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STANS: Sogar poetisch ein Tausendsassa

Weil die Schilter-Geschichte so voller Emotionen ist, mutieren bei diesem Alleskönner sogar «Ölgestank und «Motorenlärm» zur Poesie. Dies beweisen im Museum vier Spoken-Word-Artisten mit ihren Texten.
Romano Cuonz
Poesie für den Schilter: Gerhard Meister, Sandra Hughes, Jens Nielsen und Stefanie Blaser (von links). (Bild: Romano Cuonz (Stans, 21. Juni 2017))

Poesie für den Schilter: Gerhard Meister, Sandra Hughes, Jens Nielsen und Stefanie Blaser (von links). (Bild: Romano Cuonz (Stans, 21. Juni 2017))

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Der Name ‹Schilter› ist Inbegriff für eine Geschichte voll Spannung und Dramatik», schwärmt die Berner Autorin und Moderatorin Sandra Künzi im Stanser Museum Salzmagazin. Bis zum heutigen Tag zeuge der Transporter von Ehrgeiz und technischem Können. Für vier Spoken-Word-Poetinnen und -Poeten – Sabine Graf vom Literaturhaus Zentralschweiz hat sie nach Stans eingeladen – sei das geländegängige Fahrzeug geradezu eine Steilvorlage gewesen. In der Tat: Alle treten sie mit ganz neuen Geschichten vor Publikum und «Schilter Junior 1964» auf. Alle sind sie bereit, diesem seltsamen Fahrzeug unter dem Titel «Motorenlärm und Ölgestank» ihre Aufwartung zu machen. Poetisch und witzreich!

Kühe schimpfen – das Pferd weicht

Die Allschwilerin Sandra Hughes lässt die Kühe Alma und Nora am Fuss des Stanserhorns über die Weiden gucken und miteinander tratschen: «Da isch sie wieder, die! Die, wo stinkt. Grusig, ganz grusig. Und är! Är lächled», stänkert Kuh Alma. Und Nora giftet: «Und wiener lächled, wen er sie gseed, wen er sie aalängt, wen er sie wider pützled, echli chüderled.» Ja, der Bauer rede sogar mit ihr. Und wie er das tue! Zur Ruhe kommen die beiden Rindviecher in Sandra Hughes Spoken-Word-Text erst, als dem Schilter das Benzin ausgeht. «Nei, der Diesel! Blödi Chue!», nörgelt Nora noch.

Der zweite Autor – Gerhard Meister, ein Emmentaler, der in Zürich lebt und Gewinner des Salzburger Stiers ist – stimmt eine wahre Lobeshymne auf «Schilter Junior 1964» an. «Üse Junior isch da. Üse Junior isch keis Meitschi und üse Junior isch kei Buäb. Nei, es isch ä Schilter Junior.» Das Pferd, so der begeisterte Bauer, könne man jetzt metzgen. Dieses blöde Vieh! Beim «Junior» müsse man nur noch am Zündschloss drehen, und schon laufe der Motor. Zuverlässig wie ein Ührchen. Ja, der Gaul tauge nur noch als Wurst auf dem Teller! Und heute – nach all den Jahren? Auch heute glänze der Schilter noch: kein Stäubchen am Motor. Geölt, gefettet. In den Rädern kein Riss ... die Ladefläche parat fürs Heu, für die Liebe und für den Tod. Eigentlich warte der Lader nur darauf, dass ein Dornröschen mit dem Schlüssel zu seinem Motor komme ...

Der Alleskönner bekommt viel Lob

Der Zürcher Jens Nielsen ist Schauspieler und Gewinner eines Schweizer Literaturpreises. In seinem Spoken-Word-Beitrag zeigt er auf, wozu der Ladewagen fähig ist. «Der Schilter war einer! Was der alles konnte! Fast alles: Heu laden, Gras laden, Holz laden, Baustämme: ganze!» Später, wenn Jens Nielsen Bauern am Stammtisch zuhört, kommt es noch besser: «Der Schilter konnte aber mehr», sagt er. «Skifahren, Schlittschuhlaufen, Kirschen pflücken, Staubsaugen, Einkaufen, Abwaschen. Nicht wenige sagten: Der Schilter konnte sogar lesen. Schreiben sowieso. Rechnen wie kein Zweiter.» Je länger die Bauern weiterbechern, desto skurriler wird die Geschichte: Jetzt kann der Tausendsassa auch noch senkrecht starten und überhängende Felsen bezwingen. Weitsprung, Hochsprung und Stabhochsprung beherrscht er ebenso wie das Schwimmen oder Fliegen!

Wunderschön poetisch ist auch ein Liebesbrief von Paul Barmettler aus Buochs. Ihn überliefert glaubhaft die Ruswilerin Stefanie Blaser. Seit der Bergbauer die blondzöpfige Sofie an der Olma beim Kauf des «Schilter LT 1» gesehen hat, ist er in sie verliebt. Und jedes Mal, wenn er auf seinem Lader sitzt, betet er, dass auch sie irgendwo sitzen und sich an ihn erinnern möge. «Auf meinem Schilter gibt es Platz für zwei, und wer weiss, wie viele Kinderlein auf dem Lader hinten Platz hätten», schreibt er ihr. Nur, als die angebetete Sofie ihm endlich antwortet, steht er «wie der Schilter am Hang». Die Holde eröffnet ihm nämlich, dass, dank «Schilter», heute durchaus auch sie als Frau in der Lage sei, ein kleines Stück Land eigenverantwortlich zu bewirtschaften. Und dies sei, seit sie denken könne, ihr steter und einziger Wunsch gewesen ...

Hinweis

Schilter: Die Geschichte der Stanser Maschinenfabrik. Die Ausstellung wird noch bis zum 29. Oktober im Museum Salzmagazin in Stans gezeigt.

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