STANS: Private Sofas für Jungautoren gesucht

«Sofalesungen» bringt ab Juni Autoren mit ihren Werken ins heimische Wohnzimmer. Das Zentralschweizer Literaturhaus sucht noch weitere Gastgeber.

Philipp Unterschütz
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Die erste Sofalesung im November 2015 in einer WG in Basel mit Autorin Regula Wenger. (Bild: PD)

Die erste Sofalesung im November 2015 in einer WG in Basel mit Autorin Regula Wenger. (Bild: PD)

Das Stammpublikum im Literaturhaus Zentralschweiz ist mehrheitlich über 50 Jahre alt, jüngere Leute kommen eher selten. «Es ist schwierig, ein junges Zielpublikum zu erreichen», stellt Daniela Krienbühl vom Literaturhaus Zentralschweiz fest. «Vermutlich gibt es bei den Jungen eine Hemmschwelle.» Genau hier setzt das Konzept von «Sofalesungen» an. Es bringt die Literatur nach Hause und soll insbesondere Personen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren ansprechen. Junge Autorinnen und Autoren lesen aus ihrem ersten oder zweiten Werk, das bei einem professionellen Verlag erschienen ist. Über den intimen Rahmen der privaten Räume von wechselnden Gastgebern wird so ein neues Publikum jenseits des etablierten Literaturbetriebs erreicht. «Im heimeligen Wohnzimmer findet ein direkter Austausch eher statt, man kommt schneller und leichter ins Gespräch mit dem eingeladenen Autor und den anderen Interessierten», erklärt Daniela Krienbühl die Idee.

Der Start war viel versprechend

Das vom Förderfonds Engagement Migros unterstützte Projekt (siehe Kasten) hat im November 2015 mit Lesungen in Basel und Zürich begonnen. Sowohl bei Gästen, Gastgebern wie auch den Autoren fand das Veranstaltungsformat grossen Anklang. Im persönlichen Rahmen wurde mit dem Format der Lesung experimentiert und das bekannte Setting mit Autor, Text, Moderation und Publikum weiterentwickelt. «Es scheint, als würden die Zuschauer teilhaben an der eigentlich längst abgeschlossenen Buchentstehung», schrieb die NZZ im Januar über eine der Lesungen in Zürich.

Sofalesungen.ch dokumentiert die Ergebnisse der Anlässe und stellt sie am Ende des dreijährigen Pionierprojekts auf einer Onlineplattform zur Verfügung. So können Literaturhäuser und -vermittler diese kopieren, in bestehende Programme integrieren oder weiterentwickeln.

Auch Garten oder Atelier möglich

Ab Juni 2016 startet das Projekt auch in der Zentralschweiz. Vier Sofalesungen sind bis Jahresende geplant. 2017 werden es sechs sein. Dafür sucht das Literaturhaus Zentralschweiz nun Gastgeber. «Das müssen nicht nur Privatwohnungen oder Wohngemeinschaften sein. Denkbar sind Sofalesungen auch in einem Atelier, im Garten oder in einem Hinterhof», sagt Daniela Krienbühl. «Es sollte einfach Platz haben für mindestens 20 bis 30 Personen.» Bis jetzt habe man bereits einige Interessenten aus den Kantonen Luzern und Schwyz, aber beispielsweise noch keine aus Nid- und Obwalden. «Wir wollen natürlich in allen Zentralschweizer Kantonen unterwegs sein.» Wenn sich jemand melde, suche man das Gespräch, und gehe auch mal am vorgeschlagenen Ort vorbei, um sich ein Bild zu machen. Die möglichen Gastgeber hätten sicher auch viele Fragen, rund um den Ablauf, erklärt Daniela Krienbühl.

Aufwand wird übernommen

Die Gastgeber müssen auch nicht befürchten, dass sie für den knapp 11/2-stündigen Anlass auch noch als Koch und Serviceangestellte zu wirken haben. «Erwartet wird nur, dass es etwas zu trinken und zu knabbern gibt. Die Kosten im Budget eines einfachen Apéros werden von uns übernommen», sagt Daniela Krienbühl. «Es sollen schliesslich die Literatur und die Autoren im Mittelpunkt bleiben. Und die Spielregeln in ihren eigenen vier Wänden bestimmen die Gastgeber, damit es ihnen wohl ist.» Keine Wünsche sind jedoch hinsichtlich der Autoren möglich. Diese werden von Sofalesungen.ch gesetzt.
 

Philipp Unterschütz

 

Hinweis

Interessierte Gastgeber wenden sich an Daniela Krienbühl: daniela.krienbuehl@sofalesungen.ch Weitere Infos unter www.sofalesungen.ch