreipraktikum in Nidwalden her kannte. Obwohl dies für Fuchs hiess, dass er den Hauptort früher als geplant verlassen musste, bemühte er sich redlich darum. «Albert Fuchs wäre kein Fuchs, wenn er dazu nicht alle Hindernisse in Chur aus dem Weg geräumt und mich als seinen Nachfolger in Stans eingesetzt hätte», heisst es mit einer Prise Humor im Lebenslauf. «Wir haben aus dem Zürcher einen Nidwaldner gemacht», sagte Marino Bosoppi, der über 30 Jahre lang Weggefährte von David Blunschi war, in der berührenden Auferstehungsfeier. Und hatte damit Recht.

Als Hochzeitspfarrer ausserdienstlich unterwegs

Bis zu seinem Todestag sorgte sich Blunschi um das Kirchenvolk von Stans und Oberdorf, leitete zwischen 2004 und 2018 das Dekanat Nidwalden, das alle Pfarreien und Kaplaneien umfasst, war dadurch Verbindungsmann zum Generalvikariat der Urschweiz und organisierte auch unzählige Landeswallfahrten nach Einsiedeln. Darüber hinaus engagierte er sich über lange Zeit als Armeeseelsorger beim Zürcher Infanteriebataillon 70. Aus dem Kreis der Armeeangehörigen nahm eine grosse Delegation ebenfalls Abschied vom Stanser Pfarrer, der auch ausserdienstlich etwa Hochzeiten von Wehrmännern zelebrierte.

Vor der Urne ist ein Bild des Verstorbenen aufgestellt. David Blunschi war gerne in der Natur unterwegs. (Bild: Philipp Schmidli, Stans, 23. Februar 2019)

Vor der Urne ist ein Bild des Verstorbenen aufgestellt. David Blunschi war gerne in der Natur unterwegs. (Bild: Philipp Schmidli, Stans, 23. Februar 2019)

Wie sehr Blunschis Wirken und seine Art, mit den Menschen umzugehen, geschätzt wurde, und wie stark er in Nidwalden verankert war, zeigte mitunter die Teilnahme fast aller Regierungsräte an der Beerdigung. Auch zahlreiche Priesterkollegen, Gemeinderäte, Landeskirchenmitglieder sowie Vertreter von Bruderschaften, Service-Clubs, Studentenverbindungen, und Vereinen aus Kulturkreisen begleiteten den Verstorbenen auf dessen letzten Weg ins Grab auf dem Priesterfriedhof, weil sie sich mit David Blunschi verbunden fühlten. Dieser hatte sich für seine Abschiedsfeier als musikalisches Element den Jodlerklub Heimelig aus Buochs gewünscht, der sich dafür mit einfühlsam vorgetragenen Liedern auf seine Art bedankte.

Bischof Michael Wüstenberg, der für die Abschiedsfeier extra aus Deutschland angereist war, attestierte dem Verstorbenen ein «offenes Herz für die Weltkirche». Generalvikar Martin Kopp lobte Blunschi mit den Worten: «Auf dich ist Verlass gewesen. Du hast gut zu deinen Leuten in Nidwalden geschaut.» Und Dekan Melchior Betschart aus dem Pfarreiteam danke ihm dafür, dass er ihnen in der nicht immer einfachen Situation mit dem Bistum Chur stets den Rücken frei gehalten habe.

Auch wenn David Blunschi im Auftrag des Herrn agierte, so war ihm klar, dass auch er nicht frei von Fehlern war. «Ich bin mir bewusst, dass ich es nicht allen recht machen konnte», schrieb er im Lebenslauf. Er bitte alle, denen er auf die Zehen getreten sei, um Vergebung. «Ich selber habe gelernt, den Moment zu geniessen, grosszügig über Fehler anderer hinwegzusehen, zu vergeben und sich selber nicht allzu ernst zu nehmen.» Eine Erkenntnis, von der sich alle eine Scheibe abschneiden können.

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