STANS: Weihnachten muss niemand allein sein

Weihnachten kann zum Problem werden, wenn man allein ist. Das Fest der Liebe ohne Freunde oder Verwandte? In Stans lädt die evangelisch-reformierte Pfarrerin Silke Petermann-von Grüningen zur «offenen Weihnacht» zu sich nach Hause ein.

Marion Wannemacher
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Pfarrerin Silke Petermann-von Grüningen in der evangelisch-reformierten Kirche. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 20. Dezember 2016)

Pfarrerin Silke Petermann-von Grüningen in der evangelisch-reformierten Kirche. Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 20. Dezember 2016)

Weihnachten wird allgemein als das Fest der Liebe oder der Familie bezeichnet. Doch was ist mit denen, die keine Familie haben und zurzeit vielleicht auch niemanden sonst zum Feiern? Pfarrerin Silke Petermann lädt auf der Webseite der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Stans Leute ein, die am 24. Dezember vor dem Gottesdienst gemeinsam mit anderen Nachtessen und Weihnachten feiern möchten, sich bei ihr zu melden. «Ich muss ja meine Botschaft leben», erklärt die 51-Jährige mit völliger Selbstverständlichkeit. «Weihnachten ist das Fest des Gemeinsamen, des Miteinander, der Offenheit. Das möchte ich nicht nur im Gottesdienst sagen und die Kirchentür schliessen. Ich freue mich über die Gäste.»

Vergangenes Jahr seien es fünf gewesen: ein Ehepaar, ein Mann, der mit seiner Frau Krach hatte über die richtige Art, Weihnachten zu feiern, zwei Singles und natürlich Verwandte. «Wir assen Raclette, sangen Lieder und ausserdem gab es Weihnachtsgeschichten. Zum Gottesdienst um halb elf kamen einige mit, einige gingen heim, um am Gottesdienst am Weihnachtsmorgen teilzunehmen, aber das ist keine Bedingung», betont sie. Raclette werde es auch wieder geben, aber sicher andere Geschichten, «ansonsten ist das Fest dasselbe», sagt die Pfarrerin.

Seit sie Pfarrerin ist, lädt sie zur offenen Weihnacht ein. «Das ist bei mir Tradition», erklärt sie. «In Deutschland musste mein Freundeskreis ohnehin zu mir kommen», erzählt die gebürtige Hallenserin aus Sachsen- Anhalt. «Ich habe es genossen, die Gottesdienste vorzubereiten, um das Kulinarische haben sich die anderen gekümmert», berichtet sie.

Etwas zur Ruhe kommen und die Botschaft spüren

Im Delegieren liege ohnehin ein wichtiger Tipp gegen den «Weihnachts-Kollaps», betont sie augenzwinkernd. Eine ihrer Freundinnen habe nie Weihnachten mit der Mutter feiern können, weil diese regelmässig, nachdem sie alles für alle vorbereitet habe, eine Tablette gegen Kopfschmerzen nehmen und sich hinlegen musste.

Wichtig ist Silke Petermann-von Grüningen, dass man zur Ruhe kommen und die Weihnachtsbotschaft, «Heute ist ein Retter für euch geboren», spüren kann. Viele Menschen hätten einen «wahnsinnig hohen Anspruch», was sie alles wünschten und welche Erwartungen sie in dieses Fest legten. «An Weihnachten will man eine heile Familie und alles soll klappen. Nur, wenn ich etwas Bestimmtes erwarte, kann ich enttäuscht werden», gibt sie zu bedenken. Sie selbst habe da einen Vorteil: «Ich schreibe meine Predigt, das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, das ich mir machen kann. Wenn ich selbst nicht erfüllt bin, können mich andere nicht erfüllen», sagt sie. Ein Teil des Festes sei der Gottesdienst, und überhaupt sei das Schönste für sie, anderen ein gesegnetes Weihnachtsfest zu wünschen.

Auch nur mal kurz vorbeischauen ist möglich

Wer in diesem Jahr zu ihr an die «offene Weihnacht» kommt, weiss Silke Petermann-von Grü­ningen nicht. Bislang habe sich noch niemand angemeldet. Gefeiert wird so oder so mit der Familie und möglicherweise mit Gästen. «Es ist immer gut, das Angebot ist einfach gut.» Kommen dürfen so viele wie mögen, «auch einfach nur mal kurz vorbeischauen», betont die Pfarrerin. Nur anmelden sollten sie sich vorher wegen des Essens.

Hinweis

«Offene Weihnacht» bei Silke Petermann-von Grüningen am Heiligabend ab 18.30. Anmelden bis 22. Dezember bei silke.petermann@nw-ref.ch

Marion Wannemacher
marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch