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STANS: Wenn das Handy zum Stress wird

Der Medienkonsum Jugendlicher bereitet vielen Eltern Sorgen. Die Vortragsreihe «digitale medien@home» informierte und gab praktische Ratschläge.
Flavia Niederberger
Der Umgang mit den sozialen Medien hat nicht nur für die Jugendlichen seine Tücken und kann sich zum Stresspunkt in der Familie entwickeln. (Bild: Keystone/Christian Beutler (12. März 2014))

Der Umgang mit den sozialen Medien hat nicht nur für die Jugendlichen seine Tücken und kann sich zum Stresspunkt in der Familie entwickeln. (Bild: Keystone/Christian Beutler (12. März 2014))

Flavia Niederberger

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Sie alle haben Stress, deswegen sind Sie hier.» Sharmila Egger freut sich, rund 60 Eltern zu ihrem Vortrag «Stresspunkt Handy und Co.» begrüssen zu dürfen. Ein bisschen tun ihr die Eltern aber auch leid. Die Referentin von «zischtig», Verein für Medienerziehung in der Familie, informierte in der Kantonsbibliothek Eltern von Kindern in der Pubertät über die wichtigsten Apps, Gesundheitsrisiken der Medien und Umgangsformen am Handy.

Jugendliche fühlen sich von Eltern gestresst

Das Handy ist nicht nur für die Eltern ein Stresspunkt. Zischtig fragte Kantischülerinnen und -schüler nach ihren grössten Stressfaktoren. In Bezug auf die Medien fühlten sich die Jugendlichen mehr von ihren Eltern als von Mobbing oder Kostenfallen gestresst.

Egger rät zu gemeinsamen Offlinezeiten, vor allem während Essenszeiten und abends im Schlafzimmer. So könnten Eltern die Medienzeit ihrer Kinder einschränken, selber aber auch mit gutem Beispiel vorangehen. «Handys haben über Nacht nichts im Zimmer verloren», betont die Referentin. Dies hat auch gesundheitliche Gründe. Der Blaulichtanteil im LED-Bildschirm wirkt wie Sonnenlicht. Unser Körper setzt Dopamin frei und denkt, es sei Tag, er müsse aktiv werden. Dies verkürzt unsere gesunde Tiefschlafphase. Sharmila Egger empfiehlt deshalb eine gemeinsame Aufladestation ausserhalb der Zimmer für den gesunden Schlaf der ganzen Familie.

Auch der Chef hat Zugang zu Facebook und Instagram

Für Jugendliche sei es wichtig, den «Handy-Knigge» zu beherrschen. Bei Annahme eines Telefonates werden Name und Vorname genannt, die Combox soll genutzt werden und Höflichkeitsformen auch im Digitalen angewandt werden. Gerade während der Lehrstellensuche kann jederzeit ein zukünftiger Chef am Telefon sein, der nicht mit «Heyo Altä» begrüsst werden will. Die Jugendlichen sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass auch Ausbildner Zugang zu Facebook oder Instagram und somit auf ihre Profile haben. Ein seriöser digitaler Auftritt kann da entscheidend sein. «Die eigene Privatsphäre wird plötzlich sehr ungeschützt», warnt Egger in Bezug auf Apps wie WhatsApp, Insta­gram und Snapchat, die sie den Eltern vorstellt. Sie fordert Vorsicht, was alles in Gruppenchats geschickt wird, weil dies leicht weiterverbreitet werden kann.

Auch auf den Umgangston soll geachtet werden. «Drohungen per Chat gehen näher», warnt die Referentin. Sie fordert, wichtige Themen immer persönlich oder per Telefon zu klären. «Beim direkten Gespräch haben Sie mehr Möglichkeiten, Inhalte zu transportieren.» Tonfall, Sprachtempo und Mimik machen einen Grossteil der Bedeutung unserer Worte aus. Diese fallen in Chats weg. So entsteht ein grosser Interpretationsspielraum, der zu Missverständnissen führen kann.

«Wir alle sind im gleichen Boot»

Die Eltern sollen durch gutes Vorbild auch die Jugendlichen leiten. «Setzen Sie weiterhin Grenzen!», ermutigt Sharmila Egger die Erziehenden. Jugendliche wollten Grenzen testen, sie wollten wissen, wie ihre Eltern reagieren. Es sei für sie eine Art Liebesbeweis. «Widerstand ist wichtig, da die Kinder merken, dass sie ernst genommen werden.»

Judith Scheuber aus Beckenried fühlt sich durch die Worte der Referentin bestätigt, weiterhin Grenzen zu setzen. «Ich habe das Gefühl, ich sei den ganzen Tag Polizist», meint die Mutter zweier Knaben im Alter von 10 und 13 Jahren. Sie findet es wichtig zu wissen, wie die Apps funktionieren, und schätzt an dem Abend, dass sie mit anderen Eltern ins Gespräch kommt. «Wir alle sind im gleichen Boot», betont sie. Schlussendlich müsse aber jede Familie ihren Umgang mit den Medien selber finden.

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