Stans soll Busspuren erhalten

In einem neuen Positionspapier präsentiert der VCS Ob- und Nidwalden seine Vorstellungen zur Verkehrsplanung in Nidwalden.

Philipp Unterschütz
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Damit Postautos nicht im Stau stecken bleiben, verlangt der VCS Busspuren (Bild: Matthias Piazza, Stans, 8. August 2019)

Damit Postautos nicht im Stau stecken bleiben, verlangt der VCS Busspuren (Bild: Matthias Piazza, Stans, 8. August 2019)

«Verkehrsplanung wird noch zu oft mit Strassenbau gleichgesetzt. Das ist aber ein Denken aus den 1950er-Jahren», sagt Daniel Daucourt, Präsident der Sektion Ob- und Nidwalden des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS). Mit einem Positionspapier unter dem Titel «Verkehrslösungen für Nidwalden» will die VCS-Sektion aufzeigen, dass unter Verkehrsplanung «weit mehr zu verstehen ist». Das 15-seitige Positionspapier ist mittlerweile nicht nur im Internet aufgeschaltet, sondern wurde auch an Regierung, Landräte, Gemeinderäte, Verwaltung (kantonale Ämter und Gemeindebauämter) oder die meisten Korporationen verschickt. Nun möchte man auch die breite Öffentlichkeit erreichen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist für den VCS Ob- und Nidwalden ideal, weil einerseits die Taskforce Verkehr mit Vertretern von Bund, Kanton und Gemeinden ihre Arbeit aufgenommen hat (siehe Kasten) und anderseits die Arbeiten für das Agglomerationsprogramm der 4. Generation angelaufen sind. Man hoffe, dass die VCS-Vorschläge dort auch ihren Niederschlag finden. Das Papier sei aber nicht gezielt wegen der Taskforce verfasst worden, sondern aufgrund der gleichen Probleme, welche die Taskforce erst nötig machten, so Daucourt.

Mehr ÖV und weniger Durchgangsverkehr

Der VCS Ob- und Nidwalden ist überzeugt, dass die Verkehrsprobleme in Nidwalden gesamthaft und in Zusammenarbeit koordiniert gelöst werden müssen. Die Rolle der Politik sei zentral. «Ohne Konsens, dezidierte Vorwärtsstrategie und Lenkungsmassnahmen werden die Staus weiter zunehmen», schreibt Daniel Daucourt im Vorwort. Nebst einem ausufernden Landverbrauch bestehe sonst die Gefahr einer nicht abreissenden Zunahme von Staus entsprechend dem Motto: «Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten.»

Aufgeteilt ist das Positionspapier in einen grundsätzlichen Teil und in einen Teil «Elemente einer zeitgemässen Verkehrsplanung», in dem der VCS für ihn realistische Ideen und Lösungen für die Verkehrsplanung aufzeigt. Viele der Vorschläge sind bereits bekannt und reflektieren die Positionen des VCS. Der motorisierte Individualverkehr soll reduziert, verlagert und aus den Dorfzentren umgeleitet werden. Der öffentliche Verkehr soll weiter gestärkt und der Velo- und Fussverkehr konsequent gefördert werden. Die Strassengestaltung innerorts soll prioritär Bedürfnisse von Fussgängern und Anwohnern decken. «Wir verlangen eigentlich nichts Ausserordentliches», betont Daucourt.

Parkplätze in Engelberg sollen teurer sein

Neu ist beispielsweise die Forderung nach Busspuren in Verbindung mit Dosierstellen im Raum Stans, damit die Anschlüsse an die Bahn jederzeit gewährleistet werden können. «Der ÖV hat sich gut entwickelt, aber diesbezüglich braucht er nun Unterstützung», erklärt Daniel Daucourt. Laut dem Positionspapier soll zudem der Stanser Dorfkern vom Durchgangsverkehr befreit werden. Allerdings käme für den VCS eine Umfahrung Stans West erst nach einer Variantenstudie und mit Begleitmassnahmen in Frage. Dafür müsste der Landratsentscheid, wonach auf Variantenstudien verzichtet wird, wieder umgestossen werden. In Erwägung zieht der VCS Ob- und Nidwalden auch eine S-Bahn-Haltestelle beim Einkaufszentrum Länderpark. Diese wurde 2014 aus dem Agglomerationsprogramm gekippt. Die ÖV-Anbindung des Länderparks als publikumsintensive Anlage sei unzureichend.

Umstritten dürften die Forderungen im Zusammenhang mit dem Freizeitverkehr nach Engelberg sein. Der VCS ist der Meinung, dass eine sinnvolle maximale Anzahl Parkplätze zu definieren sei. Wenn diese voll wären, müssten Touristen im Tal parkieren und in einem Park-and-ride-System mit Bussen nach Engelberg gebracht werden. Touristiker dürften wenig Freude haben am Vorschlag, dass die Parkplatzgebühren «spürbar» erhöht werden müssten, damit die Benützung der Bahn im Vergleich zum Auto preislich attraktiver werde.

Das Bahnangebot soll auf einen durchgehenden Halbstundentakt ausgebaut werden. Wichtig seien für den VCS lenkungswirksame Elemente wie beispielsweise Parkplatzbewirtschaftung, Dosierungsanlagen und vor allem Mobilitätsmanagement. «Wir erwarten vom Kanton und grossen Arbeitgebern in der Region, dass sie angesichts der zunehmend angespannten Verkehrslage in Sachen Mobilitätsmanagement aktiv werden», sagt Daucourt.

Positionspapier des VCS unter: www.vcs-ownw.ch