Stans will den Antennenwald bewirtschaften

Gewisse Gebiete sind für Mobilfunkantennen tabu – und trotzdem braucht es sie. Der Stanser Gemeinderat versucht den Spagat und ist an der kommenden Gemeindeversammlung Thema.

Matthias Piazza
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Smartphones: Sie sind beliebt. Anders sieht’s bei den notwendigen Antennen aus. (Symbolbild: Pius Amrein)

Smartphones: Sie sind beliebt. Anders sieht’s bei den notwendigen Antennen aus. (Symbolbild: Pius Amrein)

Von überall her ins Internet zu gelangen und zu telefonieren, ist praktisch, darin sind sich wohl alle Smartphone-Benutzer einig. Der Preis dafür ist ein dichtes Netz von Mobilfunkantennen, welche nicht überall gerne gesehen sind. Gegen ein Gesuch für eine Sunrise-Mobilfunkantenne an der Stanser Robert-Durrer-Strasse etwa gingen vor sechs Jahren 740 Einsprachen ein. Der Gemeinderat bewilligte das Gesuch damals nicht, weil es schliesslich durch den Gesuchsteller zurückgezogen wurde.

Bekanntlich hat das Thema in den vergangenen Jahren nicht an Brisanz verloren. Nun will der Gemeinderat die Mobilfunkantennen in das Bau- und Zonenreglement integrieren. Darüber stimmen die Stanser an der Gemeindeversammlung vom 27. November ab. «Heute befinden wir von Fall zu Fall über die Errichtung einer Mobilfunkantenne, wie man das bei jedem Baugesuch macht», erklärt der zuständige Gemeinderat Martin Mathis. Am Gesuch ändere sich nichts. Auch die Grundeigentümer und weitere berechtigte Personen könnten nach wie vor Einwendungen einreichen. Der Grundeigentümer der Standortparzelle muss mit der Antenne einverstanden sein.

Am liebsten ausserhalb der Bauzonen

Neu soll ein Raster dem Mobilfunkanbieter und dem Gemeinderat als Richtschnur bei neuen sichtbaren Mobilfunkantennen dienen. Die Regeln sehen vor, einen Standort ausserhalb der Bauzone zu bevorzugen. In zweiter Priorität kommen Industrie-, Gewerbe- und Sondernutzungszonen in Frage, allerdings wird ein Abstand von mindestens 100 Meter zu Wohnhäusern verlangt. Zonen für Sport- und Freizeitanlagen und öffentliche Zwecke (ohne Spital/Alters- und Pflegeheim und Wohnheim für beeinträchtigte Personen) sind dritte Wahl. Erst, wenn der Mobilfunkanbieter immer noch nicht fündig geworden ist, darf er auf die übrige Bauzone ausweichen.

«Wir wollen und können Mobilfunkantennen nicht verhindern. Die Leute wollen ein lückenloses Netz. Andererseits wollen wir auch den Befürchtungen der Menschen Rechnung und zum Ortsbild Sorge tragen. Sichtbare Antennen im Dorfkern lassen wir nicht zu», macht Martin Mathis ein Beispiel.

Mobilfunkanbieter leisten Widerstand

Gegen diese Anpassung des Bau- und Zonenreglementes haben die drei Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt Einsprache erhoben. Im Kern stören sie sich daran, dass Standorte ausserhalb der Bauzonen zu bevorzugen sind. Ausserdem soll eine Antenne auch in der Kern- und Dorfzone erlaubt sein, wenn sie zur Wahrung der Kommunikationsfreiheit unabdingbar ist und in das Orts- und Landschaftsbild integriert werden kann. Die Stanser stimmen darum auch über diese Einwendung ab und über allfällige Abänderungsanträge, welche bis am 17. November eingereicht werden können.

Eher um eine Formsache geht es bei einer weiteren Teilrevision der Nutzungsplanung. Die Parzelle zwischen A2, Ennetbürger-, Kreuzstrasse und der Autobahneinfahrt Richtung Gotthard soll von der Zone für öffentliche Zwecke in die Sondernutzungszone umgewandelt werden. Der Kanton Nidwalden als Besitzer des 5513 Quadratmeter grossen Grundstückes beantragte die Anpassung, weil auf dem Platz nicht nur Materialien für den Strassenbau gelagert, sondern auch Baracken oder Maschinen abgestellt sowie Bauteile vorgefertigt werden. Damit sei die Nutzung wieder zonenkonform, schreibt der Gemeinderat in der Botschaft.

Gemeindeversammlung: Mittwoch, 27. November, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Turmatt. Die Botschaft finden Sie hier.

Finanzsituation ist angespannt

(map) Für 2020 rechnet der Stanser Gemeinderat bei einem Aufwand von 39,3 Millionen Franken mit einem Aufwandüberschuss von 754'400 Franken. Noch 2018 schloss die Gemeinde mit einem Ertragsüberschuss von 665'025 Franken ab. Dass auch im Jahr 2020 mit einem Minus zu rechnen ist, und dass darum der für die Finanzen zuständige Gemeinderat Florian Grendelmeier weiterhin von einer angespannten Finanzlage spricht, hat mehrere Gründe, wie er auf Anfrage erklärt.

Unter anderem seien die Personalkosten aufgrund der in den letzten Jahren in Stans notwendig gewordenen Stellen generell höher als in den Vorjahren. Auch bei der Schule seien die zu budgetierenden Aufwände markant gestiegen, zum Beispiel wegen notwendiger Neuanschaffungen von Lehrmitteln im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21, aber auch wegen zusätzlicher Aufwendungen bei den Schulliegenschaften. Zudem sei mit höheren Kosten bei der ambulanten und integrativen Förderung zu rechnen, etwa wegen verhaltensauffälliger Kinder. Auch sei bei den Steuereinnahmen eine Anpassung an die tatsächlichen Erträge erfolgt, sodass insgesamt von rund 90'000 Franken niedrigeren Steuererträgnissen ausgegangen werde.

Investiert wird im nächsten Jahr voraussichtlich für rund 4 Millionen Franken. Der Steuerfuss für natürliche Personen soll bei 2,45 Einheiten belassen werden.