STANS: Vertraglich tanzen bis zum Tod

Das Nidwaldner Museum lanciert zu den Musiktagen ein Projekt. Wer verspricht, bis an sein Lebensende zu einem Song zu tanzen, ist dabei.

Romano Cuonz
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Nadine Wietlisbach vom Nidwaldner Museum (links) versucht Manuela Z'Rotz fürs Tanzprojekt von San Keller zu gewinnen. Im Hintergrund die Wellen, die als Signet dienen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Nadine Wietlisbach vom Nidwaldner Museum (links) versucht Manuela Z'Rotz fürs Tanzprojekt von San Keller zu gewinnen. Im Hintergrund die Wellen, die als Signet dienen. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Musikalische Wellen in verschiedensten Blau-, Violett- und Grautönen rollen derzeit über die beiden Schaufenster des Stanser Theaters an der Mürg. Kreiert hat das Kunstwerk der landesweit bekannte Aktionskünstler San Keller. San Keller ist 1971 in Bern geboren, lebt und arbeitet aber heute in Zürich. Weil sich seine Kunst meist in Form von Aktionen manifestiert, bezeichnet er sich gerne auch mal als «Dienstleistungskünstler». Stets von neuem setzt sich San Keller mit den Funktionsweisen des Kunstsystems auseinander. Mit seinen oft provokativen Aktionen hinterfragt er aber immer auch menschliches und gesellschaftliches Verhalten.1999 gründete San Keller die San Dance Company für die Aktion «San Dance Company Covers Fatboy Slim». Sie besteht aus drei Tänzern, drei Tänzerinnen und einem Haupttänzer, welche an verschiedenen öffentlichen Orten in Zürich auftraten und von sich reden machten. Und hier hakt denn auch die Kunstaktion des Nidwaldner Museums an den Stanser Musiktagen 2013 ein.

Ehrenamtlich bis zum Lebensende

«Werde auf Lebenszeit ein ehrenamtliches Mitglied der San Dance Company», fordert San Keller die Besucherinnen und Besucher auf. Alle, die da mitmachen wollen, verpflichten sich mit ihrer Unterschrift vertraglich. «Da tut man gut daran, die Bedingungen genau zu studieren», warnt Nadine Wietlisbach vom Nidwaldner Museum, welche Aktion und Ausstellung im Museum an der Mürg initiiert hat. Interessenten gibt sie gerne Auskunft. «Erst gilt es ein Lied auszuwählen, zu dem man, wann immer man es hört, bis zum Ende seines Lebens wie der berühmte Bi-Ba-Butzemann tanzen möchte», erklärt sie. Und San Keller doppelt nach: «Wer den Vertrag einmal unterschreibt, verspricht zu seinem Lied überall zu tanzen, ob im Einkaufszentrum oder Restaurant, ob in der Eisenbahn oder im Flugzeug.» Man werde älter mit seiner Musik, und der Tanzstil werde sich wohl verändern, warnt San Keller. Und rät dann dringend: «Nimm dir also genug Zeit bei der Wahl des Songs.»

Vertrag um Vertrag

Schon bevor das erste Konzert der Stanser Musiktage über die Bühne ging, hingen im Theaterfoyer 24 sehr schön gestaltete farbige Verträge mit dem Wellensignet. Da liest man dann etwa, dass der 68-jährige Peter Emch, wo immer und wann immer, zum Song «Brown Sugar» der Rolling Stones tanzen will. Die 23-jährige Ahmi Kim hat «Red Leader» von Peaches feat. Gonzales zu ihrer Tanzmelodie erkoren. Mit «Das bucklige Männlein» von Achim von Armin und Clemens Brentano aus dem Jahr 1806 beweist Barbara Meyer Cesta (1959), dass es nicht zwingend Beat und Pop sein muss, zu dem man tanzen will.

Trainingsmöglichkeiten garantiert

«Wer per Unterschrift aktives Mitglied der San Dance Company geworden ist, soll auch Gelegenheit erhalten, seine Tanzroutine zu pflegen», verspricht San Keller. In unregelmässigen Abständen treffen Einladungen für Aktionen der sieben Tänzer ein. Die Nidwaldnerin Manuela Z’Rotz, hört sich alles an. Noch weiss sie nicht so recht, ob sie wirklich ein lebenslängliches Tanzversprechen abgeben soll. «Ob man bei den Aktionen mitmachen möchte oder nicht, kann man frei entscheiden», beruhigt sie Nadine Wietlisbach. «Für mich als Initiantin jedenfalls ist der Fall klar», lacht sie. Ihr Song werde Bon Ivers «Scinny Love» sein. Wie lautet doch schon der Refrain, mit dem man die Konservatorin des Nidwaldner Museums künftig zum Tanzen bringen kann? «And I told you to be patient, and I told you to be fine, and I told you to be balanced   ...»