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STANS: Sie werden nun ihre eigenen Chefinnen

Martina Durrer und Sarah Russi eröffnen zusammen eine Hausarztpraxis. Keine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, wo sich der Hausärztemangel generell zuspitzt. Umso erfreuter ist der Kanton über den jungen Nachwuchs.
Matthias Piazza
Martina Durrer (links) und Sarah Russi vor ihrer neuen Hausarztpraxis in Stans. (Bild Corinne Glanzmann)

Martina Durrer (links) und Sarah Russi vor ihrer neuen Hausarztpraxis in Stans. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

Wo in den vergangenen Tagen noch die Handwerker das Sagen hatten, ziehen am 19. September Martina Durrer Grendelmeier und Sarah Russi-Bucher ein – in ihre neue rund 160 Quadratmeter grosse Gemeinschaftspraxis an der Engelbergstrasse 33 in Stans. Die beiden Frauen sind bei der Besichtigung stolz, dass sie sich nun ihren Traum einer eigenen Hausarztpraxis erfüllen können. Hinter ihnen liegt rund ein Jahr Vorbereitungszeit. Vor allem die Suche nach einem geeigneten Standort erwies sich als schwierig, denn eine Arztpraxis stellt hohe Anforderungen an die Infrastruktur. «Viele Lokalitäten, die wir anschauten, waren entweder zu klein oder zu gross, oder man konnte sie nicht umbauen. Ein häufiges Problem in alten Gebäuden», erzählt Martina Durrer. «Vor allem brauchen wir in praktisch allen Zimmern einen Wasseranschluss. Dies in bestehenden Gebäuden nachträglich einzubauen, ist sehr teuer bis unmöglich.»

Am Arbeitsplatz kennen gelernt

Als Glückstreffer erwies sich darum der Neubau an der Engelbergstrasse 33, wo die beiden Jungunternehmerinnen nach ihren Wünschen mithilfe eines Praxisarchitekten ihre Arztpraxis gestalten konnten. Zur Realisation kam das Projekt aber erst nach Beiziehen eines Rheumatologen, der ein Drittel der Gesamtfläche für die Gestaltung seiner Praxis übernahm. «Wir können bei Bedarf mit ihm spezielle Fragestellungen besprechen und den Röntgenraum gemeinsam nutzen», freut sich Sarah Russi.

Die beiden in Nidwalden wohnhaften, jeweils 36-jährigen Fachärztinnen für Allgemeine Innere Medizin lernten sich im Luzerner Kantonsspital auf der Neurorehabilitation kennen, wo sie eine Zeit lang zusammen arbeiteten, danach trennten sich ihre Wege. Nach der Ausbildungszeit in unterschiedlichen Spitälern arbeiteten sie zuletzt als angestellte Ärztinnen in einer Hausarztpraxis in Sarnen beziehungsweise in Luzern.

«Wollte immer Hausärztin werden»

Und nun also der grosse Schritt in die Selbstständigkeit. «Mit einer eigenen Praxis sind wir unsere eigenen Chefinnen, können unseren Arbeitsalltag selber gestalten», sagt Martina Durrer dazu. Und was sie auch noch schätzt: «Ich wollte schon immer Hausärztin werden, wie mein Vater und Grossvater. Als Hausärztin kenne ich ‹meinen› Patienten und seine Krankengeschichte, auch seine familiären und sozialen Hintergründe, und ich kann dies bei der Betreuung miteinbeziehen.» Das habe ihr als Ärztin im Spital gefehlt.

Überhaupt teilen sich die beiden verheirateten Familienfrauen, die beide Mütter von zwei kleinen Kindern sind, die Arbeit, indem sie je in einem 50-Prozent-Pensum arbeiten. Unterstützt werden sie von drei medizinischen Praxisassistentinnen. Diese kümmern sich unter anderem um Empfang, Telefonanrufe, Korrespondenz, Blutentnahmen und Organisieren der Sprechstunde. Den Mangel an Hausärzten, der vielerorts ein Thema ist, orten die beiden Frauen vor allem in der Tatsache, dass viele junge Berufskollegen nicht bereit sind, das Risiko der Selbstständigkeit mit einer grossen Eigenverantwortung in den Aufbau einer eigenen Praxis zu investieren.

