STANS: Ohne Flüssigkeit droht Kollaps

Strassenbauer, die in der Sommerhitze den Asphaltbelag auftragen müssen, haben wortwörtlich einen heissen Job. Da gilt es, cool zu bleiben.

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Der Asphalt, den Strassenbauer Christian Ehrlich aufträgt, ist 160 Grad heiss. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Asphalt, den Strassenbauer Christian Ehrlich aufträgt, ist 160 Grad heiss. (Bild Corinne Glanzmann)

Man kann sich offenbar wirklich an fast alles gewöhnen. Die Luft flimmert vor Hitze, und der Journalist fühlt sich wie ein Braten im Backofen – Hitze von unten und von oben. Aber der Strassenbauer Christian Ehrlich aus Deutschland bleibt buchstäblich cool. «Je heisser das Wetter, desto besser für den Belagseinbau.» Seit Stunden ist er auf der Baustelle der Autobahn A 2 in Stans daran, in der Gluthitze heissen Asphalt aufzutragen.

Gefühlte 60 bis 70 Grad

Die Hochsaison für den Belagseinbau dauert von Mai bis September/Oktober – eben je nach Wetter. Der Asphalt, der von Maschinen aufgetragen und verfestigt wird, hat eine Temperatur von 160 Grad. Dazu kommt die Sommerhitze, die oft weit über 30 Grad steigt. So ergibt sich am Arbeitsplatz von Christian Ehrlich eine Temperatur von 40 bis 50 Grad. «Gefühlt sind das dann 60 bis 70 Grad», sagt der abgehärtete Strassenbauer. «Deshalb heisst es trinken, trinken, trinken. Sonst riskiert man einen Kreislaufkollaps.»

Pro Tag sind das für Ehrlich mindestens drei, eher aber fünf Liter Wasser. Auf der Einbaumaschine gibt es einen Kühlschrank mit Getränken für die Arbeiter, vorwiegend Wasser. Alkohol ist am Arbeitsplatz sowieso verboten, und Süssgetränke machen eher noch durstiger.

Wegen Regen längere Schichten

Normalerweise dauert eine Schicht für die Strassenbauer neun Stunden. Falls wegen Schlechtwetter die Arbeiten pausieren, kann die Schicht am nächsten Tag schon mal auf 12 bis 14 Stunden verlängert werden. Es gibt keine Arbeitsvorschriften, welche die Schichtzeiten beim Belagseinbau wegen der grossen Hitze einschränken würden. Obwohl die Arbeit dank vieler Maschinen körperlich nicht so anstrengend sei, würden die hohen Temperaturen trotz aller Gewöhnung schon zusetzen, meint Christian Ehrlich und schmunzelt: «Doch wir schlafen immer gut nach unseren Arbeitstagen.»

Der Verkehr sorgt für Kühlung

Es ist wichtig, dass die Arbeiter luftdurchlässige Arbeits- und Schutzkleider tragen. «Am schlimmsten ist es, wenn es völlig windstill ist. Entlang einer Autobahn helfen uns die Lastwagen, die beim Vorbeifahren immer für kühlenden Luftzug sorgen», erzählt Ehrlich. Schutz vor Sonnenbrand an unbedeckten Körperstellen sei natürlich ebenfalls wichtig. Problematisch werde es aber manchmal an den Füssen. Es gebe keine speziellen Arbeitsschuhe, welche die Hitze abhalten würden. «Manchmal muss man sogar kurz vom frischen, heissen Belag zur Seite gehen, weil man die Hitze an den Fusssohlen nicht mehr aushält.» Das Los der Arbeiter beim Belagseinbau: Der Asphalt muss heiss sein, wenn er verdichtet und gewalzt wird, damit der Belag später die gewünschte Qualität aufweist. Hier auf der A 2 ist die oberste Schicht, der Deckbelag, nur wenige Zentimeter dick, erkaltet also schneller und muss deshalb sofort verdichtet werden.

«Was soll ich denn noch machen?»

Der 60-jährige Christian Ehrlich ist seit 43 Jahren im Hoch- und Strassenbau tätig. Seit neun Jahren arbeitet er in der Schweiz. Auf die Frage, ob er denn angesichts der Hitze noch nie an einen Berufswechsel gedacht habe, winkt er ab: «Ich bin jetzt schon so lange dabei, was soll ich denn noch anderes machen?» Auch wenn Ehrlich dabei lacht, ein leichter Unterton von Resignation ist herauszuhören, wenn er sagt: «Wer nimmt denn schon einen 60-Jährigen?»

Hinweis

In unserer Sommerserie «Kalte Berufe – heisse Berufe» stellen wir in loser Folge Berufsleute und ihren hitzigen oder kühlen Arbeitsort vor. Abonnenten finden die Beiträge auch unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien. Bereits erschienen: Metzger (10. 7.), Tunnelbauer (16. 7.).