STANS: Streit um Abbruch bremst Baupläne

Das Baugesuch für den Stanser Dorfplatz 4/5 ist gestoppt. Grund: Hinter den Kulissen tobt ein juristischer Streit, ob das Gebäude schützenswert ist.

Kurt Liembd
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Dorfplatz 4/5 in Stans: Dem Pächter der Pizzeria mit Laden und den Mietern wurde wegen des heiklen Gebäudezustands gekündigt. (Bild Corinne Glanzmann)

Dorfplatz 4/5 in Stans: Dem Pächter der Pizzeria mit Laden und den Mietern wurde wegen des heiklen Gebäudezustands gekündigt. (Bild Corinne Glanzmann)

Baufällig, verlottert, herunterhängende Decken, prekäre Bausubstanz, Brandgefahr durch veraltete Elektroinstallationen, mangelhafte Isolation, statische Probleme, mangelhafte Heizung: So präsentiert sich heute das Wohn- und Geschäftshaus am Dorfplatz 4/5 in Stans. Nach normalem Empfinden wirkt es abbruchreif und alles andere als repräsentativ für ein Gebäude an prominenter Zentrumslage.

Obwohl das Baugesuch für einen Neubau bereits im Februar 2014 eingereicht wurde und die entsprechende Planung bereits über sieben Jahre dauert, liegt bis heute keine Baubewilligung vor. Grund: Es wurde inzwischen ein Gesuch zur Unterschutzstellung des Gebäudes eingereicht. Seitdem herrscht ein langwieriger Streit, bei dem es um die Frage geht, ob die Liegenschaft schutzwürdig ist oder nicht. Mit weit reichenden Konsequenzen: Wird das Haus unter Heimatschutz gestellt, darf es nicht abgebrochen werden.

Dies ärgert die beiden Eigentümer der Liegenschaft, Erich Amstutz von der Amstutz Holzbau AG und Herbert Würsch von der Wyss Haustechnik AG. Die beiden Ur-Stanser möchten den Stanser Dorfplatz mit einem Neubau aufwerten und damit den letzten «faulen Zahn» im historischen Dorfbild ziehen.

«Alle Stellungnahmen positiv»

Dabei hat alles so gut begonnen. Aus der Umgebung ging keine einzige Einsprache ein, weil die Nachbarn von Anfang an ins Projekt involviert worden waren. «Zudem haben wir vor der Baueingabe verschiedene Expertenmeinungen zum Thema Denkmalpflege und Heimatschutz eingeholt, die alle positiv waren», erklärt Herbert Würsch. Auch würde sich der Neubau seiner Meinung nach nahtlos in den historischen Kontext einfügen. Die Einheit des Dorfplatzes würde damit voll respektiert, und die umliegenden Häuser würden visuell in keiner Art und Weise konkurrenziert.

Ein Neubau drängt sich auf, weil gemäss Herbert Würsch eine Renovation aus bau- und energietechnischer Sicht keinen Sinn machen würde. Gerold Kunz, Kantonaler Denkmalpfleger, wurde von Anfang an in die Planung involviert. Dieser zeigte sich zu Beginn offen für einen Neubau, habe aber später umgeschwenkt.

Kündigung aus Sicherheitsgründen

Obwohl ein Abriss zur Zeit in Ferne gerückt ist, mussten die Bauherren handeln. Vor wenigen Tagen haben sie allen Wohnungsmietern gekündigt, ebenso dem Pächter der Pizzeria mit Laden im Erdgeschoss. Dazu André Britschgi, der Rechtsanwalt der beiden Eigentümer: «Aufgrund der schlechten Bausubstanz, der statischen Probleme, der Brandgefahr infolge veralteter Elektroinstallationen und des heiklen Zustandes der Heizungsanlage kann die Bauherrschaft die Verantwortung gegenüber den Mietern nicht mehr länger tragen.»

Herbert Würsch ergänzt: «Wir mussten die Reissleine ziehen, bevor etwas passiert oder die Lebensmittelkontrolle eingreift.» Es seien zu grosse Investitionen notwendig, um das Haus technisch wieder in einen bewohnbaren und einwandfreien Zustand zu bringen. Auch könnten diese im Hinblick auf einen Neubau nicht mehr getätigt werden, so Herbert Würsch. Er und sein Kollege Erich Amstutz wollen lieber auf Mietzinseinnahmen verzichten, als das Risiko eingehen, dass etwas passiert.

Typenhaus aus Karlsruhe

Der Ball liegt nun beim Regierungsrat. Er wird voraussichtlich im Herbst entscheiden, ob das Haus unter Schutz gestellt werden soll oder ob es abgerissen werden darf. Gegen einen Abriss spricht die Stellungnahme aus Bern. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) sowie die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) haben beantragt, das Haus unter Schutz zu stellen.

So heisst es in einem mehrseitigen Gutachten aus Bern, ein Abbruch wäre «eine schwere Beeinträchtigung im Sinne des national eingestuften Ortsbildes von Stans». Und weiter: «Durch den Abbruch ginge ein bauhistorisch wichtiger und bautypischer Zeuge der baulichen Entwicklung von Stans nach dem Dorfbrand 1713 verloren.» Entsprechend haben sich auch der Historische Verein Nidwalden (HVN) und der Innerschweizer Heimatschutz (IHS) für die Schutzwürdigkeit ausgesprochen.

Typenhaus aus Deutschland

«Reaktionen aus der Bevölkerung, welche wir fast täglich erhalten, sprechen eine ganz andere Sprache und zeigen wenig Verständnis für eine Unterschutzstellung», sagt Herbert Würsch. Ein Detail am Rande: Das Haus ist gar kein typisches Haus aus der damaligen Zeit, sondern ein sogenanntes Typenhaus, das in Karlsruhe entwickelt wurde. «Unser Ziel ist es, den Dorfplatz zu verschönern und zu beleben», sagt Herbert Würsch. Deshalb haben er und Erich Amstutz grosse Hoffnung, eine Abrissbewilligung zu erhalten.

Bei ihrem Projekt stehe überhaupt nicht die Rendite im Vordergrund, sagt Würsch, und erwähnt dazu, dass die Bauherrschaft bis heute schon sehr viel Geld ausgegeben habe für Planung und Rechtsstreitigkeiten. Auch sagt er offen, dass sie nicht bereit wären, in die Renovation dieses abbruchreifen Gebäudes zu investieren. Noch pointierter sagt es Erich Amstutz: «Ich kann keine Garantie geben, dass diese Liegenschaft nicht zu einem zweiten Landenberg werden könnte.» Dort zerfällt derzeit eine Villa.