STANS: Teddy ist krank – ein Fall für Dr. Ted

86 Kinder durften am Freitag mit ihrem Lieblingsplüschtier ins Kantonsspital. Hier wurden Bärli & Co. von 16 Medizinstudenten aus Bern untersucht, geröntgt und gegipst.

Marion Wannemacher
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«Bärli» ist krank. Cyrill Scheidegger (4) aus Stans und «Dr. Ted» Gionna Sossai horchen sein Herz fachgerecht mit einem Stethoskop ab. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 3. Februar 2017))

«Bärli» ist krank. Cyrill Scheidegger (4) aus Stans und «Dr. Ted» Gionna Sossai horchen sein Herz fachgerecht mit einem Stethoskop ab. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 3. Februar 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ nidwaldnerzeitung.ch

Cyrill Scheideggers Augen strahlen. Der Vierjährige hat sein «Bärli» vor Gionna Sossai auf den Tisch gelegt. Die Medizinstudentin alias «Dr. Ted» fragt genau nach, was dem geliebten Plüschtier denn fehlt. «Er hat sich beim Fangis verletzt», erzählt sein Besitzer. Bärli wird gründlich untersucht. Cyrill darf ihn mit dem Stethoskop abhören, ihm mit dem Otoskop in die Ohren schauen. «Das Herz ist in Ordnung, befindet Dr. Ted Sossai. «Aber Bärli hat eine Mittelohrentzündung.» Und was mit dem Bein los ist, wird das Röntgenbild zeigen.

86 Nidwaldner Kinder, darunter eine Gruppe des «Rütimattli» in Obwalden, sind im Kantonsspital in Stans zu Besuch. 16 Medizinstudenten der Uni Bern sind den ganzen Tag zu Gast und «behandeln» die Stofftiere der Kinder: Teddybären, Einhörner, Pandas, Puppen & Co. Die meisten Studenten sind aus dem 5. Studienjahr, lassen heute Vorlesung Vorlesung sein und nehmen sich Zeit für die Kinder.

Idee für Teddybären-Spitäler stammt aus Schweden

Seit 2010 gibt es das Teddybär-Spital in Bern bereits, in Nidwalden sind die angehenden Mediziner zum ersten Mal. Die Idee stammt aus Schweden. Mittlerweile gibt es Teddybären-Spitäler auch in Basel und Zürich. Zum Organisationskomitee der Berner Studenten gehört Seline Odermatt aus Buochs. «Meine Mutter arbeitet in der Kinderstube Beckenried. So kamen wir auf die Idee, hier in Nidwalden beim Kantonsspital anzufragen. Es ist cool, das in Stans zu organisieren», freut sie sich über ihren «Heimvorteil». «Viele Kinder haben Angst vor dem Spital, vor dem Besuch beim Arzt, vor Spritzen und vor dem Blutdruckmessen», erklärt die 23-Jährige. So könne man Hemmungen abbauen. Ihr zur Seite stehen ihre Kommilitonin Vera Hodel und Lisa Abry, beide aus Stans.

Anja Radojewski, Leiterin Kommunikation und Marketing beim Kantonsspital Nidwalden, zeigt sich begeistert vom Teddybär-Spital: «Das Projekt macht Sinn. Wir haben bereits den Mutter-Kind-Treff Stans mit einer ähnlichen Aktion sowie die Unterstufe Buochs und den Kindergarten in Notfall und Ambulanz eingeladen.» Als dann ein Kind ins Spital musste, habe es gleich zu verstehen gegeben: «Das kenne ich schon.» Auch Kindergartenlehrerin Esther Schmed vom Kindergarten Tellen­matt 2 aus Stans freut sich für «ihre» Kinder: «Es ist grossartig für sie und überwältigend, dass sie es hier so echt erleben können. Das baut Angst ab.» In einem Parcours sehen die Kinder Untersuchungen inklusive Labor, Diagnose und Behandlung. Alles ist so echt wie möglich: Das Pipi im Becher besteht aus Zitronensaft und Seife, pH-Streifen zeigen die Werte an. Spritzen – natürlich ohne Nadeln – sind für Blutentnahme und Impfstoff vorbereitet. Die Dr. Teds machen ihre Sache gut und finden schnell einen Draht zu den Kindern. Einige Studenten können sich vorstellen, später einmal mit Kindern zu arbeiten. Basil Ryser beispielsweise aus Bern interessiert sich für die Kinderchirurgie. Gionna Sossai aus Ebikon möchte als Hausärztin mit Kindern arbeiten.

Das Teddybären-Spital ist neben der Cafeteria fürs Personal eingerichtet. Immer mal wieder stecken Mitarbeiter des Kantonsspitals den Kopf zur Tür rein und schmunzeln. «Herzig!», lautet der Standardkommentar.

Gionna Sossai und Cyrill sind derweil beim Ultraschall gelandet. Bärlis Herz wird untersucht, und tatsächlich erscheint auf dem Monitor ein Herz. Ein Beamer dient als «Röntgenapparat». Vorbereitete schematische Abbildungen von Stofftierskeletten zeigen Knochenbrüche von Frosch, Bär, Schlange oder Hund. Die Diagnose für Bärli steht fest: Er hat sein Bein gebrochen.

Cyrill darf ihm einen echten Gips machen. Natürlich mit Plastikfolie drunter, damit der geliebte Bär nicht leidet. Auch einen Verband bekommt Bärli noch, bevor es für Cyrill und seine Gspänli wieder heimgeht. Das war ein spannender Tag!