Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

STANS: Von Spätromantik in die Moderne

Unter dem Titel «Im Volkston» entführte der Orchesterverein Nidwalden auf eine faszinierende musikalische Reise durch Europa – von Béla Bartók bis zu Heinrich Leuthold.
Kurt Liembdredaktion@nidwaldnerzeitung.ch
Der Orchesterverein Nidwalden trat im Pestalozzi-Saal auf. (Bild: Kurt Liembd (Stans, 5. November 2016))

Der Orchesterverein Nidwalden trat im Pestalozzi-Saal auf. (Bild: Kurt Liembd (Stans, 5. November 2016))

Faszination Volksmusik: Zwar sorgt die Begrifflichkeit «Volksmusik» oft für Diskussionen und ist nicht immer klar fassbar. Am Konzert des Orchestervereins Nidwalden (OVN) am Samstag im fast vollen Pestalozzisaal in Stans wurde eines klar: Volksmusik ist eine äusserst faszinierende Form der Musikgeschichte. Der Orchesterverein führte dem Publikum vor Augen, dass es dabei nicht um volkstümliche Musik geht, und schon gar nicht um kommerzialisierte Auswüchse von all dem, was heute alles mögliche unter dem Thema Volksmusik angesiedelt wird. Deshalb ist der Titel «Im Volkston» für den genussreichen Abend treffend gewählt. Dabei ist dem Dirigenten Tobias von Arb das Kunststück gelungen, seine Musiker zwar stark zu fordern, ohne sie jedoch zu überfordern.

Bartóks Klangsprache ausgezeichnet beherrscht

Schon die sechs «rumänischen Volkstänze» von Béla Bartók lieferten einen Vorgeschmack dessen, was im Verlaufe des Abends noch folgen sollte. Bartók war nicht nur ein genialer Komponist der Moderne, sondern auch ein Volksmusikforscher seiner Zeit. Das Resultat waren sechs bezaubernde Perlen, die so geläufige Titel tragen wie «Rundtanz», «Rumänische Polka» oder «Kettentanz». Das Orchester beherrschte Bartóks Klangsprache der Spätromantik ausgezeichnet, spielte genau in diesem Zeitgeist und folgte vorbildlich den Diktionen des Dirigenten. Die sechs Tänze gerieten sehr vital, auch wenn sie von der Form her durch äussere Strenge charakterisiert sind.

Von Ungarn ging die Reise nach Skandinavien. Edvard Grieg galt als Komponist, der die norwegische Volkskultur zu internationaler Anerkennung führte. Mit zwei nordischen Weisen gelang es dem Orchester ausgezeichnet, die Elemente der Volksmusik mit den satztechnischen Eigenheiten der Spätromantik zu verbinden. Sogar einen Kuhreigen aus Norwegen gab es zum Besten, der sich gar nicht so sehr von einem aus den Alpen unterscheidet.

Heimatliche Gefühle kamen auf bei «Polka» und «Konzert-Ländler» von Heinrich Leuthold, dem Jodler, Komponisten und Dirigenten aus Nidwalden. Wieder mehr gefordert wurde das Publikum bei der «Suite for Strings» vom englischen Komponisten John Rutter und bei den «fünf russischen Volksweisen» von Anatoly Liadow.

Am Schluss die Klammer zur Schweiz

Erstaunlich, wie sich das Orchester mit Rutter auch in der Postmoderne gut zurechtfand mit seiner vielschichtigen Harmonik und Rhythmik. Äusserst transparent gelangen Liadows Volksweisen mit den teils impressionistischen Farbgebungen. Den gelungenen Konzertabschluss bildete die «Suite über sechs schweizerische Volkslieder» von Rolf Liebermann. Damit bewies das Orchester auch Mut, denn das Werk entstand 1944, in einer Zeit des wachsenden Nationalbewusstseins. Insofern ist Liebermanns Werk politisch heute aktueller denn je. Das Orchester bestach durch spielerische Leichtigkeit der einzelnen Liedsätze und die Betonung des ausgeprägten MollCharakters, so etwa im Appenzeller Volkslied «Schönster Abendstern» oder im «Guggisberglied». Dabei spielte das Orchester noch farbiger als zu Beginn, denn hier und bereits bei Liadow gesellten sich zusätzlich die Blasinstrumente zum Streichorchester. Alles in allem ein erlebnisreiches, anspruchsvolles Konzert sowohl für Ausführende wie für Zuhörer. Einziger Wermutstropfen war höchstens, dass in der Programmgestaltung kein klarer Aufbau mit einem klaren Höhepunkt erkennbar war.

Kurt Liembd

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.