STANS: Weihnachtsschoggi gibt es im Januar

Zum Weihnachtsfest gehört für viele gutes Essen dazu. In den Geschäften stapeln sich luxuriöse Lebensmittel. Bei den Bezügern von Tischlein deck dich kommt überzählige Ware allerdings erst an, wenn Weihnachten schon vorbei ist.

Marion Wannemacher
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Überschüssig und doch nicht im Abfall: Bezüger von Tischlein deck dich freuen sich auf Festtags-Lebensmittel. Bild: PD

Überschüssig und doch nicht im Abfall: Bezüger von Tischlein deck dich freuen sich auf Festtags-Lebensmittel. Bild: PD

Feines Entrecôte, Fonduefleisch, Pralinés, fertiger Guetzliteig – gerade zu Weihnachten mangelt es an nichts. Die Prospekte preisen Luxuslebensmittel zu Aktionspreisen an. Feines Essen gehört zum Fest. Doch nicht jeder kann sich das leisten. 34 bis 38 Familien sind in Obwalden Bezüger von Tischlein deck dich und können einmal pro Woche einwandfreie Ware, die im Grosshandel oder bei Lebensmittelhändlern wegen Überproduktion, falscher Etikettierung oder aus optischen Gründen nicht in den Verkauf gelangen, beziehen. Was kommt bei ihnen vor Weihnachten von der Luxusware an? «Eigentlich nichts», sagt Erika Amstutz, Leiterin von Tischlein deck dich in Sarnen. «Bei uns ist Ostern nach Ostern, Weihnachtsschöggeli gibt es im Januar.»

Ursula Widmer und Franziska Preisig, die beiden Co-Leiterinnen von Tischlein deck dich in Nidwalden, haben die gleichen Erfahrungen gemacht. «Vergangenes Jahr hatten wir im Januar Praliné-Schachteln», erinnert sich Ursula Widmer. «Nach Weihnachten kamen Rinds- und Straussenfilets», ergänzt Franziska Preisig.

Adventskalender Ende November als Ausnahme

«Vergangene Woche hat mich ein regionaler Bäcker angerufen. Er hatte Lebkuchen-Samichläuse extra eingefroren, damit wir sie noch abgeben können. Ganz herzig fand ich, dass uns ein Dorflieferant schon Ende November Adventskalender bereitstellte, die konnten wir dann rechtzeitig verteilen», erzählt sie.

«Die meisten Bezüger sind extrem froh, der Zeitpunkt spielt für sie keine Rolle», stellt sie klar. Rund 30 Familien, davon die Hälfte Einheimische, beziehen Ware in Stans von Tischlein deck dich, das mittwochs von 17 bis 18 Uhr in den Räumen der Freien Evangelischen Gemeinde im Eichli 9 anzutreffen ist. «Wir hätten noch mehr Kapazität und könnten fast doppelt so viele Bezüger bedienen», erklärt Co-Leiterin Preisig. Die trauten sich aber vielleicht einfach nicht. Die Hemmschwelle, überhaupt zu kommen, sei sehr hoch. Diejenigen, die diesen Schritt erst einmal geschafft haben, lernen offensichtlich mit der Situation umzugehen. «Die Stimmung beim Verteilen ist gelöst, man lernt sich kennen», so Franziska Preisig.

Herzliche Kontakte mit dankbaren Abnehmern

So nimmt es auch Erika Amstutz in Sarnen wahr. «Der Kontakt, der sich ergibt, ist herzlich, die Mehrheit ist dankbar und freut sich.» Zu ihnen in die evangelisch-reformierte Kirche im Ennetrieder Weg kämen vorwiegend Ausländer. Dass Saisonware wie Weihnachtsartikel erst nach Weihnachten eintreffe, findet sie in Ordnung: «Wir bekommen die Produkte, die man nicht mehr verkaufen kann. Es geht nicht darum, Nahrungsmittel zu ersetzen, sondern zu verteilen, was man sonst fortwerfen würde. Der positive Effekt ist, dass man den Bezügern etwas geben kann, das hilft, ihre Not zu lindern.»

Einzig ein Anliegen hat Erika Amstutz für das Tischlein deck dich in Sarnen. Die meisten Produkte kommen von der Tischlein- deck-dich-Plattform in Baar, die sich mit fünf weiteren Logistik-Plattformen austauscht. «Wir haben zwei Obwaldner Lieferanten, die direkt Ware an uns abgeben. Wir würden gern mehr aus Obwalden anbieten. Aber es ist schwierig, da die Grossverteiler eigene Vorschriften haben, wie sie Waren zurückgeben, bei denen das Datum abläuft», sagt sie.

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch