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STANS: Von «falschen» und «echten» Schwestern

Interessante Begegnung im Kloster St. Klara: Die Nonne Agnes Liem trifft Zora Schelbert, Darstellerin der Frau Mutter im Freilichtspiel.
Romano Cuonz
Das Theaterstück brachte sie zusammen: Schauspielerin Zora Schelbert (29) und Schwester Agnes Liem (66). (Bild Romano Cuonz)

Das Theaterstück brachte sie zusammen: Schauspielerin Zora Schelbert (29) und Schwester Agnes Liem (66). (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Zuerst war ich sehr skeptisch, ja sogar vehement dagegen, dass in unserem Kloster einen Sommer lang Theater gespielt wird», sagt Schwester Agnes Liem (66). Als Hausmeisterin und Herrin über die Schlüssel im Kloster habe sie geahnt, dass sie und ihre zwölf Mitschwestern da wohl kaum ungeschoren davonkämen. Doch dann wurde die Produktionsleitung mit Rolf Scheuber und Brigitt Flüeler im Kloster vorstellig. «Sie schilderten uns, wie sie sich eine Zusammenarbeit vorstellten, und versprachen auch, dass wir keinen Riesenradau um uns herum zu befürchten hätten», erinnert sich Schwester Agnes. «Da sah dann plötzlich alles ein wenig anders aus.»

«Betet, dass alles gut geht ...»

Indessen: Wer wie sie die riesige Liegenschaft mit Häusern, Wiesen und Gärten – überhaupt das ganze Drum und Dran des Klosterlebens – sehr genau kennt, wird bei einer solchen Produktion unentbehrlich. Wenn auch nicht als Mitspielerin auf der Bühne, so doch als «Mädchen für alles». Und genau so kam es: Vom Tag an, als die Produktion aufgenommen wird, ist Schwester Agnes ein wichtiges Mitglied der Truppe. Ja, nun fehlt sie sogar manchmal beim Gebet. Um halb zwölf Uhr mittags oder fünf Uhr abends. «Mit Theaterleuten zu arbeiten, ist für mich auch ein Gebet», tröstet sich Schwester Agnes, «ich leiste auch auf diese Weise etwas für die Klostergemeinschaft.» Zu den Mitschwestern sagt sie dann etwa: «Ihr betet, dass alles gut geht und das Wetter mitmacht, ich setze mich aktiv fürs Festspiel ein.»

Das Spiel einer jungen Frau Mutter

Als klar war, dass das Festspiel «Gott ist ein Anderer» von Christoph Fellmann unter der Regie von Ursula Hildebrand im und ums Kloster St. Klara aufgeführt werden sollte, meldeten sich über 80 interessierte Frauen für die rund 30 Rollen. Regisseurin Ursula Hildebrand sagt: «Weil ich nicht glaube, dass man sein eigenes Leben gut spielen kann, wusste ich von Anfang an, dass keine echte Schwester auf der Bühne stehen würde.» Und sie zeigt sich glücklich, mit der Luzerner Lehrerin und Laienspielerin Zora Schelbert (29) eine wunderbare Besetzung für die wenn auch nicht dominante, so doch schwierige Rolle der Frau Mutter gefunden zu haben. Und was meint die junge Frau selber? «Das Stück hat mich mit seiner ganzen Thematik gleich interessiert», erklärt Zora Schelbert. Aber vom Klosterleben habe sie natürlich noch keine grosse Ahnung gehabt. Doch da kommt ein Angebot, das sie und all die andern über ein Casting ausgewählten Darstellerinnen gleichermassen fasziniert. «Wir durften im Vorfeld drei Tage lang ‹Kloster auf Zeit› erleben», erzählt Zora Schelbert. Und sie schwärmt: «Vom frühen Morgen bis zum Abend machten wir alles mit. Ich bekam eine lebhafte, präzise Vorstellung davon, was die Aufgabe einer Frau Mutter wirklich sein kann.» Am Schluss der drei Tage war die junge Lehrerin dann aber doch froh, dass sie wieder zum Bewegungsmenschen werden durfte. Und dass die Bühne auf sie wartete. Doch im Kloster sei ihr etwas klar geworden. «Ich verstehe dank dieser Erfahrung der Stille und Einkehr recht gut, warum solche Aufenthalte auch zu therapeutischen Zwecken empfohlen werden.»

Zufällige, schöne Begegnungen

Im Stück wird Zora Schelbert gefragt, wozu man ins Kloster komme. Die Antwort, die sie auf diese Frage in ihrer Rolle als Frau Mutter geben darf, beeindruckt sie ganz besonders: «Man kommt ins Kloster, damit man nicht nur für einen Mann und eins bis drei Kinder da gewesen ist.» Ein Schlüsselsatz! Wer könnte ihn wohl besser verstehen als Schwester Agnes, die überall dort für sämtliche Theaterleute vor und hinter den Kulissen da ist, wo man sie gerade ruft und braucht. «Für mich sind aus einem Theaterstück Menschen geworden», sagt sie. Menschen, die sie näher kennen gelernt habe. Die Freude an der Produktion ist aber längst auf alle 13 Schwestern – bis hin zur 95-jährigen Michaela Dietschi – übergesprungen. Zora Schelbert: «Wenn wir ‹falschen› Schwestern im Klostergarten proben, staunen wir oft, weil da ganz plötzlich eine ‹echte› am Fenster steht oder gar mitten unter uns ihre Arbeit verrichtet, dabei aufmerksam zuhört und staunt.» In solchen Momenten sei sie doppelt froh, dass auch sie in diesem Freilichtspiel mitwirken dürfe.

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