STANS: Stanser Musiktage feiert 20-jähriges Jubiläum

Die Stanser Musiktage vom 27. April bis 4. Mai feiern dieses Jahr ihren 20. Geburtstag. Auf ein grosses Brimborium verzichten die Macher. Sie setzen auf das bewährte Programmkonzept mit Neuntdeckungen aus Weltmusik und Jazz. Ein paar Änderungen gibt es dennoch.

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Die Stanser Musiktage feiern in diesem Jahr ihr 20 jähriges Jubiläum (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ (Archiv))

Die Stanser Musiktage feiern in diesem Jahr ihr 20 jähriges Jubiläum (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ (Archiv))

Ab Sonntag zeigt sich der Nidwaldner Hauptort wieder in einem anderen Licht, abseits der Klischees von Alphorn und Kuhglocken. Während acht Tagen hallt Worldmusic, Jazz, Pop, Volksmusik und auch etwas Klassik durch die historischen Stanser Gassen.

Angesagt sind gegen 60 Konzerte, verteilt auf einem Dutzend Bühnen und in Lokalitäten im Dorfkern. 150 Musikerinnen und Musiker aus 17 Ländern spielen auf. Im Hauptprogramm ist jedes zweite Konzert eine Schweizer Premiere. Das Rahmenprogramm bieten fast ausnahmslos Schweizer Neuheiten.

Die Stanser Musiktage finden heuer zum 20. Mal statt. Zum Auftakt 1994 umfassten sie vier Konzerte, ein Budget von 30'000 Franken und gerade mal 700 Besucher. Heute rechnet das Frühlingsfestival mit einem Budget von rund 1,5 Millionen Franken und erwartet gegen 30'000 Zuhörer, die vorwiegend aus der Zentralschweiz stammen.

Gratiskonzerte von Strassenmusikern

Abgesehen von einer Geburtstagsfeier mit speziellen Gästen am Montag verzichten die Organisatoren 2014 auf ein buntes Feuerwerk an Jubiläumsaktivitäten. Als Geschenk gibt es für die Besucher ein kostenloses Programm mit Strassenmusikern an vier Orten.

Die 20. Ausgabe der Konzertreihe nehmen die Verantwortlichen zum Anlass, Teile eines neuen Festivalkonzepts umzusetzen. Nachdem in den vergangenen Jahren das Drumherum und die Gastronomie kräftig gewachsen waren, soll wieder mehr die Musik im Zentrum stehen. Eine grosse Esszone am Dorfplatz wurde aufgehoben. Hungrige finden nun Verpflegung an vier kleineren Stationen respektive Essstrassen.

Das von Weltmusik und Jazz dominierte Festival will gemäss dem neuen Konzept seine Aufmerksamkeit vermehrt elektronischer Musik und der Singer-Songwriter-Kultur schenken. Zudem soll es publikumsmässig nicht weiter wachsen.

Spannungen in der Führung

Nach Spannungen in der Führung wird auch die vierköpfige Festivalleitung reorganisiert. Die Stellen wurden kürzlich ausgeschrieben. Neu soll ein künstlerischer Leiter die Hauptverantwortung tragen. Zudem wollen die Organisatoren künftig Defizite vermeiden, die vorab im Rahmenprogramm eingefahren wurden.

Programmatisch bleiben sich die Stanser Musiktage dieses Jahr treu. Den Auftakt am Sonntag macht auf dem Stanserhorn das ägyptische Tarek Abdallah Duo mit orentalischen Kurzhalslauten Oud und einer persönlichen Aufarbeitung der Musik am Nil. Den Brückenschlag zur westlichen Musik versucht die in Beirut aufgewachsene Sängerin Yasmine Hamdan am Dienstag. Sie gilt als Unterground-Pop-Ikone des Nahen Ostens.

Das Lebensgefühl des tiefens Südens der USA bringt am Donnerstag Leyla McCalla, die Tochter haitianischer Emigranten, mit Gesang, Cello, Gitarre und Banjo nach Stans. Zur gleichen Zeit soll die Combo «Mokoomba» aus Simbabwe das Publikum mit einem Mix aus Tonga-Rhythmen, Pop und Funk richtig zum Tanzen bringen.

Newcomer und Altbekannte

Erstmals in der Schweiz zu hören sind am Montag die Newcomer des britischen World Jazz des letzten Jahres, die Londoner Sons Of Kemet. Daneben kehrt ein alter bekannter Jazzmusiker nach einem Auftritt 1999 wieder nach Stans zurück. Saxophonist und Klarinetist John Surmann aus England spielt am Freitag mit Howard Moody an der Orgel der Stanser Pfarrkirche.

Zu den Schweizer Interpreten in Stans zählen dieses Jahr etwa die Appenzeller Streicher «Geschwister Küng» am Dienstag und die Jazz-Künstler Vera Kappeler (Piano) und Peter Conradin Zumthor (Schlagzeug). Zum Konzert der beiden am Mittwoch erscheint gleichzeitig ihr Debutalbum.

Nicht typisch schweizerisch ist dabei die Kapelle von Christoph Pfändler. Er spielt am Hackbrett unter anderem Metal-Klassiker. Stärker in der Volksmusiktradition verwurzelt ist das Schwyzerörgeli- und Kontrabass-Trio Wurzeltrieb.

Mehrere Konzerte ausverkauft

Mehrere Konzerte sind bereits ausverkauft, darunter jene der Schweizer Kombo «Techtelmechtel» mit osteuropäischer Volksmusik, der englischen Geschwister «Kitty, Daisy & Lewis» und des iranischen Trommlers Mohammad Reza Mortazavi. Auch für die Auftritte der argentinischen Tango-Truppe «Astillero» mit dem Stanser Streicherensemble «Fidelis Strings» und des mongolischen Trios «Altaï Khangaï» gibt es keine Karten mehr.

In Stans zu sehen ist auch ein neu entwickeltes Kunst- und Musikspektakel mit täglich wechselnden Darbietungen. Die «Black Smoke Medicine Show» bei der Schmiedgasse soll an frühere Kuriositätenkabinette erinneren. Entwickelt wurde die Schau unter anderem von der Stanserin Corinne Odermatt, der Gestalterin des diesjährigen Festivalplakats.

Mehr Infos sind auf der Homepage der Stanser Musiktage zu finden.

Thomas Oswald, sda