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STANS: Sie feierten wie die Dadaisten

Der Historische Verein will beweisen, dass es in Nidwaldens Geschichte noch viel zu entdecken gibt. Regula Odermatts Vortrag über wilde «dadaistische» Feste im Atelier des Künstlers Hans von Matt ist ein Beispiel dafür.
Romano Cuonz
Der Stanser Künstler Hans von Matt als junger Mann in den wilden Zwanzigerjahren. (Bild: Reproduktion: PD)

Der Stanser Künstler Hans von Matt als junger Mann in den wilden Zwanzigerjahren. (Bild: Reproduktion: PD)

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Die Vergangenheit ist tot. Wir leben in der Gegenwart. Die Zukunft ist uns sicher», schrieb der damals junge Stanser Bildhauer und Künstler Hans von Matt 1927 in der Einladung zur Eröffnung des neuen Ateliers. Seinen «Musentempel», wie er das Atelier nannte, hatte der bekannte Luzerner Architekt Armin Meili gebaut. Einer seiner vielen interessanten Freunde. Andere, die damals dort verkehrten, waren etwa der Psychiater Jakob Wyrsch, der Jurist Kuno Müller, der Historiker Robert Durrer, der Künstler, Schauspieler und Tänzer Anton Flüeler, Redaktor Fritz Flüeler, Musiker Johann Baptist Hilber oder der bekannte Theaterwissenschafter Oskar Eberle.

Gemeinsam feierte man wilde Feste, bei denen stets auch attraktive, lebenslustige Nidwaldner Frauen wacker mithielten. In der Einladung wurden alle Gäste angewiesen, sich mit einem Hauch Avantgarde und einem Sprutz Dada in wild futuristische Kostüme des 25. (!) Jahrhunderts zu kleiden. Ein interessantes Detail: Hans von Matt (1899 bis 1985) hatte dafür eine «machine à travailler» entworfen. Ein Foto davon erinnert auf dem ersten Blick an spätere Tinguely-Maschinen. «Ob sie je funktioniert hat, lässt sich heute leider nicht mehr feststellen», bedauerte die Kunsthistorikerin Regula Odermatt-Bürgi. «Weil sie für den Künstler nur ein Jux war, existiert sie heute nicht mehr.» Auf Ein­ladung des Historischen Vereins warf sie einen spannenden Blick zurück auf die intellektuellen, dadaistisch angehauchten Stanser Szenen der wilden Zwanzigerjahre. Ihr präzis recherchierter Vortrag war mit zahlreichen fotografischen Zeitdokumenten bebildert und gerade deshalb selbst für ein historisch belesenes Publikum überraschend.

Im «Lexikon zur Kunst der Schweiz» wird Hans von Matt ziemlich nüchtern als Bildhauer, Maler und Gründer der Schweizerischen Gesellschaft für kirchliche Kunst aufgeführt. Das Bild, das nun Regula Odermatt von ihm zeichnete, war viel farbiger. Ja, in mancher Hinsicht geradezu alternativ. Der Künstler, der sich unsterblich in Annemarie Gunz, seine spätere Ehefrau, verliebte, sie in Briefen mit fantasievollen Kosenamen wie «Blaumeisli, Rose bourbon, Schnörrli oder gar Sautrüb» anredete, besass Sprachbegabung und Sprachwitz. Dazu viel Humor und eine unbändige Lust am Spiel, am Spontan-Kreativen. Mit seiner nicht weniger genialen Frau Anne­marie teilte er die Freude am Skurrilen. «Weil aber Hans von Matt diese Eigenschaften meist seinem analytischen Verstand unterordnete oder gar verleugnete, sind sie in Vergessenheit geraten», erklärte Odermatt. Hans von Matt hat seine spielerische Seite auch ausgelebt, jedoch nur im privaten Rahmen, etwa bei Festivitäten. Oder auch im «Unüberwindlichen Grossen Rat» von Stans, einer aus dem Spätmittelalter stammenden Vereinigung, die zugleich Bruderschaft und Fasnachtsgesellschaft ist. Die Feste standen im Zeichen des Unsinns und – durch die Teilnahme schöner lebenslustiger, junger Nidwaldner Töchter aus gutem Haus, einer nicht immer nur leisen erotischen Frivolität. Dieser Nidwaldner Szene fehlte aber jeglicher politische Aspekt, ganz im Gegensatz zur exotisch farbigen Dadaisten-Szene in Zürich mit Protagonisten wie Hugo Ball, Emmy Hennings, Sophie Taeuber-Arp oder Tristan Tzara.

Regula Odermatt beschäftigte sich im Vortrag auch intensiv damit, ob man in Stans damals überhaupt etwas über die Zürcher Dada-Szene wusste. Auch wenn das Wort Dada in Hans von Matts Schriften nie fällt, war man durchaus orientiert über neuste Strömungen. So besass die Nidwaldner Textilkünstlerin Regi Amstad eine Marionette, die sie laut eigener Aussage von Sophie Taeuber-Arp erhalten hatte. Eine Kunsthistorikerin bestritt jedoch später deren Echtheit mit der ­Begründung, Regi Amstad, quasi ein «Bauerntotsch» aus Beckenried, hätte Taeuber unmöglich kennen können. Dabei hatten doch die beiden gemeinsam an einer Ausstellung im Zürcher Kunstgewerbemuseum teilgenommen. Nur ein Beispiel dafür, wie Regula Odermatt die damalige Nidwaldner Intellektuellenszene aufleben liess. Beweisstück für Beweisstück, Argument um Argument. Voller Leben.

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