STANS: Von Tierquälerei freigesprochen

Ein Dachs verirrte sich in den Guetli-Shop. Am Schluss landete er tot im Kehricht und der Fall beim Kantonsgericht. Mit einem angeklagten Jäger.

Kurt Liembd
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Ein Dachs im Tierpark in Goldau. (Bild Erhard Gick)

Ein Dachs im Tierpark in Goldau. (Bild Erhard Gick)

Die Nidwaldner Behörden haben sich neuerdings nicht nur mit Schwänen in Ennetbürgen zu beschäftigen, sondern auch mit einem Dachs. Das kam so: Am 11. März 2014 trieb sich ein wild lebender Dachs bei der Tankstelle und der Waschanlage beim Guetli-Shop im Gebiet Rieden in Stans herum. Nicht nur das: Der Dachs ging sogar in den Shop hinein und verliess diesen nach kurzer Zeit wieder Richtung Autobahn.

Mit Holzscheit totgeschlagen

Ein Nidwaldner Jäger (60), der zufällig dort war, trieb das Tier in die Enge und hielt es fest. Mit einem Holzscheit, das er von einer Holzbeige nahm, schlug er den Dachs tot. Anschliessend schleppte er ihn am Schwanz zum zufällig dort anwesenden Kehrichtwagen, schlug den Dachs auf den Boden und gab ihm nochmals zwei bis drei heftige Schläge auf den Kopf, um sich zu vergewissern, dass er tot war. Der tote Dachs wurde mit dem Müll entsorgt. Passanten, welche das Ganze beobachtet hatten, zeigten ihn an. Daraufhin erhielt der Jäger von Staatsanwalt Erich Kuhn einen Strafbefehl wegen Tierquälerei und vorsätzlicher Widerhandlung gegen das Jagdgesetz. Das Urteil: eine bedingte Geldstrafe von 12 000 Franken, dazu eine Busse von 600 Franken sowie Gebühren und Auslagen von 1425 Franken. Total sollte er also 2025 Franken zahlen.

38 Jahre Jagderfahrung

Zudem wurde ihm per sofort das Jagdpatent für die laufende Saison entzogen. Gegen den Strafbefehl wehrte sich der Angeklagte und gelangte ans Kantonsgericht. Der erfahrene Jäger, der seit 38 Jahren regelmässig auf die Pirsch geht, erklärte vor Gericht, dass er Grund zur Annahme hatte, das Tier sei krank gewesen. Sonst wäre es kaum so nahe an die Leute herangekommen – und dies morgens um 7.10 Uhr, obwohl es ein nachtaktives Tier sei.

«Es kam Angst in mir auf, weil ich sah, dass der Dachs äussere Verletzungen hatte», erklärte der Jäger. Auch seien Dachse Krankheitsüberträger und oft mit Parasiten befallen. Um niemanden zu gefährden, habe er den Dachs erlöst.

«Für das Tier war es am besten», so der Jäger. Sein Anwalt Marcel Amstutz erklärte, das Verhalten des Dachses sei in Besorgnis erregender Weise abnormal gewesen. «Bei einem weiteren Verbleib des Dachses im Areal bestand akute Gefahr, dass das Tier, in die Enge getrieben, einen Passanten beissen könnte», so Amstutz. «Und wenn es sich dabei um ein Kleinkind gehandelt hätte, mit schlimmsten Folgen.» Weiter sagte Amstutz, dass die angewendete Tötungsart grundsätzlich zwar verboten sei, jedoch mit Ausnahmen. «Diese Ausnahmesituation war hier klar gegeben». Auch sei der Dachs sofort tot gewesen, weshalb der Vorwurf der Tierquälerei jeder Grundlage entbehre, so Amstutz.

Symbolische Busse

Auf die Frage von Gerichtspräsidentin Livia Zimmermann an den Jäger, ob er die Schonzeiten kenne, sagte dieser klar ja und bedauerte sogar, dass er den Wildhüter nicht informiert habe. Seine Glaubwürdigkeit überzeugte das Gericht, welches folgendes Urteil fällte: Freispruch bezüglich Tierquälerei.

Hingegen muss der Jäger, da die Tat während der Schonzeit von Dachsen geschah, eine symbolische Busse von 100 Franken bezahlen. Zudem erhielt er eine bedingte Geldstrafe von 1000 Franken und muss die Hälfte der Verfahrenskosten übernehmen. Die andere Hälfte übernimmt der Staat.

Kurt Liembd