STANS: Wie sieht der Nidwaldner Wohlstand in Zukunft aus?

Das Nidwaldner Museum widmete sich der Geschichte vom Agrar- zum Tiefsteuerkanton. Bei einem Round-Table-Gespräch wagten Persönlichkeiten einen Blick in die Zukunft.

Richard Greuter
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Die Teilnehmer am Podium (von links): Diana Hartz, Markus Gammeter, Alfred Bossard, Marcel Frank, ­Fabienne Huber und Steve Nikolov. (Bild: Richard Greuter (Stans, 20. Mai 2017))

Die Teilnehmer am Podium (von links): Diana Hartz, Markus Gammeter, Alfred Bossard, Marcel Frank, ­Fabienne Huber und Steve Nikolov. (Bild: Richard Greuter (Stans, 20. Mai 2017))

Richard Greuter

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«Die hohe Lebensqualität und der Wohlstand des Kantons Nidwalden sind Attribute, die unseren Erfolg ausmachen», sagte Diana Hartz, Leiterin Wirtschaftsförderung, ihren Diskussionspartnern und fragte unter anderem am Schluss ihres einführenden Statements: «Kann Nidwalden in Zukunft noch im Wohlstand leben?» Einen Steilpass lieferte Gesprächsleiter Christoph Baumgartner, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Staatsarchivs, gleich zu Beginn: «Kann sich eine Mittelstands­familie zukünftig noch eine Wohnung leisten?» Eine Frage, die lange ohne Antwort blieb.

Vielmehr drehte sich die Diskussionsrunde um Innovation, Mobilität und wirtschaftliche Themen. Steve Nikolov, Direktor Sales & Management des Bürgenstock Resorts, sprach über den Bau der Hotelanlage und nannte sie Innovation von A bis Z. Als Beispiel erwähnte er den Medizintourismus, der 50 Prozent des Umsatzes generieren und auch Allgemeinpatienten einbinden soll. Die Stanserhornbahn habe mit der Cabriobahn das Ziel gehabt, dass sich Innovation nicht erst auf dem Berg auswirkt. «Wir wollten eine Komfortsteigerung bereits auf der Fahrt», berichtete Marketingleiterin Fabienne Huber. Markus Gammeter, Vorsteher Amt für Raumentwicklung, kam auf die verstopften Strassen und die überfüllten Züge zu sprechen. Seine Zukunftsvision: Ein Sharing-System, wo der Einzelne kein eigenes Auto mehr besitzt. «Wo man mit weniger Verkehr mehr Mobilität erzielt und so die Probleme löst.»

Regierungsrat Alfred Bossard beleuchtete die Hintergründe der Steuerstrategie und die Standortnachteile Nidwaldens: «Wir sind nicht in der Nähe eines Flughafens oder einer grossen Stadt.» Neben einer schönen Wohnlage und guten Verkehrsverbindungen brauche es deshalb ein attraktives Steuerklima. Allerdings, so Bossard, sei die finanzielle Diskrepanz unter den Kantonen in den letzten Jahren kleiner geworden. Und auf Nidwalden bezogen: «Wir haben wenig Landressourcen, mit denen wir Unternehmen anziehen könnten, ergo müssen wir uns auf gut zahlende Privatpersonen konzentrieren.»

Roboter ist nichts für gut zahlende Gäste

Unterschiedlich äusserten sich die drei beteiligten Unternehmer über die Digitalisierung. «Die Digitalisierung ist für uns im Tourismus eine Notwendigkeit», meinte Steve Nikolov. Dabei verwies er auf moderne Buchungsformen etwa mit PC, Tablet oder Handy. «Entweder man nutzt sie, oder man fällt aus dem Markt.» Als dann Roboter als Ersatz für Arbeitskräfte zur Sprache kamen, wehrte sich Nikolov: «Ein Gast, der viel Geld ausgibt, ist nicht bereit, sich von einer Maschine bedienen zu lassen.» Fabienne Huber von der Stanserhornbahn sprach von einer eher marginalen Bedeutung der Digitalisierung. Dabei erwähnte sie, dass nach wie vor Kartonbillette abgegeben werden: «Wir probieren die Digitalisierung zu entschleunigen.» In der Kundenbindung und Werbung hat die Digitalisierung für Marcel Frank, Geschäftsleiter von Frank Türen, eine grosse Bedeutung. «Global sichtbar sein ist bei uns ein ganz wichtiges Thema.» Als unentbehrlich erachtet Frank die Digitalisierung in rationelleren Arbeitsprozessen.

Wohnungen für den Mittelstand

Nach weiteren Themen wie Demografie, Frauenförderung, Jobsharing, Fachkräftemangel und Gastarbeiter eröffnete Gesprächsleiter Christoph Baumgartner die Diskussionsrunde für die Zuschauer. Dabei kam die einleitende Frage des Gesprächsleiters ins Spiel. «Wir haben genug von der Oberklasse gesprochen», meinte eine Votantin und verwies auf den Wohnungsmangel und auf Leute, die mit wenig Geld leben müssen.

«Es ist wichtig, dass wir auch Perspektiven für die Schwachen schaffen», warf die Votantin ein. Regierungsrat Alfred Bossard, der auf diese Frage einging, verweis auf den Umstand, dass Gemeinden auch schon Mühe hätten, günstige Wohnungen zu vermieten. Meinte dann aber doch, dass da ein Problem besteht: «Wenn der Mittelstand nicht zufrieden ist, ist es nicht gut. Und da müssen wir hinschauen.»