Es geht nicht ohne Hausarzt

Für die beiden ist klar: Der Hausarzt spielt auch in der heutigen Zeit eine wichtige Rolle in der medizinischen Grundversorgung. «Er kennt den Patienten ganzheitlich und kann ihn bei Bedarf an den richtigen Spezialisten weiterverweisen.» Das sei effizienter und unter dem Strich günstiger, als wenn der Patient auf eigene Faust einen Spezialisten nach dem anderen aufsuche.

Das Phänomen der Eigendiagnose per Internet ist den Medizinerinnen nicht unbekannt. Dem begegnen sie aber aufgeschlossen. «Der aufgeklärte Patient, der mit einer Selbstdiagnose aus dem Internet vorbeikommt und eine Magnetresonanztomografie verlangt, stellt uns vor neue Herausforderungen», erklärt Martina Durrer. «Wir müssen unsere Schritte begründen, das ist auch korrekt.»

Von der Nachfrage nach einer zusätzlichen Praxis in Stans sind sie überzeugt. «Wir wissen von Kollegen, die Patienten wegen Überlastung ablehnen müssen», weiss Sarah Russi. «Auch haben längst noch nicht alle einen Hausarzt.»

Kanton ist froh um Nachwuchs

«Wir sind froh um alle jungen Hausärzte, da immer mehr ihrer Berufskollegen ins Rentenalter kommen», sagt Volker Zaugg, Vorsteher des Nidwaldner Gesundheitsamtes. In der Tat: Mit Eröffnung der neuen Gemeinschaftspraxis von Martina Durrer und Sarah Russi am 19. September bekommen die Stanser indirekt einen Ersatz für Luzius Tuor, der seine Praxis altershalber Ende 2015 geschlossen hat. Damit kann der Nidwaldner Hauptort seinen Bestand an Hausärzten halten, der gemäss Gesundheitsamt mit diesen beiden Frauen aus sieben Hausärzten besteht. Das ist nicht selbstverständlich. Landauf, landab klagen Hausärzte, die in den Ruhestand gehen, dass sie keinen Nachwuchs fänden, besonders auf dem Land. «Viele Nachwuchskräfte bevorzugen die Stadt, nicht zuletzt, weil sie dort eher Partnerschaften für eine Gemeinschaftspraxis finden», erklärt Volker Zaugg. Abgesehen davon stehe die Tätigkeit als Hausarzt generell nicht hoch im Kurs, wegen der allgemeinen hohen zeitlichen Beanspruchung, unter anderem auch durch Notfalldienste, und dem im Vergleich zu Spezialärzten tieferen Einkommen.

Dabei habe der Hausarzt eine wichtige Funktion in einem ländlichen Kanton wie Nidwalden. «Er ist der wichtigste Bezugspunkt in der medizinischen Grundversorgung, weist als Gatekeeper die Patienten den Spezialisten und Spitälern zu.» Glücklicherweise sei man in Nidwalden mit fast 30 Hausärzten in einer komfortablen Lage. «Mit Ausnahme von Oberdorf hat jede Nidwaldner Gemeinde mindestens einen Hausarzt», hält Volker Zaugg fest. Und dank des Rotationssystems und der guten Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Nidwalden halte sich die Anzahl der Notfalldienste für den einzelnen Hausarzt in Grenzen. Dies habe sich sehr bewährt. Er widerspricht damit auch der Einschätzung der FMH-Vereinigung, welche das Fehlen von Hausärzten im Kanton Nidwalden als akut bezeichnet, wie in letzter Zeit in verschiedenen Medien zu lesen war. Der Kanton prüft derzeit einen Anschluss ans 2014 gegründete Institut für Hausarztmedizin.

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