STANS: Per Google an die Musiktage

1400 Kilometer haben Samech für diesen Auftritt auf sich genommen. Am Abend spielte das polnische Quartett an den Musiktagen.

Marion Wannemacher
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Samech an den Stanser Musiktagen. Von links: Robert Sztorc, Anna Ostachowska, Magdalena Pluta und Marek Lewandwoski. (Bild: Marion Wannemacher)

Samech an den Stanser Musiktagen. Von links: Robert Sztorc, Anna Ostachowska, Magdalena Pluta und Marek Lewandwoski. (Bild: Marion Wannemacher)

«Vom Fenster aus ist es hier schön», sagt Anna Ostachowska lachend. Mehr als diesen Ausblick haben sie und ihre drei Kollegen noch nicht zu Gesicht bekommen. Mitten in der Nacht um zwei sind sie endlich im Hotel Engel angekommen, nach 1400 Kilometern und einer Stunde Kontrolle am Zoll Basel. Von morgens um acht Uhr ab Krakau waren sie unterwegs. Die «Boys» seien gefahren, erzählt Anna, sie und Magdalena lernten erst, Auto zu fahren.

Früher als Strassenmusikant da

In der Schweiz waren drei Mitglieder von Samech in ihrer Musikerkarriere bereits: Cellistin Magda begleitete in einem Orchester Peter Ustinov auf Tournee, Schlagzeuger Robert Sztorc tingelte als Musikstudent jedes Jahr mehrere Monate als Strassenmusikant durch die Schweiz, und auch Violistin Anna verdiente sich auf diese Art ein Zubrot. Robert hat so die schönsten Städte der Schweiz kennen gelernt: Lugano, Locarno, Bellinzona, Luzern, Genf, Lausanne, Zürich. «Das war eine gute Möglichkeit, die Ferien zu verbringen. Damals war aber von Samech noch nicht die Rede. Es ist schön, wieder da zu sein», freut er sich. Die Stanser Musiktage (SMT) seien allerdings ein «Upgrade», eine Verbesserung.

Auf die Frage, wie es zum Engagement kam, gibt der 31-Jährige unumwunden zu, er habe gegoogelt, wo man auftreten könne und sei auf die SMT gestossen. «Christophe Rosset hat sich schon nach ganz kurzer Zeit gemeldet, nachdem er unsere Musik gehört hat.»

Debüterfolg bei bekanntem Label

Das war vor einem Jahr, als ihr erstes Album «Quachatta» als Debüterfolg bei dem renommierten New Yorker Label Tzadik herausgekommen war. Seitdem häuften sich die Auftritte. Samech waren unter anderem in Salzburg, Wien, Amsterdam. Am Samstag geht es zurück. Denn in Linz steht noch ein Auftritt auf dem Programm.

Seit der Studienzeit zusammen

Seit 2010 gibt es Samech in der jetzigen Besetzung. Gegründet hat Komponistin Anna Ostachowska die Gruppe. Zusammengefunden haben die vier studierten Musiker, die heute zum Teil an der Oper in Krakau oder beim Beethoven Akademie Orchester engagiert sind, in der Studienzeit.

Beschreiben können sie ihre Musik selbst nur sehr unzureichend, wie sie finden: «Es ist eine ‹klez world music›», charakterisiert Anna mit einem neu erfundenen Begriff. Hinein spielen Elemente von Jazz, Latin und Folk. «Anfangs haben wir nur Klezmer gespielt», erzählt sie. Das war 2003 mit ganz anderen Musikern.

Klezmer spielt auch heute noch eine wichtige Rolle in ihrem Leben. In Krakau leben und arbeiten die vier im «Kazimierz»-Viertel, das traditionell von Juden geprägt ist. Jüdische Wurzeln hätten sie nicht, «obwohl, wer weiss?» räumt Magdalena Pluta ein.

Samech ist der fünfzehnte Buchstabe im hebräischen Alphabet. Dargestellt wird er als geschlossener Kreis. Er steht für Gottes Unendlichkeit. «Du beginnst das Abenteuer, und du wirst es niemals beenden», erklärt Robert. Das Abenteuer Samech hat erst begonnen.