STANS: «‹Senkel› schloss eine riesige Lücke»

Seit rund 100 Tagen gibts ein Jugendkulturhaus. Für Jugendliche belebte der «Senkel» eine kulturelle Wüste im Kanton, ist Co-Leiter Gilles Rosset überzeugt.

Interview Matthias Piazza
Drucken
Teilen
Die beiden Co-Leiter des «Senkels»: Gilles Rosset (links) und Emanuel Wallimann.

Die beiden Co-Leiter des «Senkels»: Gilles Rosset (links) und Emanuel Wallimann.

Am Wochenende vom 14. und 15. Dezember des vergangenen Jahres begann für die Nidwaldner Jugend eine neue Zeitrechnung. Mit einer rauschenden Eröffnungsparty und einer offiziellen Feier wurde das Jugendkulturhaus «Senkel» im Stanser Eichliquartier eröffnet. Damit ging eine rund fünfjährige Planungs- und Bauphase zu Ende. Die Nidwaldner Jugendlichen haben seitdem ein Zentrum für Partys, Veranstaltungen, Konzerte. Im Interview blickt Gilles Rosset (19), der den Betrieb zusammen mit Emanuel Wallimann (28) und einem Kernteam von rund elf weiteren Personen führt, zurück auf die ersten drei Monate.

Welche Bilanz ziehen Sie nach den ersten 100 Betriebstagen?

Gilles Rosset: Ich warne immer davor, voreilig Schlüsse zu ziehen. 100 Tage sind eine kurze Zeit. Aber grundsätzlich lässt sich sagen, dass es so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir haben viele Besucher, die extrem Freude am «Senkel» haben, und in den kommenden Monaten fast jedes Wochenende zwei Veranstaltungen, wie zum Beispiel «10 Jahre Muisig­lanzgmeind» oder – in Zusammenarbeit mit den Organisatoren – das Jugendprogramm des Seilziehfestes. Dieses Interesse seitens der Veranstalter übertrifft unsere Erwartungen sogar. Und natürlich hatten auch wir mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen. Zum Beispiel mussten wir den Boden nachbessern, weil er zu rutschig war. Und auch das Helfersystem mussten wir verbessern. Aber das kriegen wir alles noch in den Griff.

Wie lief der Betrieb an?

Rosset: Sehr flüssig. Wir fingen einfach bei null an, mussten ins kalte Wasser springen und erste Erfahrungen sammeln, uns einarbeiten. Aber es kam gut. Wir legten einen erfolgreichen Start hin.

Wie kommt der «Senkel» an?

Rosset: Das Interesse am Nidwaldner Jugendkulturhaus ist sehr gross. Wir sind bis im Sommer mit Veranstaltungen ausgebucht. Die Kundschaft im «Senkel» ist erfreulich durchmischt. Je nach Veranstaltung haben wir Besucher im Alter von 16 bis 25. Gewisse Konzerte besuchen auch über 25-Jährige.

Der «Senkel» soll ja ein Jugendkulturhaus für alle Nidwaldner sein, nicht nur für Stanser. Kommen denn auch Jugendliche aus Emmetten oder Dallen­wil in den «Senkel»?

Rosset: Definitiv. Eben konzertierte eine Buochser Band. Unter den Besuchern waren nebst Buochsern auch viele Beckenrieder. In Nidwalden sind die Distanzen ja sowieso überwindbar, und eine Taxifahrt ist auf solch kurzen Distanzen erschwinglich. Das Problem ist eher das Wetter. Wenn es an einem Donnerstagabend stürmte und schneite, waren wesentlich weniger Leute als sonst da.

Konnten Sie sogar Leute in den «Senkel» locken, die früher nach Luzern in den Ausgang gingen? Strahlt das Lokal über Nidwalden aus?

Rosset: Ich denke schon. Es traten schon einige Bands bei uns auf, die sonst in Luzern aufspielen. Und auch Luzerner «Senkel»-Gäste durften wir schon begrüssen. Später können wir uns auch vorstellen, aktiv die Obwaldner und Luzerner anzusprechen. Wir können uns auch vorstellen, zukünftig den Kontakt mit anderen, ähnlichen Institutionen zu intensivieren. Doch vorerst gehts uns darum, den Betrieb zu festigen.

Wie sind die Feedbacks der «Senkel»-Nutzer?

Rosset: Grösstenteils gut. Leute gehen jeweils zufrieden und glücklich nach Hause. Reklamationen von Besuchern gingen bis jetzt keine ein, Tipps für kleine Verbesserungen schon. Zum Beispiel wurde kritisiert, dass das Licht im Damen-WC nach 30 Sekunden erlischt. Solche Verbesserungen gehören zu unseren ­Pendenzen.

Im Vorfeld wurde kritisiert, dass der Standort im Stanser Eichli-Quartier zu abgelegen und schlecht erreichbar sei. Was sagen Sie dazu?

Rosset: Diese Kritik teile ich nicht und die wurde von unseren Gästen auch nicht aktiv bemängelt. Der «Senkel» ist vom Bahnhof Stans zu Fuss in zehn bis zwanzig Minuten erreichbar. Das Problem ist eher, dass man nachts mit dem öffentlichen Verkehr nicht mehr nach Buochs, Dallenwil, Hergiswil und Luzern kommt.

Skeptiker befürchteten im Voraus Lärm, zerbrochene Flaschen und einen chaotischen Betrieb. Gabs schon Reklamationen in diese Richtung?

Rosset: Nein. Bis jetzt gingen keine nennenswerten Beschwerden ein. Wir sind auch im ständigen Kontakt mit der Gemeinde. Und auch von dieser Seite vernahmen wir bis jetzt nichts Negatives. Eine benachbarte Familie vom Wächsel­acher-Quartier versicherte uns, dass sie auch seit Inbetriebnahme des Jugendkulturhauses ruhig schlafen könne. Auch Sauberkeit ist uns ein sehr grosses Anliegen. Nach jeder Veranstaltung sammeln wir allfällig liegen gebliebenen Abfall in der Umgebung ein.

Gibt es Verbesserungspotenzial für die Zukunft?

Rosset: Das Konzept mit Fremdveranstaltern als Basiselement ist super. Das funktioniert. Aktuell sind wir an unserem Sommerprojekt, der Aussenbestuhlung. Künftig wollen wir die kulturelle Vielfalt noch mehr fördern. In diese Richtung machen wir uns Gedanken.

Braucht die Nidwaldner Jugend den «Senkel»?

Rosset: Definitiv. Für Jugendliche war Nidwalden bisher kulturelle Wüste. Mit dem Jugendkulturhaus öffnete sich für die Jugend insbesondere von Nidwalden eine grosse Türe. Jetzt kann sich niemand mehr beklagen, dass in Nidwalden nichts läuft. Mit dem «Senkel» schloss sich eine riesige Lücke. Eine Schliessung würde einen Riesenprotest auslösen, davon bin ich überzeugt. Die Zeit wird zeigen, in welche Richtung sich der «Senkel» noch weiterentwickelt.