STANS: «Wir sind Papst!»

Ohne die «Freien» wäre die Fasnacht nur halb so originell: Die «Abigler» etwa sind als Schweizergardisten – den Stanser Pfarrer als neuen Papst zu bewachen.

Matthias Piazza
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Haben ihren Pfarrer zum Papst erhoben: die Stanser «Gardisten» der Gruppe Abigler. (Bild André A. Niederberger)

Haben ihren Pfarrer zum Papst erhoben: die Stanser «Gardisten» der Gruppe Abigler. (Bild André A. Niederberger)

Der Urknall oder der Umzug am Nachmittag sind am Schmutzigen Donnerstag nicht die einzigen fasnächtlichen Highlights. Es lohnt sich auch ein Aufenthalt auf dem Dorfplatz. Denn der verwandelt sich in diesen Tagen in einen richtigen Hexenkessel. Wohin man blickt, überraschen «freie» Fasnachtsgruppen mit originellen Sujets, die sie in zahllosen Stunden und mit viel Herzblut entwickelt haben. Besonders ins Auge sticht einem eine Gruppe von unerschrockenen Schweizergardisten. Ihre blau-gelb-rot gestreifte Uniform und der rote Helmschmuck bilden einen bunten Kontrast zum Schneegestöber. In ihrer «sixtinischen Kapelle» wird allerlei Tranksame ausgeschenkt – bei diesem nasskalten Wetter heissbegehrt.

Vier Nähmaschinen auf Hochtouren

«Der Papst ist gestorben, und wir haben einen Nachfolger gefunden – und ihn zum neuen Papst ernannt: unseren Stanser Pfarrer», verkündet «Gardekommandant» Marc Zimmermann von den «Abiglern», einer Gruppe von sieben Stansern im Alter zwischen 23 und 30, die an der Stanser Fasnacht jeweils mit einem Motto glänzt. Und auch keinen Aufwand scheut. Denn das fasnächtliche Erlebnis habe schon eine Woche vor dem Schmutzigen Donnerstag begonnen – bei den aufwändigen Vorbereitungsarbeiten. «Die meisten von uns haben dafür extra eine Woche vor dem Schmudo frei genommen. Es wurde auf Hochtouren gezimmert, gebastelt, genäht. Teilweise liefen vier Nähmaschinen parallel. Nur schon das war ein Riesenerlebnis», erzählt der begeisterte Fasnächtler.

Schon seit rund sechs Jahren sorgen die mittlerweile sieben Stanser Fasnachtsbegeisterten für den nötigen Farbtupfer an den närrischen Tagen – glänzten schon als Skiliftanbügler (das Sujet gab der Gruppe ihren Namen Abigler), Kasperlitheater, Jockeys, Appenzeller Nacktwanderer oder Patrouille-Suisse-Piloten.

Fan der Stanser Fasnacht

«Wir wollen das Brauchtum an der Stanser Fasnacht pflegen, den Jungen beweisen, dass die Stanser Fasnacht toll ist mit ihren vielen freien Gruppen und den selbst gebastelten Kostümen und Ständen», begründet Zimmermann seine Motivation. «Es wäre schade, wenn dieses Brauchtum verloren ginge.»

An Stans komme keine andere Fasnacht heran – auch die Luzerner nicht. «Hier in Stans ist Fasnacht viel cooler, persönlicher, interessanter, es wird geschätzt, was man macht. Jeder akzeptiert jeden so, wie er ist. Für mich stimmt es hier total. Man trifft Leute, die man seit langem nicht mehr gesehen hat. Dafür investiere ich gerne zwei Wochen Ferien, statt auf die Malediven zu fliegen.»

Zum Papst-Motto sei man übrigens ganz spontan gekommen. Was sonst noch in der engeren Auswahl gestanden war, wolle er nicht verraten. «Vielleicht wird es ja das Motto der nächsten Fasnacht», so Marc Zimmermann.