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STANS: Verwilderte Katzen bekommen Hilfe

Im Tellenmatt-Schulhaus ging es am Samstag zu und her wie in der Operationsabteilung eines Spitals. Nur: Patienten waren hier 81 meist herrenlose Katzen, die kastriert und rundum medizinisch versorgt wurden.
Romano Cuonz
Susann Schmid (Network for Animal Protection) und Erika Walther vom Tierschutz Nidwalden (von links) nehmen den kleinen Kater Leon des Nidwaldner Bauernpräsidenten Hansueli Keiser in Empfang. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 28. Oktober 2017))

Susann Schmid (Network for Animal Protection) und Erika Walther vom Tierschutz Nidwalden (von links) nehmen den kleinen Kater Leon des Nidwaldner Bauernpräsidenten Hansueli Keiser in Empfang. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 28. Oktober 2017))

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Es gibt Rechnungen, die man mehrmals anstellen muss, ehe man an ihr Resultat glaubt. Ein Beispiel: Wenn man davon ausgeht, dass ein Katzenpaar pro Jahr zwei Mal Nachwuchs bekommt und jeweils drei Kätzchen pro Wurf überleben, sorgt dieses Paar nach nur sieben Jahren in seiner Umgebung für über 420000 Katzen. Nach zehn Jahren wären es dann mehrere Millionen! Erika Walther (Präsidentin des Nidwaldner Tierschutzvereins) musste diese Zahlen im Stanser Tellenmatt-Schulhaus gegenüber ungläubig staunenden Zuhörern mehrmals wiederholen. Jedoch, so die Tierschützerin, noch schlimmer sei, dass viele dieser Katzen wild leben und für die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen sorgen würden. Von der Problematik wild lebender Katzen stark betroffen seien auch die Kantone Ob- und Nidwalden. Deshalb ist für Erika Walther und ihre Mitstreiterinnen völlig klar: «Nur durch eine gezielte Katzenkastration in unseren Kantonen können wir die Verbreitung stoppen und verhindern, dass viele dieser Tiere wegen Hunger, Krankheiten oder Tötungsaktionen qualvoll und elend sterben müssen.»

Nach Kastration sind sie bessere Mäusefänger

Zusammen mit der international tätigen Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (NetAP) organisierten die Nidwaldner (wie zuvor schon die Obwaldner) eine grossangelegte Katzenkastrationsaktion. Und so war denn am letzten Samstag in Stans ein NetAP-Team – unterstützt von Mitgliedern des Tierschutzvereins – in Aktion. Dazu gehörten 6 Tierärzte und 20 Assistierende. Gemeinsam nahmen sie an 81 Katzen eine tiergerechte Kastration vor. Am 18. November werden dann nochmals 80 Tiere dazukommen! Alles spreche für die Kastration von Katzen und Katern, versichert Erika Walther: «Sie streunen dann weniger, sind gesünder und werden seltener durch Streitereien verletzt.» Dazu brauchten sie weniger Futter, weil sie – ohne Sorgen um den Nachwuchs – auch bessere Mäusefänger seien.

Bauernpräsident vom Nutzen überzeugt

Der Aufwand, den hier Nidwaldner Tierschützer ehrenamtlich betreiben, ist riesig. Die Organisation und Ausstattung des Tellenmatt-Schulhauses als «OPS» ist nur eines. Noch aufwendiger gestaltet sich das Einfangen herrenloser Katzen. Für sie ist auf Bauernhöfen oft niemand zuständig. Für ihre Kastration übernimmt der Tierschutzverein die Kosten vollumfänglich. Auch Halter von Katzen werden finanziell unterstützt. Viele Bauern kamen denn mit ihren Tieren gleich selber her. Auch Nidwaldens Bauernpräsident Hansueli Keiser aus Hergiswil brachte seine beiden Katzen Mauzi und Leon persönlich in den OPS. Und Keiser hielt mit seiner Meinung auch nicht zurück: «In unserem Verband gibt es kaum Opposition gegen derlei Kastrationsaktionen, persönlich bin ich sogar überzeugt davon, dass wir die Zahl der nützlichen Mäusefänger auf unseren Höfen nur so unter Kontrolle behalten können.»

Fürs Innerschweizer Team von NetAP ist die Alpnacherin Susann Schmid zuständig. Sie weiss: «Gegen unsere von Spenden finanzierte Arbeit, die wir ehrenamtlich ausführen, gibt es kaum Widerstand in der Bevölkerung.» Vor dem steril durchgeführten Eingriff – beim Weibchen werden die Eierstöcke, beim Kater die Hoden entfernt – narkotisieren Fachleute die Katzen. «Die Tiere leiden überhaupt nicht», versichert Susann Schmid. «Ja, es ist für sie sogar besser, als wenn sie zwei bis drei Mal im Jahr Junge gebären und hungern müssen.»

Sozusagen «Chef-Tierarzt» bei der Aktion ist Rico Clavadetscher aus Dübendorf (Vorstandsmitglied von NetAP). «Mit dieser Operation nehmen wir den Katzen ihren Geschlechtstrieb und damit auch ihre Aggressivität», erklärt er. Daneben aber würden die Tierärzte rundum für ihre Gesundheit sorgen. «Wir untersuchen sie auf Seuchen und Krankheiten und greifen auch pflegend ein», sagt Clavadetscher. Wie nötig dies oft ist, zeigten viele Beispiele: Von Parasiten bös befallene Tiere gab es. Ja, gar ein Kätzchen, das gerade noch einen Zahn besass, war dabei!

Hinweis

Zweite Aktion zur Kastration von Katzen in Stans: 18. November 2017. Melden kann man die Tiere beim Tierschutzverein Nidwalden, 079 231 43 99, oder beim Tierheim Paradiesli, 041 610 60 21.

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