STANS: Sie ist Serviertochter aus Berufung

Ein seltenes Jubiläum feiert Rosa Mörgeli: Seit 50 Jahren arbeitet sie im Service. Und ist so glücklich dabei, dass sie dies keine Sekunde bereut.

Kurt Liembd
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Hat für ihre Gäste immer ein Lächeln parat: Rosa Mörgeli hinter dem Buffet im «Tell». (Bild Kurt Liembd)

Hat für ihre Gäste immer ein Lächeln parat: Rosa Mörgeli hinter dem Buffet im «Tell». (Bild Kurt Liembd)

Soll noch einer behaupten, im Gastgewerbe werde man nicht glücklich. Rosa Mörgeli (67) ist der lebendige Beweis, dass man sein Glück, oder zumindest sein berufliches Glück, als Serviertochter finden kann. «Nie könnte ich während längerer Zeit in einem Büro arbeiten», sagt Rosa Mörgeli im Rückblick auf ihre 50 Jahre im Gastgewerbe. Sie braucht die Menschen und die Gäste. Und die Gäste brauchen sie. Ja, sie liebt ihre Gäste und die Gäste lieben sie. Denn Rosa Mörgeli trägt das «Virus Gastgewerbe» in sich, wie es Herbert Huber in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. Ein gutartiges Virus, auf dem ihr berufliches Glück und ihr Erfolg basiert.

Angefangen ohne Lohn

Wenn Rosa Mörgeli aus ihren ersten Zeiten erzählt, dann wird es kurzweilig und man erfährt vieles aus der Geschichte der Gastronomie. «In den ersten Jahren hatte ich gar keinen Lohn.» Wie bitte? Dann liefert sie die klärende Antwort, dass sie bis Mitte der 1960er-Jahre allein vom Trinkgeld der Gäste lebte, als dieses noch nicht inbegriffen war. Als dann das sogenannte «Service inbegriffen» eingeführt wurde, sei sie anfänglich ganz enttäuscht gewesen, da ihr Fixlohn kleiner war als das, was sie bisher an Trinkgeld erhielt. Doch dank ihrem Charme und ihrer Tüchtigkeit erhielt sie von da an sogar freiwillige Trinkgelder, so dass es für sie unter dem Strich wieder stimmte. Doch Rosa Mörgeli arbeitete nie einzig des Geldes wegen. Für sie war die Arbeit als Serviertochter Berufung und Selbstverwirklichung in einem. Bis heute. Und sie ist bis heute stolz auf ihre Berufsbezeichnung «Serviertochter», auch wenn dieser Begriff im Verlaufe der letzten 50 Jahre schon unzählige Male verändert wurde.

So sprach man unter anderem von Serviceangestellte, Servicefachangestellte, Gastroangestellte, Gastrofachangestellte, Restaurationsangestellte oder Gastrofachfrau. Keiner dieser Begriffe hat sich aber im Volksmund durchgesetzt. Rosa Mörgeli ist das recht so, sie ist die warmherzige «Serviertochter» geblieben, die sie immer war. Sie empfindet es auch mit 67 Jahren ganz respektvoll, wenn ein Gast sie mit «Fräulein» anspricht. Auch wenn sie schon seit Jahrzehnten kein «Fräulein» mehr ist. Heute ist sie Witwe, ihr Mann Arthur ist vor eineinhalb Jahren verstorben.

Eine «halbe Psychologin»

Angefangen hat Rosa Mörgeli, die von Stammgästen einfach «Rösli» genannt wird, in den 60er-Jahren als Zimmermädchen in Montreux, wo sie zur Office- und Servicemitarbeiterin aufgestiegen ist. Eine offizielle Lehre als «Serviertochter» hat sie nie gemacht, weil es dies damals gar nicht gab. Im Verlaufe der Jahrzehnte hat sie sich aber Kenntnisse und Erfahrungen angeeignet, die meilenweit über das hinausgehen, was man in einer Lehre mitbekommt. Im Umgang mit den Gästen ist sie eine «halbe Psychologin» geworden, findet immer den richtigen Ton und ist sehr verschwiegen, was von grosser Professionalität zeugt. Weitere Stationen als Serviertochter führten sie von Montreux nach Hinwil, Winterthur, Effretikon, Biel, ins Restaurant Grünenboden nach Kriens und in die Restaurants Hergiswald und Obernau in Kriens. Seit drei Jahren arbeitet sie im «Wilhelm Tell» in Stans unter Seppi Durrer und ist immer noch mit Herzblut voll dabei.

Blickt mit Wehmut zurück

Im September wird Rosa Mörgeli pensioniert. «Ich habe überall eine schöne Zeit erlebt», blickt sie mit etwas Wehmut zurück. Im neuen Lebensabschnitt will sie vermehrt Ausflüge machen, Reisen unternehmen, wandern und Freundschaften pflegen, die sich im Verlaufe des Lebens ergeben haben. Und wer weiss: Vielleicht trifft man sie als Aushilfe wieder da und dort in Nidwalden an. Bleibt noch die obligate Frage, ob sie denn mit Nationalrat Christoph Mörgeli verwandt sei. «Nein, sonst hätte ich ja womöglich noch einen Doktortitel als Serviertochter erhalten», scherzt sie.