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STANS: Vom Zauber der Prinzessinnen überwältigt

Die Märli-Biini ist ein Garant für solide inszenierte Märchen. Regisseur Ueli Blum katapultiert sie mit seiner Inszenierung von «Die zertanzten Schuhe» in den Märchenhimmel. Am Samstag war Premiere.
Marion Wannemacher
Die drei Prinzessinnen kümmern sich rührend um den abgedankten Soldaten. (Bild: André A. Niederberger)

Die drei Prinzessinnen kümmern sich rührend um den abgedankten Soldaten. (Bild: André A. Niederberger)

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

Pumps, Stiefel, Ballerinas, Sandalen, so originell glitzerig, bunt, mit Schleifen, Bändern und Steinchen versehen, dass jeder Designer neidisch werden könnte. Ihre Spur beginnt am Rathaus, erstreckt sich rechts und links der Mürgstrasse bis hinein ins Theater. Sie sind das Gespräch unter den Besuchern der Märli-Biini. Dieses Jahr inszenierte Ueli Blum das Stück frei nach dem Grimm-Märli «Die zertanzten Schuhe».

Wir befinden uns im prachtvollen Thronsaal des Sonnen­königs, der schon glücklichere Zeiten erlebt hat. Seine Königin ist tot, er muss sich allein mit seinen drei heranwachsenden Töchtern abplagen, die jeden Morgen müde sind und Berge von Schuhen verschleissen. Widersetzen sie sich dem königlichen Verbot von Musik und Tanz?

Gramgebeugt und authentisch spielt Ueli Jurt diesen alleinerziehenden Vater, der zu allen Mitteln greift, um das Rätsel um seine drei Töchter zu lösen – als reizende und selbstbewusste Prinzessinnen herausragend gespielt von Sarah Wiedemar, Lena Spichtig und Michèle Odermatt. Der Soldat (Marcello Gariglio geht in seiner Rolle auf) stürzt sich mit dem Mut der Verzweiflung in diese Aufgabe.

Legionen von Prinzen und Grafen wollten bereits die versprochene Hand der jüngsten Tochter Isolde erlangen, endeten jedoch erfolglos auf dem Schafott. Von der Königin der Nacht (Paraderolle für Maria Minutella) erhält er wertvolle Tipps. Der Soldat kann so die Prinzessinnen überlisten und ihnen ins Reich der Königin der Nacht folgen. Im Gegensatz zur kontrollierten Welt im Schloss herrschen dort Gefühle, Trieb und Anarchie. Die von Regisseur und Autor Ueli Blum dazu erfunden Helfer Fuchs und Bär liefern unfreiwillig Zauberattribute wie Tarnmantel und Wunschstiefel. Im Tanz verliebt sich der Soldat in die älteste Tochter Iphigenie und gerät in einen inneren Konflikt: Soll er dem König die zauberhafte Welt als Fluchtort der Prinzessinnen verraten oder sich selbst opfern? Das Machtwort spricht die Liebe. Und am Ende regieren gar Jugend und Weiblichkeit. Als erste Massnahme der neuen Königin werden Musik und Tanz wieder erlaubt. Der Reigen aller am Ende gerät zu einem Triumph. Es ist eine klare, präzise Inszenierung in ästhetischer Reimsprache von Ueli Blum, der bereits mehrfach Shakespeare-Dramen in Mundart übersetzte. Das Spiel fliesst im richtigen Tempo. Aber vor allem die Teamleistung macht den grandiosen Erfolg der diesjährigen Produktion aus. Einen wesentlichen Anteil daran hat die gefühlvolle komponierte Musik von Roman Glaser aus Zürich, der sich verschiedener Genres bedient: Bänkelgesang, Bossa Nova und Salsa oder auch mal Pop. Seine Musik entwickelt und verdeutlicht die Handlung und innere Haltung der Protagonisten.

«Zum ersten und hoffentlich nicht zum letzten Mal»

Geradezu magisch erscheint das Bühnenbild von Adrian Hossli. Er stellt den vergangenen Glanz des Sonnenkönigs mit Pfauenfedern im Strahlenkranz überm Thron dar und zaubert ein Reich der Königin der Nacht. Wenn diese mit ihren Elfen und den weissen Bäumen im Vollmondlicht über die sich drehenden Bühne tanzt, dann ist das höchste Qualität von Bühnenbild, Choreografie, Schauspielern, Kostümen, Maske und Licht.

Ueli Blum hat die einzelnen Künste gekonnt zusammengeführt und daraus ein grosses Kunstwerk geschaffen. «Die zertanzten Schuhe» ist ein Märli fürs Herz und fürs Auge, für Grosse und Kleine gleichermassen, es bewegt und bezaubert. Die Märli-Biini wird damit zum Juwel der diesjährigen Zentralschweizer Theatersaison. Nach dem begeisterten Applaus stellte Co-Produktionsleiter Stefan Wieland den Regisseur Ueli Blum vor: «Diese Saison zum ersten und hoffentlich nicht zum letzten Mal.»

Hinweis

Die weiteren Aufführungen bis 18. November: www.maerli-biini.ch

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