STANS: Schüler machen aus wenig klar mehr

Zehn eigenwillige Ideen und zehn Techniken: Die Abschlussarbeiten zum Bildnerischen Gestalten am Kollegi sind im Winkelriedhaus ausgestellt.

Romano Cuonz
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Yanick Monaco stellt seine filigrane Abschlussarbeit zum Thema «More or Less» dem Publikum vor. (Bild Romano Cuonz)

Yanick Monaco stellt seine filigrane Abschlussarbeit zum Thema «More or Less» dem Publikum vor. (Bild Romano Cuonz)

«Das Thema für die Abschlussarbeiten im Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten lautete dieses Jahr ‹More or Less›», erklärt Yanick Monaco dem Publikum vor dem Stanser Winkelriedhaus. Und seine Klassenkameradin Jana Näpflin ergänzt: «Zu diesen drei Worten durften wir punkto Technik und Interpretation völlig frei arbeiten und spielen.» All die zehn entstandenen Arbeiten der heurigen Klasse – es sind gemäss Ausstellungskonzept grosse Werke von einem Meter achtzig auf einen oder einen halben Meter – werden nun im Obergeschoss des Winkelriedhauses recht prominent präsentiert. Darauf sind die zehn Gestalterinnen und Gestalter stolz. Neben einem schriftlichen Konzept und der Arbeit habe jeder Schüler, jede Schülerin auch eine Dokumentation gestaltet, erklärt Jana Näpflin. Darin werde der Arbeitsprozess – die Reise eben – von den Anfängen bis hin zum fertigen Produkt genau beschrieben. In Handschrift oder auf dem PC. Und Jana Näpflin empfahl den Anwesenden: «Befasst euch auch mit diesen Dokus, es lohnt sich!»

Kimentina Stoimenova stellt mittels Scherenschnitttechnik den Raubbau an den Urwäldern dar. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)
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Yanick Monaco zeigt seine filigrane Abschussarbeit. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)
Tekla Feubli muss selber ein wenig lächeln, wenn sie ihre modebewusste Puppe mit auf den Leib zugeschnittenen edlen Markennamen betrachtet. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)
Junge Besucher bewundern Tekla Feublis Modepuppe. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)
Sabina Berner hat ein fantastisches Kommunikationsnetzt aufgestellt. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)
Bei der Beamer-Animation von Raphael von Matt wird die Landschaft Bild für Bild, Bauwerk um Bauwerk zubetoniert. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)
Selina Sigrist lässt Asylsuchende auf ihren Bildern einmal besorgt dreinschauen und – wenn man am Schnürchen zieht – auf der Kehrseite freundlich lächeln. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)
Yanick Monaco und Jana Näpflin auf dem Weg zur  Ausstellung der Abschlussarbeiten ihrer Abschlussarbeiten. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)
Alle zehn jungen Künstlerinnen und Künstler von links nach rechts: Angela Scheuber, Raphael von Matt, Naomi Mathys, Yanick Monaco, Jana Näpflin, Christoph Schmid, Selina Sigrist, Klimentina Stoimenova, Sabrina Berner und Tekla Feubli. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)

Kimentina Stoimenova stellt mittels Scherenschnitttechnik den Raubbau an den Urwäldern dar. (Bild: Romano Cuonz/Neue NZ)

Zufriedener Lehrer Pascal Kappeler

Dass Pascal Kappeler, Lehrer für Bildnerisches Gestalten am Kollegi, den Schülerinnen und Schülern in beinahe jeder Hinsicht freie Hand gelassen hat, zahlt sich aus. «So sind zehn individuelle Arbeiten in individuellen Techniken entstanden», resümiert er. «Zeichnung, Fotografie, Installation, Computeranimation, Zeichentrick.» Die Vielfalt der Interpretationen, die aus den gerade einmal drei Wörtern «mehr oder weniger» entstehen konnte, sei für ihn faszinierend. Da hätten sich zehn Schülerinnen und Schüler bei ihrem Abschluss als reife junge Erwachsene mit ihrer Welt auseinandergesetzt. Jede und jeder auf eigene Weise. Die einen mit grosser Sorge für die Umwelt wegen unseres Konsumverhaltens. Die andern in spielerisch gestalterischen Formen. «Mit der Leistung der Schüler bin ich zufrieden», lobt Kappeler. «Es gibt einige sehr gelungene Arbeiten, die mit ihrer Qualität auch mich als Lehrer überraschen.»

Wohltuend erfrischende Kunst

«Pro Kopf werden bei uns jährlich 700 Kilo Abfall weggeworfen», moniert Jana Näpflin mit ihrer eigenwilligen Installation. Diese symbolisiert einen Abfallsack mit Guckloch. Via Kamerablitz lässt die Schülerin bildlich erkennen, wie viel Wert Abfall nach wie vor besitzt, wenn man ihn recycelt. Sabrina Berner stellt mit faszinierend geknüpften Maschen ein Kommunikationsnetz her. «Die leere Sprechblase in der Mitte stellt das Schweigen, das Nichts-Sagen dar», erläutert sie. Immer wieder und lange bleiben die Zuschauer vor Raphael von Matts Beamer-Animation mit dem Titel «Bauen für nichts!» stehen. Da wird acrylfarbig, plastisch und trickartig bewegt geschildert, wie wir eine Landschaft zubauen und in graues Nebelnichts hüllen.

Weniger oder mehr zum Essen

Einfach und halt doch unendlich beredt ist Selina Sigrists Fotoinstallation «Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte». Schwarz-weiss zeigt sie die besorgten Gesichter von neun Asylsuchenden. Dreht man die Bilder per Handgriff um, zaubert die Fotografin ein Lächeln auf die gleichen Gesichter. Nachdenklich stimmen: Tekla Feublis goldene Skulptur, die immer mehr Kleider edelster Marken haben will und doch ein schwarzes Innenleben hat. Auch Angela Scheubers Reliefkarte, die zeigt, wo es auf unserer Welt weniger und wo mehr Essen gibt. Oder Klimentina Stoimenovas Urwald, gerodet im weissen Scherenschnitt. Und dahinter, als Kehrseite davon, immer mehr Häuschen. Einfach nur freuen kann man sich an den Spielereien mit farbigen Kugeln in Christoph Schmidts Guckkasten. Oder an den nachgerade grafisch künstlerisch verstrickten Dreiecken auf Yanick Monacos grossflächigem Bild.

Romano Cuonz

Hinweis

More or Less – Ausstellung der Abschlussarbeiten des Schwerpunktfachs Bildnerisches Gestalten am Kollegium St. Fidelis, Stans, im Winkelriedhaus. Öffnungszeiten: bis 24. April jeweils Mittwoch, 14–20 Uhr. Donnerstag bis Samstag, 14–17 Uhr. Sonntag, 11–17 Uhr.

More or Less: mehr Bilder der Abschlussarbeiten unter www.nidwaldnerzeitung.ch/bilder