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STANS: Plastilin mit Bagger zu Kunst geknetet

Das Plakat für die Musiktage entsteht seit Jahren im Einklang mit einem Kunstwerk und dem Nidwaldner Museum. Dass heuer Lipp & Leuthold gar einen Bagger dafür eingesetzt haben, glaubt man fast nicht. Und doch ist es wahr.
Romano Cuonz
Die Künstler Paul Lipp (links) und Reto Leuthold präsentieren ihre Plastilin-Skulptur. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 24. April 2017))

Die Künstler Paul Lipp (links) und Reto Leuthold präsentieren ihre Plastilin-Skulptur. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 24. April 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch


Wer immer dem Plakat der heurigen Stanser Musiktage begegnet, mag einen Moment innehalten und staunen: über die Vielfalt an Farben, aus der sich Titelbuchstaben und Datumszahlen abheben. Grün, blau, weiss, gelb, schwarz, rot und, und, und ... Schaut man etwas genauer hin, glaubt man doch tatsächlich die lebendigen, reliefartigen Strukturen von buntem Plastilin zu erkennen. Von jener Knetmasse eben, mit der Kinder so gerne spielen und modellieren.

Und dabei liegt man nicht einmal falsch. Den Beweis dafür liefert während der Stanser Musiktage eine grosse Skulptur beim Infostand vor der Pfarrkirche. Es scheint beinahe, als wäre diese aus dem Plakat herausgetreten. Als hätte sie – einfach zur Freude all jener Kinder und kindlich gebliebenen Erwachsenen, die bereits wacker daran herumkneten – ein geradezu spielerisches Eigenleben angenommen.

Ein eigenes Atelier in Stans eingerichtet

Auch Esther Unternährer, Co-Leiterin der Stanser Musiktage, vermag an dieser monumentalen Figur kaum vorüberzugehen, ohne Hand an sie zu legen und weiter zu kneten. «Wir verfolgen seit Jahren das Konzept, dass unser Plakat von Künstlern gestaltet wird, die dann auch ein Kunstwerk eigens für die Musiktage schaffen», sagt sie. «Die heurigen Skulpturen, die das Künstlerduo Lipp & Leuthold aus Luzern gestaltet hat, scheinen mir äusserst gelungen, weil sie so gut zu unseren Musiktagen mit ihrer Vielfalt an Musik, Dekorationen und Gastronomie passen.» Was Esther Unternährer am meisten freut: dass die beiden umtriebigen Künstler schon einige Wochen vor den Musiktagen ein eigenes Atelier an der Engelbergstrasse 29 in Stans einrichteten und dort während ihrer Arbeit viele Einheimische kennen gelernt haben. Die Wahl der Kunstschaffenden für ein Kunstprojekt erfolgt jeweils in enger Zusammenarbeit mit dem Nidwaldner Museum. «Diesmal diskutierten wir nicht lange. Lipp & Leuthold waren für beide Seiten Wunschkandidaten», so Esther Unternährer.

Wer dieser Tage einen Blick ins Atelier der «Artists in Residence» warf, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da war auch Plastilin aufgeschichtet. Aber wie! Anstelle von üblichen 1-Kilo-Packungen lagerten da 50-Kilo-Blöcke in allen Farben. Daraus die eine Skulptur herzustellen, die heute vor der Kirche steht, 350 Kilogramm wiegt und doch spielerisch und von grosser Leichtigkeit ist, erwies sich als äusserst schwierig. «Allein die Wahl der Werkzeuge erforderte eine wahre Recherche», gesteht der 40-jährige Reto Leuthold, der im Hasliberg aufgewachsen ist. Sein gleichaltriger Künstlerfreund Reto Lipp, ursprünglich aus Werthenstein, wird noch etwas konkreter: «Zuerst versuchten wir den Knet mit Hammer und Fäustel zu bearbeiten, doch schliesslich brauchten wir einen Bagger, um die Mocken überhaupt kneten zu können.» Eigentlich hätten sie zu Beginn mehrere Figuren aus Plastilin schaffen wollen, sagen die Künstler. Weil dies jedoch viel zu kostspielig geworden wäre, entschlossen sich die Künstler, noch weitere spielerische und vielleicht auch ein wenig provozierende Ideen mit eigenwilligen, überraschenden Materialien herzustellen. Lipp und Leuthold führen den Besucher zu einem schmelzenden Schneemann aus glitzernd gefärbtem Styropor und Gips. Eine jämmerliche und doch überaus witzige Gestalt. Als lebendiger Kontrast zum steinernen Winkelried auf dem Brunnen stehen auf dem Kopfsteinpflaster davor Gebilde, die aus verdickten Acryl- Farbhäuten zu Plachen gefaltet wurden. Lipp dazu: «Eine Skulptur, einzig und allein aus Farbe!» Endlich lehnt sich an den fast schon makabren Brunnen mit dem «Mädchen und dem Tod» eine «To-do-Liste» gegossen aus Zement. Nur schwer leserlich ist, was zu tun sich die Künstler da noch vorgenommen haben. Aber genau das passt zu ihnen: Immer und überall sind sie für Neues, Unerwartetes, Überraschendes gut.

Hinweis

Kunstrundgang mit Lipp & Leuthold und Stefan Zollinger vom Nidwaldner Museum: Samstag, 29. April. Treffpunkt 17.15 Uhr bei der Winkelriedbar am Dorfplatz.

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