STANS: Pilatus knackt die Milliardengrenze

Erstmals haben die Pilatus-Flugzeugwerke mehr als 1 Milliarde Franken an Umsatz erwirtschaftet. Nun will man sich in dieser Umsatzliga etablieren. Das erfordert einen gewaltigen Kraftakt.

Hans-Peter Hoeren
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Oscar J. Schwenk in der Konstruktionshalle, wo aktuell verschiedene Grossaufträge abgearbeitet werden. (Bild Nadia Schärli)

Oscar J. Schwenk in der Konstruktionshalle, wo aktuell verschiedene Grossaufträge abgearbeitet werden. (Bild Nadia Schärli)

Die Pilatus Flugzeugwerke AG rüstet sich für ein neues Zeitalter. Das sieht man schon bei der Anfahrt auf das Firmengelände in Stans. Die zahlreichen Baustellen fallen sofort ins Auge. Ein neues Parkhaus wird gebaut mit rund 1100 Parkplätzen für die Mitarbeiter. Ein neues Logistikcenter ist geplant, ein neues Betriebsrestaurant. Gleichzeitig müssen in den Produktionshallen Grossaufträge für die Trainingsflugzeuge PC-21 und PC-7 Mk II fristgerecht erledigt werden. Die Entwicklung des neuen Businessjets PC-24 läuft auf Hochtouren. Und nebenbei wurden in Stans im vergangenen Jahr 176 neue Mitarbeiter eingestellt. «Wir sind an der Grenze des Machbaren und laufen in einem sehr hohen Drehzahlbereich», gibt Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk unumwunden zu.

Erstmals hat Pilatus im vergangenen Jahr die Umsatzmarke von 1 Milliarde Franken überschritten (siehe Kasten). In dieser neuen Liga will man sich nun dauerhaft etablieren. «Pilatus ist zu einem nachhaltigen Milliarden-Unternehmen geworden. Jetzt müssen wir uns auch in dieser neuen Kategorie bewähren», sagt Schwenk.

Schwankungsanfälliges Geschäft

Doch wie soll das funktionieren? Die Pilatus-Flugzeugwerke sind auf Regierungsaufträge angewiesen. Das Geschäft mit den Trainingsflugzeugen unterliegt starken Schwankungen. «Wir streben an, in einem Zeitraum von jeweils fünf Jahren im Schnitt einen Umsatz von 1 Milliarde Franken zu machen», räumt Schwenk denn auch mit Blick auf die Schwankungsanfälligkeit ein. Pilatus habe mit den Geschäftsflugzeugen PC-12 und dem sich in Entwicklung befindenden PC-24 sowie den Trainingsflugzeugen «Topprodukte in einem Nischenmarkt». Mit diesem Mix könne man die Schwankungen zwischen den Zivil- und Regierungsaufträgen ausgleichen. Vom PC-12 werde man noch über 1000 Flugzeuge bauen. «Mit dem PC-24 kommt jetzt nochmals ein neues Geschäftsfeld hinzu. Der PC-24 wird künftig sicher bis zu 300 Millionen Franken zum Jahresergebnis beisteuern können», prognostiziert Schwenk.

Ausbau fordert Belegschaft viel ab

Um sich auf Dauer in der neuen Umsatz-Liga zu halten, werden die Infrastruktur und die Belegschaft deutlich aufgestockt. 1609 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile in Stans, weltweit sind es über 1750. «Wir müssen und wollen die Belegschaft dauerhaft auslasten und beschäftigen», sagt Schwenk. Man werde in den nächsten Jahren sehr flexibel sein müssen. «In einigen Jahren werden die Mitarbeiter eher mehr, in anderen Jahren weniger Ferien machen», sagt Schwenk. Man nehme das grössere unternehmerische Risiko in Kauf, weil man gute Produkte habe und grundsolide finanziert sei.

«Unser grösstes Risiko ist, dass wir in unserer Leistungsbereitschaft nachlassen», mahnt Schwenk. Das Unternehmen habe keine Schulden, man finanziere alle Investitionen und Entwicklungskosten aus eigener Kraft. Bis 2017 sollen die Investitionen in die Infrastruktur in Stans vollständig abgeschlossen sein. Diese liegen bei über 100 Millionen Franken. In diesem Jahr sind die Pilatus-Flugzeugwerke mit ihren Grossaufträgen voll ausgelastet, der Auftragsbestand per Ende 2013 lag bei rund 1,8 Milliarden Franken (siehe Grafik). Auch die Bestellungen für den PC-12 haben wieder angezogen. «Gleichzeitig arbeiten über 350 Mitarbeiter unter Hochdruck am neuen PC-24», sagt Schwenk. Die Verantwortlichkeiten sind klar getrennt. Der neue CEO Markus Bucher verantwortet das operative Geschäft und die Bauvorhaben in Stans, Schwenk kümmert sich um die Neuentwicklung des PC-24 und die Akquise neuer Aufträge. «Die Entwicklung der PC-24 ist im Zeitplan», sagt Schwenk. Man werde den Rollout schaffen, dieser soll am 1. August im Rahmen eines grossen Events auf dem Flugplatz in Buochs stattfinden (siehe Box).

Grosses Kundeninteresse am PC-24

Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres sei dann auf dem Flughafen Buochs der erste Flug geplant. Wenn alles gut verlaufe, würden die ersten Flugzeuge wohl 2017 gefertigt werden. Die Resonanz von Kundenseite sei sehr positiv. «Wir haben bereits sehr viele verbindliche Anfragen, es wird viele Bestellungen für den PC-24 geben», sagt Schwenk. Gleichzeitig arbeitet er an der Akquise neuer Aufträge für die Trainingsflugzeuge. «Mit etwas Glück können wir noch in diesem Jahr einen Grossauftrag erhalten. Ich glaube aber, dass wir erst 2015 wieder neue Flottenaufträge werden vermelden können», sagt Schwenk.

Verhandlungen mit Indien laufen

Aktuell verhandle man mit Indien über einen Anschlussauftrag über 106 PC-7 Mk II. «Indien will einen Grossteil der Flugzeuge selber herstellen», sagt Schwenk. Auch in Australien habe man Ende März eine Offerte abgegeben für einen PC-21-Auftrag. «Neben uns ist nur noch Beechcraft mit der T-6 im Rennen», sagt Schwenk. Die T-6 ist ein von Beech­craft entwickeltes Flugzeug basierend auf dem Pilatus PC-9. Pilatus erhält für jedes verkaufte Flugzeug vom amerikanischen Hersteller Lizenzgebühren.

Unsicherheit beim Gripen-Deal

«Punkto Gripen-Deal bin ich eher zurückhaltend mit meiner Einschätzung, da gibt es noch zu viele Unsicherheiten», sagt der Verwaltungsratspräsident der Pilatus-Flugzeugwerke. Damit meint er die bevorstehende Volksabstimmung Mitte Mai. Wenn die Schweiz den Gripen bestellt, winken allein Pilatus Aufträge des schwedischen Gripen-Herstellers Saab im Wert von über 250 Millionen Franken. Mit Aufträgen in etwa der gleichen Höhe können die rund 250 Zulieferfirmen der Stanser rechnen.