STANS: Sie haben in fünf Minuten die Lösung

Hier wird diskutiert, politisiert, manchmal auch plagiert: Der Stammtisch in der Gastwirtschaft zum Briggli an der Nägeligasse trifft sich seit zehn Jahren.

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Der «Briggli»-Stammtisch (von links): Willy Amstad, Karl Brandenberg, Walter Odermatt, Walter Lussy, Robi Ettlin, Bruno Durrer, im roten Pulli Hans Steiner und Fridel Amstutz. (Bild Marion Wannemacher)

Der «Briggli»-Stammtisch (von links): Willy Amstad, Karl Brandenberg, Walter Odermatt, Walter Lussy, Robi Ettlin, Bruno Durrer, im roten Pulli Hans Steiner und Fridel Amstutz. (Bild Marion Wannemacher)

Mit einem Besichtigungstermin im Altersheim Nägeligasse vor zehn Jahren fing alles an. Willy Amstad sah sich nach einem Platz für seine Mutter um. Per Zufall lief ihm dort in der neuen Gastwirtschaft zum Briggli sein alter Kollege Karl Brandenberg über den Weg. «Wär das nicht ein Treffpunkt für einen Stammtisch?», überlegten sie gemeinsam. Am darauffolgenden Dienstag waren sie schon zu sechst. Seitdem trifft man sich hier dienstags zwischen neun und zwölf Uhr. Mittlerweile gehören 16 Mitglieder zum Stammtisch.

Sie kennen sich von Kindsbeinen an

Am späten Vormittag ist man beim Roten angelangt. Diesen Dienstag sind die Abstimmungen und Wahlen dran. «Hier wird diskutiert, politisiert und manchmal auch plagiert», sagt Willy Amstad. Fridel Amstutz fügt augenzwinkernd hinzu: «Wo Gemeinde und Kanton stundenlang beraten, haben wir in fünf Minuten die Lösung.»

Einer Meinung ist man nicht immer, so viel ist klar. «Es beharrt aber niemand darauf, dass seine Meinung die richtige ist», erklärt Walter Lussy. «Jeder darf dem andern was sagen, ohne dass er es persönlich nimmt», fügt dessen Sitznachbar Walter Odermatt hinzu. Vielleicht der Grund, warum sich alle noch so gut verstehen?

Manche kennen sich von Kindesbeinen an, sind gar in die gleiche Klasse gegangen, wie Hugo Odermatt, der hier in einer Zweizimmerwohnung lebt, und Willy Amstad.

Schmiedgasse-König ist auch dabei

In der Runde kennen sich alle mit Übernamen, sie heissen «Hansmättler» oder «Totengräbers Fridel» oder «Cinellen-Hugo». Von Schmiedgässler Walter Lussy wird erzählt, dass er über das laufende Dorfgeschehen immer auf dem aktuellen Stand ist und das Zeug zum Dorforiginal habe. Robi Ettlin gibt stolz preis, dass er gar mal Schmiedgasse-König gewesen sei. Ettlin, der die berühmte Bäckerei in der Schmiedgasse betrieben hatte, war lange Jahre Vorsitzender der freien Schmiedgässler. An einem Ausflug sei er zum «König» gekürt worden. Heute wohnt er in einem anderen Quartier. Ein König im Exil.

Fridel Amstutz bringt Geselligkeit in die Runde mit ein. Er organisiert für den «Briggli»-Stammtisch übers Jahr Touren, Bergwanderung und Ausflüge. «Das fördert die Kameradschaft», sagt der ehemalige Polizist. «Wir gehen auf die Älggialp, nach Niederrickenbach, aufs Stanserhorn, unseren Hausberg, und an viele weitere Orte. Dieses Jahr wollen wir nach Flüeli-Ranft.»

Zweiter Treffpunkt im Spycher

Ab und an besucht die Männerrunde auch Karl Brandenberg, der im Wallis ein Feriendomizil hat. «Einmal waren wir die Allerersten im Jahr, die über den Furka fuhren. Das war eindrücklich, die Schneemauern entlang zu fahren», erinnert sich Amstutz. Ein weiterer Treffpunkt ist sein Spycher in Obbürgen. Dort gibt es immer mal wieder was Leckeres auf den Teller. Als nächstes Unternehmen hat sich der Stammtisch zu einer Werbefahrt ins St. Gallische verabredet.

Einmal im Jahr mit Frauen

Der Mittag ist schon bald da, Hans Steiner steht auf und verabschiedet sich. Er wird in wenigen Monaten 80 Jahre alt und möchte heute mit dem Personal das Geburtstagsessen für den Stammtisch verabreden. «Das Essen hier ist wirklich gut», loben Karl Brandenberg und Willy Amstad. Einfluss nimmt die Stammtischrunde einmal im Jahr auf die Menükarte: «Am Stanser Märcht gibt es auf unsern Wunsch Kutteln», sagen die Männer begeistert. Halb Stans komme mittlerweile hierher zum Kutteln­essen. Die Frauen dürfen dann auch einmal dabei sein. «Sie sitzen aber an einem separaten Tisch», betont Walter Odermatt.

Nein, eigentlich hätten die Frauen gar nichts gegen den Stammtisch. «Ich werde von meiner sogar hierher geschickt», verrät Bruno Durrer, der Einzige in der Runde, der nicht aus Stans kommt. Er lebt in Buochs. Als Karl Brandenbergs Frau starb, habe sie ihm gesagt: «Aber das musst du mir versprechen, dass du den Stammtisch nicht aufgibst.»

Marion Wannemacher